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Kölner Promis in FerienWie Peter Brings in die DDR einreiste

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Der kleine Peter Brings im Ferienlager (2.v.r.)

Köln – Peter Brings ist zehn, sein Bruder Stephan neun Jahre alt, als sie zum ersten Mal ohne Eltern in Urlaub fahren. Ihr Ziel: die DDR. Mit den Jungen Pionieren, der Jugendorganisation der DKP, geht es in den Sommerferien 1974 mit dem Zug nach Zwickau. Peter und Stephan sind zwar nicht bei den Jungen Pionieren, aber ihre Eltern Rolly und Dietlinde sind linksbewegt – Mindestvoraussetzung, um für 75 beziehungsweise 50 Mark (Geschwisterkind) für drei Wochen ins Ferienlager zu dürfen. Freiwillig, in die DDR? „Wir sind da nicht hingeprügelt worden, das war schon okay“, sagt Stephan Brings, „im Nachhinein war es eine super Erfahrung, zweimal dort gewesen zu sein: Wir wussten später immerhin ein bisschen Bescheid über ein Land, über das jeder redete, das aber keiner kannte.“

Dass er damals Heimweh hatte, lag nicht an der Besichtigung eines Trabi-Werks oder eines Kosmonauten-Zentrums in Karl-Marx-Stadt – die DDR habe „halt immer verzweifelt versucht zu beweisen, dass sie der bessere deutsche Staat sei“ – sondern an der damals bröckelnde Ehe seiner Eltern, erinnert sich Stephan Brings. Gut erinnern kann sich der Bassist noch an eine Fahrt zum Karl-Marx-Monument im heutigen Chemnitz, der zweitgrößten Porträt-Büste der Welt. Vor zwei Jahren war die Band anlässlich einer Fernsehshow von Florian Silbereisen mal wieder in Chemnitz, „da hat uns die Geschichte dann eingeholt, als wir an dem Denkmal standen“.

Stephan Brings nahm im Sommer 1974 mit Glasbaustein-Brille eher schüchtern bei den Wettbewerben um das am besten aufgeräumte Zimmer, dem Karl-Lieberknecht-Lauf oder am Fest der jungen Talente teil. Er wusste nicht recht, was er von den täglichen Begrüßungsappellen der Jungen Pioniere mit Strammstehen und Fahnenschwenken halten sollte. In Peters Augen sieht man auf einem Schwarz-Weiß-Bild dagegen Angriffslust – am Finger trägt der spätere Brings-Sänger einen dicken Verband.

„Ich hatte auf der Hinfahrt im Zug meinen Ausweis aus dem Fenster gehalten und gerufen: »Guckt mal, den werfe ich gleich raus«“, erinnert sich Peter Brings 40 Jahre später. „Einer der Jungs hat dann aus Spaß das Schiebefenster zugedrückt. Der Ausweis war weg, mein Fingernagel kaputt.“ Da die Reisegruppe sich noch in West-Deutschland befand, gab es jetzt ein Problem. Ein alt gedienter DKP-Funktionär konnte die DDR-Behörde nach langem hin und her überzeugen, Peter trotzdem einreisen zu lassen – und auch wieder aus.

Nein, sagt Stephan Brings, sie hätten für nichts in der Welt rübermachen wollen in die DDR. Auf einem Abenteuerspielplatz hätten sie Jugendliche mit Fuchsschwänzen an ihren rußpustenden Mofas und abgewetzten Klamotten kennengelernt. „Die haben Peters Adidas-Schuhe gesehen und entgeistert gefragt: »Wie, ihr seid von drüben und macht hier Urlaub?«“ Wir wussten ja, dass die Menschen nicht raus durften aus der DDR. Man hat schon gemerkt, dass es einige gern gewollt hätten.“ Die DKP propagierte zwar, dass die sowjetischen Atomraketen die guten seien und die DDR der gute deutsche Staat, der Eindruck von Peter und Stephan aber war ein anderer: „Es war alles ein bisschen grauer als in Köln. Es gab kein Parfum, es gab nicht alles zu essen, irgendwie roch es nach Sozialismus. Immerhin konnten wir von den 15 Ost-Mark, die wir als Taschengeld bekamen, alles kaufen, was wir wollten.“ Der Eintritt ins Freibad kostete 10 Ost-Pfennig.

Mit den Brings-Brüdern in der DDR war auch Birgit Saar, acht Jahre, und verknallt in Draufgänger Peter. Heute ist Birgit mit Stephan Brings verheiratet. In Urlaub fahren die zwei selten. Während Peter gerade auf Formentera entspannt, ziehen Stephan und Birgit ihr Häuschen in der Eifel vor.