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„Was genau meinen Sie damit?“So kontern Sie subtile Angriffe im Job am besten

4 min
Frau schaut niedergeschlagen während eines Gesprächs

Nur ein doofer Spruch? Auch vermeintliche harmlose Bemerkungen können mit der Zeit und den Selbstwert beeinflussen.

Versteckte Kränkungen im Job können zermürben. Eine Expertin erklärt, wie Sie Mikroaggressionen erkennen und kontern.

Versteckte Kränkungen im Arbeitsalltag können das Selbstvertrauen untergraben. Eine Fachfrau erläutert die Hintergründe und zeigt auf, wie man sich dagegen zur Wehr setzen kann.

Wenn als Antwort auf einen fundierten Einwand in einer Besprechung die Bemerkung „Das ist ja wie mit meiner Tochter“ fällt, ist das ein Beispiel. Ein anderes ist das vermeintliche Kompliment an eine Mitarbeiterin: „Für eine Frau kennst du dich aber echt gut aus in der Technik.“ Derartige Äußerungen mögen unbedenklich wirken, haben jedoch einen verletzenden Kern. Man spricht hier von Mikroaggressionen, also von unterschwelligen, nebensächlichen Kommentaren oder Handlungen, die eine herabsetzende Nachricht übermitteln, ohne dabei offenkundig aggressiv zu sein.

„Implizit steckt dahinter die Erwartungshaltung: Eigentlich kannst du das doch nicht, weil du eine Frau bist“, erläutert die Business-Coachin und Buchautorin Kyra Dohrin. Das Phänomen ist ihr nicht nur aus ihrer beruflichen Beratungstätigkeit vertraut, sondern ebenso durch ihre persönliche Laufbahn als leitende Angestellte in einem männlich geprägten Sektor.

Stereotype und Machtdemonstrationen als Auslöser

Frauen sind zwar nicht die einzigen, aber die häufigsten Adressatinnen von Mikroaggressionen, obwohl diese prinzipiell jeden treffen können. Der Ausdruck selbst bezeichnet keine geringfügige Aggression, sondern siedelt das Geschehen auf der sozialen Mikroebene an, also im direkten Umgang zwischen Individuen.

Laut Dohrin stellt die Stereotypenbildung den verbreitetsten Grund dar. Es handelt sich dabei um eine Methode des Gehirns, um die Vielschichtigkeit der Realität zu reduzieren. Die Fachfrau führt aus: „Sobald ein Mensch von einem stereotypen Rollenbild abweicht, ist das irritierend für das Gegenüber – und das kann schnell zu Mikroaggressionen führen, also zur Abwertung der Person, die von der Norm abweicht“. Dies geschieht beispielsweise, wenn weibliche Personen ein ausgeprägtes Karrierebewusstsein zeigen oder sich als sehr durchsetzungsfähig erweisen.

Vor allem im Arbeitskontext haben Mikroaggressionen eine erhebliche Bedeutung, weil dort Aspekte wie die Demonstration von Macht, die eigene Verortung und die Wahrnehmung durch andere zentral sind. „In Situationen, in denen es darum geht, sich in der hierarchischen Ordnung zu positionieren, werden Mikroaggressionen gerne eingesetzt – bewusst und auch unbewusst“, bekräftigt die Coachin.

Die zermürbende Wirkung wiederholter Angriffe

Während eine vereinzelte, unterschwellige Anmerkung von den Betroffenen oft noch bewältigt werden kann, entsteht das eigentliche Problem durch die Wiederholung der Ereignisse. „Diese Mikroaggressionen summieren sich auf und wirken dann wie kleine Nadelstiche“, so Dohrin.

Wer wiederholt derartigen Attacken ausgesetzt ist, fängt mit der Zeit an, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. „Das führt zu Glaubenssätzen, die am Selbstvertrauen nagen“, erklärt Dohrin. Dies kann zu Überzeugungen führen wie: Meine Leistung reicht nicht aus, ich sollte mich stärker anpassen oder ich genüge den Anforderungen nicht.

Gegenmaßnahmen: Konfrontation und strategische Allianzen

Allerdings existieren Vorgehensweisen, um Mikroaggressionen effektiv entgegenzutreten. Dohrin rät als Sofortmaßnahme dazu, das Geschehen auf eine übergeordnete Ebene zu verlagern. „Eine Reaktion, die man quasi auswendig lernen kann und die nahezu in jeder Situation funktioniert, ist der Satz: Was genau meinen Sie damit?“ Auf diese Weise wird die Beweislast umgekehrt. „Nicht ich muss mich rechtfertigen, sondern mein Gegenüber muss erklären, warum er das gesagt hat“, führt die Coachin aus.

Für eine nachhaltige Wirkung empfiehlt Dohrin zudem den strategischen Aufbau eines persönlichen Netzwerks und die gezielte Suche nach Verbündeten. „Das mächtigste Instrument, das man in einer Organisation haben kann, ist ein starker Sponsor – ein Verbündeter, der hierarchisch über einem steht“, äußert sie. „Wenn ich ihn dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen, unterstützt er mich automatisch dabei, meine Ziele zu erreichen.“

Umgang mit Übergriffen durch Vorgesetzte

Falls die Kränkung von einem Vorgesetzten kommt, ist es ratsam, dies nicht in Anwesenheit Dritter, beispielsweise in einer Besprechung, zu thematisieren. Dohrin mahnt: „Gesichtsverlust führt eher zur Gegenreaktion, zum Gegenangriff, aber nicht zur Lösung des Problems“.

Stattdessen empfiehlt es sich, derartige Vorkommnisse unter vier Augen anzusprechen. Dies gelingt am besten mittels Ich-Botschaften, indem man die Situation beschreibt, die eigene Wahrnehmung der Wirkung schildert und den Wunsch nach einer Veränderung äußert. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.