Eine Sammelklage gegen Meta erschüttert das Vertrauen in WhatsApp. Der Vorwurf, die App könne private Nachrichten systematisch auslesen, wiegt schwer.
Zuckerberg unter BeschussWhatsApp soll private Chats ausspionieren – was Nutzer jetzt wissen müssen

WhatsApp wird von Milliarden Menschen in der ganzen Welt benutzt. (Symbolfoto)
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Eine neue Sammelklage erschüttert das Vertrauen in den weltweit am häufigsten genutzten Messenger. WhatsApp, das seit 2014 zu Meta gehört, wirbt seit Jahren mit dem Slogan „Nur Sie und der Empfänger können Ihre Nachrichten lesen“.
Die App nutzt das Signal-Protokoll für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und beteuert, dass Nachrichten nach der Zustellung nicht auf eigenen Servern gespeichert werden. Eine im Januar 2026 vor dem US-Bezirksgericht in San Francisco eingereichte Class-Action-Klage (Fall 3:26-cv-00751-LB) wirft Meta- und WhatsApp-Chef Mark Zuckerberg jedoch genau das Gegenteil vor.
WhatsApp unter Beschuss: Ist die versprochene End-to-End-Verschlüsselung nur Marketing?
Die Kläger, allesamt WhatsApp-Nutzer aus Brasilien, Südafrika, Indien, Mexiko und den USA, werfen dem Konzern des Milliardärs vor, über eine Hintertür im Quellcode systematisch auf private Nachrichten zuzugreifen. Demnach sollen Meta-Mitarbeiter, externe Dienstleister wie der irische IT-Konzern Accenture sowie weitere Dritte Nachrichten nicht nur lesen, sondern auch abfangen, speichern und analysieren können – ohne Einwilligung der Nutzer.
Laut der Klage haben sie einen „breiten Zugang“ zu den Inhalten, den sie vor allem für Betrugs- und Richtlinienprüfungen nutzen, in der Praxis aber weit darüber hinausgehen. Aussagen von Whistleblowern, ehemaligen Accenture-Mitarbeitern, die bereits US-Behörden vorliegen, stützen diese Vorwürfe. Demnach konnten auch Meta-Angestellte über interne Tools mit nur einer Nutzer-ID auf Chats zugreifen.
Zuckerberg und Co. weisen die Vorwürfe als „kategorisch falsch und absurd“ zurück. Die Klage diene lediglich taktischen Zwecken und sei technisch unhaltbar.
Auswirkungen auf Millionen Nutzer von WhatsApp
Dennoch hat der Fall bereits im Januar für Aufsehen gesorgt: US-Ermittler der Handelsbehörde sollen die Aussagen von Contractor-Mitarbeitern geprüft haben. Eine endgültige Klärung steht noch aus, die Verhandlung läuft.
Der Skandal trifft WhatsApp mitten ins Mark. Mit über zwei Milliarden Nutzern in mehr als 180 Ländern gilt die App vielen als sichere Alternative zu SMS oder unverschlüsselten Diensten. Gerade in autoritären Staaten oder bei sensiblen Themen wie Journalismus, Aktivismus oder privaten Finanzgeschäften vertrauen Millionen Menschen auf den angeblichen Schutz der Privatsphäre.
Großer Imageschaden für WhatsApp, Meta und Mark Zuckerberg
Die Vorwürfe einer systematischen Umgehung der Verschlüsselung erschüttern dieses Vertrauen jedoch fundamental. Sie erinnern an frühere Datenskandale bei Facebook und werfen grundsätzliche Fragen auf: Wie viel „Privatsphäre“ ist auf zentralisierten Plattformen wirklich möglich?
Experten betonen, dass eine echte End-to-End-Verschlüsselung nur dann sicher ist, wenn der Anbieter keinen Zugriff auf die Schlüssel hat. WhatsApp speichert Metadaten (wer mit wem wann kommuniziert) ohnehin, was Datenschützer seit Langem kritisieren. Die Klage geht jedoch weiter und unterstellt eine bewusste Täuschung der Nutzer durch Werbeaussagen und Nutzungsbedingungen.
Für Meta ist der Fall nicht nur rechtlich, sondern auch imageschädigend. Der Konzern steht ohnehin durch Kartellverfahren und Datenschutzskandale unter Druck. Sollte sich herausstellen, dass die Verschlüsselung nur ein Marketingtrick war, drohen dem Unternehmen nicht nur hohe Schadensersatzforderungen, sondern auch ein massiver Nutzerschwund. Alternativen wie Signal oder Threema werben bereits mit dem Slogan „Keine Backdoors“ und dezentraleren Ansätzen. (mbr)
