Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, doch 80 bis 90 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Krankheit.
Mehr als eine UnverträglichkeitWas Sie über die Autoimmunerkrankung Zöliakie wissen müssen

Oft sind Produkte als «glutenfrei» etikettiert. (Symbolbild)
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Eine Zöliakie stellt weit mehr als eine simple Unverträglichkeit dar und wird häufig erst spät diagnostiziert. Für Betroffene bedeutet dies, dass sie im täglichen Leben, sei es zu Hause, beruflich, auf Reisen oder beim Essengehen, Gluten konsequent meiden und zahlreiche Vorkehrungen treffen müssen. Anlässlich des Welt-Zöliakie-Tages am kommenden Samstag werden hier die zentralen Aspekte beleuchtet.
Gluten und Zöliakie: Was steckt dahinter?
Bei Gluten handelt es sich um eine Substanz, die in diversen Getreidearten zu finden ist. „Dieses Klebereiweiß ist vorwiegend in bestimmten Getreidesorten enthalten, etwa in Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen“, erklärt Birgit Terjung, die als Sprecherin für die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) tätig ist.
Bei Zöliakie handelt es sich um eine autoimmune Störung, die durch eine Abwehrreaktion des Körpers auf Gluten gekennzeichnet ist. Nach Auskunft der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) können bereits geringste Spuren von Gluten diese Immunantwort hervorrufen. Die Folge ist eine Entzündung des Dünndarms, die mit einem Abbau der Darmzotten einhergeht und somit die Darmschleimhaut beeinträchtigt. „Langfristig kann die anhaltende Schädigung der Darmschleimhaut zu Nährstoffmängeln führen und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Osteoporose erhöhen“, erklärt Kseniya Mai, die Sprecherin der DZG.
Diese Zotten werden als bis zu einen Millimeter große Erhebungen der Dünndarmschleimhaut beschrieben. Die Gastroenterologin Terjung führt aus, dass diese bei Personen mit Zöliakie aufgrund einer glutenhaltigen Kost fast vollständig verschwinden. „Dadurch funktioniert die Aufnahme von Nährstoffen schlechter“, fügt sie hinzu. Durch eine strikt glutenfreie Diät kann sich die Schleimhaut regenerieren, ein Prozess, der allerdings ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen kann.

Wer Zöliakie hat, kann kein glutenhaltiges Getreide wie Weizen essen. (Symbolbild)
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Eine Abgrenzung zur Zöliakie ist bei der konventionellen Weizenallergie erforderlich. Letztere manifestiert sich in allergischen Antworten auf unterschiedliche Weizenproteine, beispielsweise in Form von Hautausschlägen, Atembeschwerden oder gastrointestinalen Problemen. „Betroffene müssen Weizen meiden, vertragen jedoch häufig andere glutenhaltige Getreidearten“, führt Mai aus.
Krankheitsanzeichen: Von klassisch bis atypisch
Klassische Symptome der Zöliakie umfassen Diarrhö, einen Rückgang des Körpergewichts sowie Abgeschlagenheit. Allerdings sind auch andere Symptome wie Obstipation, Abdominalschmerzen und Flatulenzen möglich. Des Weiteren stellt ein Mangel an Eisen ein verbreitetes Kennzeichen dar. „Dadurch, dass diese Zotten abgebaut sind, wird das Eisen nicht mehr richtig aufgenommen“, erläutert Terjung. Abweichende Werte bei Leber oder Bauchspeicheldrüse können ebenfalls ein Indiz für Zöliakie sein.
Nicht jeder Patient zeigt sämtliche Krankheitsanzeichen. „Die Verzögerung der Diagnostik liegt meist daran, dass selten das Vollbild der Zöliakie mit massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen vorliegt“, teilt die DZG mit. In den meisten Fällen dominieren Krankheitsverläufe, die sich durch wenige oder vereinzelte Beschwerden auszeichnen. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) resultiert Zöliakie aber auch ohne wahrnehmbare Anzeichen stets in einer Dünndarmentzündung, die einen Mangel an Nährstoffen nach sich ziehen kann.
Feststellung und Verbreitung der Zöliakie
Besteht der Verdacht auf Zöliakie, wird laut Expertin Terjung zuerst eine Blutanalyse zur Bestimmung von Transglutaminase-Antikörpern vorgenommen. Darüber hinaus wird bei erwachsenen Personen oft eine Gastroskopie vorgenommen, um die entzündlichen Veränderungen der Dünndarmschleimhaut zu bewerten.
Aktuellen Schätzungen der DZG zufolge leidet rund ein Prozent der Bevölkerung an dieser Autoimmunerkrankung, wobei eine hohe Zahl unentdeckter Fälle vermutet wird. „Nur bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen liegt das klassische Vollbild der Zöliakie vor“, gibt die DZG an. „80 bis 90 Prozent haben untypische, nur wenige oder keine Symptome und wissen daher oft nichts von ihrer Erkrankung.“
Praktische Hinweise für den Alltag von Betroffenen
„Für Menschen mit Zöliakie ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung die zentrale Maßnahme“, stellt Mai fest. Hierbei ist nicht allein die richtige Wahl der Nahrungsmittel entscheidend, sondern ebenso die Handhabung potenzieller Quellen für eine Kontamination. Werden in einem Haushalt auch glutenhaltige Produkte genutzt, ist eine sorgfältige Säuberung von Küchengeräten, Schneidebrettern und sonstigen Utensilien von Bröseln unerlässlich.
Hinsichtlich körperlicher Nähe können Betroffene jedoch aufatmen, wie eine Untersuchung der American Gastroenterological Association nahelegt. Ein Wissenschaftlerteam analysierte Paare, von denen jeweils ein Teil an Zöliakie erkrankt war. Wie in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ publiziert wurde, resultierte das Küssen eines Partners nach dem Verzehr von Gluten in einer derart niedrigen Glutenmenge, dass diese als unbedeutend bewertet werden konnte.
Nach Einschätzung der DZG ist die Krankheit prinzipiell zwar ein Begriff, dennoch gibt es erhebliche Informationsdefizite. „So wird die Erkrankung in ihrer Schwere häufig unterschätzt oder mit freiwilligen Ernährungstrends verwechselt“, äußert Mai. Expertin Terjung zufolge stellt auch die missverständliche Begriffsverwendung eine Schwierigkeit dar. Zahlreiche Personen gäben fälschlicherweise an, von Zöliakie betroffen zu sein, was in überflüssigen Ernährungsumstellungen münde. Aus diesem Grund erkennt sie einen Fortbildungsbedarf für Mediziner sowie für Fachkräfte in der Ernährungsberatung. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.