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Massiver Schaden durch TikTok und Co.Willst Du glücklicher sein, dann reduziere Deine Social-Media-Zeit

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Dass Social Media unglücklich macht, ist inzwischen immer besser belegt. Auch der „World Happiness Report" stuft diese nun als schädlich für junge Menschen ein. RND

Dass Social Media unglücklich macht, ist inzwischen immer besser belegt. Auch der „World Happiness Report“ stuft diese nun als schädlich für junge Menschen ein. RND

In Australien gilt bereits ein Social-Media-Verbot für Kinder, andere Länder denken darüber nach. Nun liefert der World Happiness Report neue Argumente für einen Bann.

Die ständige Nutzung der sozialen Netzwerke macht junge Menschen unglücklich und gefährdet ihre mentale Gesundheit. Das hat nun auch der World Happiness Report ergeben. Der Bericht wird jedes Jahr zum „International Day of Happiness“ veröffentlicht, dem internationalen Glückstag der Vereinten Nationen am 20. März. Es fließen Daten aus über 140 verschiedenen Ländern ein. Verglichen wird, wie sich die Zufriedenheit und das Wohlbefinden von Menschen weltweit entwickeln, und welche Gründe es dafür gibt.

In der Pressemitteilung zum Report für 2026 heißt es wörtlich: „Die intensive Social-Media-Nutzung hat zu einem sinkenden Wohlbefinden bei jungen Menschen in den englischsprachigen Ländern geführt.“ Schon länger habe man beobachtet, dass junge Menschen in Nordamerika und Westeuropa heute deutlich unglücklicher seien als noch vor 15 Jahren. In demselben Zeitraum habe die Social-Media-Nutzung deutlich zugenommen.

Für den fast 300 Seiten starken Weltglücksbericht wurden etliche Untersuchungen zusammengefasst, die den Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und vermindertem Wohlbefinden belegen. So hatte unter anderem eine internationale Studie mit 15-Jährigen gezeigt, dass deren Lebenszufriedenheit bei geringer Social-Media-Nutzung am höchsten war, und bei sehr hoher Nutzung am niedrigsten. Am glücklichsten waren in einer Untersuchung die Jugendlichen, die weniger als eine Stunde pro Tag mit Social Media verbrachten.

Risiko für Depressionen verdoppelt

Das Risiko, eine Depression zu entwickeln, war bei 14-Jährigen, die mehr als fünf Stunden täglich Social Media nutzten, in einer Studie doppelt so hoch wie bei denjenigen, die es weniger als eine Stunde nutzten. In Deutschland verbringen Kinder und Jugendliche fast drei Stunden täglich mit Social Media, die Bildschirmzeit liegt bei viereinhalb Stunden.

Während die sozialen Netzwerke, zielloses Browsen und Gaming grundsätzlich mit einer geringeren Zufriedenheit einhergingen, trat es mit einer höheren Zufriedenheit auf, wenn das Internet überwiegend zum Lernen und zum kommunikativen Austausch oder zum Erstellen eigener Inhalte genutzt wurde. Zu schaden schien dem Wohlbefinden allerdings jede Form der exzessiven Internetnutzung, und zwar Mädchen und Frauen in besonderer Weise.

Auf den Punkt

Vieles, was mit der Nutzung von Social Media einhergeht, könne Jugendlichen direkt schaden, erklären die Autoren und Autorinnen des Reports: dass sie dort Darstellungen von Pornografie und Gewalt ausgesetzt sind sowie Cyberbullying, und dass sie zur Teilnahme an gefährlichen „Challenges” verführt werden. Zudem könnten sie dort in Kontakt zu Sexualstraftätern geraten. Negative Erfahrungen wie diese machen laut Bericht jedes Jahr weltweit Millionen Jugendliche auf den großen Plattformen.

Anbieter wissen, dass ihre Produkte schaden

Doch die Nutzung sozialer Medien könne jungen Menschen auch indirekt schaden, indem sie allmählich ängstlicher, depressiver und anfälliger für Selbstverletzungen und Essstörungen werden. „Es gibt immer mehr übereinstimmende und sich überschneidende Beweise dafür, dass die großen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und X in ihrer aktuellen Form und bei ihrer gängigen Nutzung gefährliche Konsumprodukte sind, die Jugendlichen massiv schaden“, heißt es in der Veröffentlichung.

Dabei belegt der Report auch, dass dies den Anbietern bekannt sei: „Führungskräfte und einige Mitarbeiter von TikTok, Snap und Meta wissen (oder scheinen zu glauben), dass sie Jugendlichen auf ihren Plattformen massiv schaden“, kann man dort lesen. Zitate und Statistiken, die durch Whistleblower, Klagen und durchgesickerte Dokumente und Studien aus den großen Social-Media-Unternehmen ans Licht gekommen seien, würden dies belegen.

Schwer, sich dem Sog zu entziehen

Auch scheinen sich viele Jugendliche selbst darüber bewusst zu sein, dass ihnen die sozialen Netzwerke nicht guttun. Im Report wird auf eine Studie verwiesen, der zufolge ein Drittel bis knapp die Hälfte der Gen-Z-Angehörigen sich wünschen würde, dass verschiedene Online-Plattformen nie erfunden worden wären. Und zwei Drittel der 16- bis 24-jährigen Frauen waren laut einer Befragung überzeugt, dass Social Media unter 16-Jährigen mehr schadet als nutzt.

Das Problem ist offenbar, dass es für Einzelne viel zu schwer ist, sich dem Sog zu entziehen. So machte der komplette Verzicht auf die Nutzung der Plattformen laut Bericht auch nicht glücklich – weil dadurch der Anschluss an die Peer-Group verloren ging. „Solange die Social-Media-Kanäle existieren, entstehen Menschen Nachteile, wenn sie nicht mitmachen. Aber die meisten Menschen würden sagen, dass es ihnen besser ginge, wenn sie nicht existieren würden“, fasst es der Report zusammen.

Neben der Analyse zu Social Media enthält der World Happiness Report auch in diesem Jahr wieder ein Ranking von Ländern nach deren „Glücklichkeits-Score“. Menschen in 147 Ländern wurden dazu befragt, wie sie selbst ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 einschätzen. Das Land mit den glücklichsten Menschen ist wie schon seit vielen Jahren Finnland, mit einem Score von 7,76, gefolgt von Island und Schweden. Deutschland belegt den Rang 17 mit einem Score von 6,88 und liegt damit einen Platz hinter dem Kosovo. Das ist eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, damals erreichte Deutschland einen Score von 6,75 und belegte Platz 22.