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Extremer PreisanstiegAnders duschen, dicker Pulli – so wollen Kölner jetzt sparen

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Preiserhöhunh bei Rhein-Energie: Kölner und Kölnerinnen berichten über Sparmaßnahmen und Existenzängste.

KölnDie Nachricht von Montag (1. August) sorgte bei vielen Kölnern und Kölnerinnen für einen gewaltigen Schock: Die Kölner Rhein-Energie erhöht die Preise für Erdgas ab dem 1. Oktober deutlich. Der Arbeitspreis für die verbrauchte Kilowattstunde Erdgas steigt von 7,87 Cent auf 18,30 Cent – eine Erhöhung um knapp 133 Prozent. Wir haben in der Stadt nachgefragt: So wollen die Kölner und Kölnerinnen in Zukunft sparen.

KVB-Fahrer Hendrik Preuss-Feyer tippt sich an die Stirn.  „Die spinnen doch, unsere Berliner Politiker. Jahrelang haben sie geschlafen und jetzt geraten viele Haushalte in eine akute wirtschaftliche Krise. Ich habe bereits reagiert. Wenn meine Frau in der Badewanne duscht, nutze ich das Wasser anschließend auch noch. So haben wir das früher immer gemacht. Und so machen wir das jetzt wieder. Meinen Abschlag habe ich schon um 230 Euro erhöht. Ob das reicht, werde ich abwarten. Ob es dann noch für einen nächsten Urlaub reicht, ist fraglich.“

Auch ein anderer Kölner wird deutlich: „Das liegt an dem falschen Management. Die vorige Regierung hat sich zu abhängig gemacht. Die müssen eigentlich vor Gericht.“

„Geduscht wird ab jetzt im Eiltempo“

Auch Selim Sabanovic (39) ist sauer. „Wir werden doch nur verarscht. Da kriegen wir dann demnächst 300 Euro brutto, damit wir die Klappe halten. Ich werde jetzt umgehend eine Photovoltaik-Anlage beschaffen, dann kann ich wenigstens beim Strom sparen. Beim Heizen werden wir uns zurücknehmen. Geduscht wird in unserer Familie mit zwei Kindern jetzt im Eiltempo.“

Andere haben sich mit dem Sparen bislang noch Zeit gelassen. „Also bisher habe ich noch nicht angefangen zu sparen. Aber ich denke, dass es bis zum Winter noch viel teurer wird und spätestens dann wird die Zeit sein, dass wir dann auch sparen müssen“, berichtet ein weiterer Mann aus Köln.

Steigende Kosten: Kölnerinnen wollen weniger heizen

Claudia Kuhn (59) war geschockt, als sie die Nachricht hörte. „Da musste ich erstmal schlucken. Natürlich habe ich mich gefragt, wie ich das auffangen kann. Ich werde entsprechend die Heizung deutlich runterdrehen und hoffen, dass mein Chef im Büro tagsüber gut heizt.“

Die Heizung so lange es geht nicht benutzen. Auch für eine junge Kölnerin eine Option: „Wir haben gerade die Nebenkostenabrechnung bekommen und gesehen, wie krass das gestiegen ist, wir werden jetzt erstmal ein Puffer für die nächste Abrechnung zurücklegen und versuchen, nicht ganz so viel zu heizen.“

Rhein-Energie erhöht Preise: Sparen an allen Ecken

„Man macht sich schon große Gedanken, wie der Herbst und der Winter aussehen wird.  Und es sind ja nicht nur die Gaspreise, die explodieren – auch die Lebensmittelpreise werden immer höher“, berichtet eine weitere Kölnerin.

Husniye Demirbas weiß noch nicht, was an Kosten auf sie zukommt. „Ich habe ehrlich gesagt etwas Sorge, dass ich vor Schreck umfalle, wenn ich die Abrechnung bekomme. Meine Wohnung hat 107 Quadratmeter. Wenn ich die heize, bin ich anschließend arm. Daher bleibt sie aus.“

Steigende Preise: Existenzängste bei Kölnerin

Karin Böhne (77) aus Rodenkirchen ist im Zweiten Weltkrieg geboren. „Ich weiß noch, was Hunger und Kälte bedeuten. Ich werde meine Heizung nicht einschalten und einen dicken Pulli anziehen. Ich habe längst mein Auto abgeschafft, in den Urlaub geht es nur noch mit dem Zug. Meine Balkon-Pflanzen habe ich dieses Jahr nicht mehr gegossen, um Geld zu sparen. Gläser und Tassen spüle ich nur kurz ab, wenn kein Fett dran ist. Und ich werfe keine Lebensmittel weg, alles wird verwertet. So hat das meine Generation gelernt.“

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Für Zoe U. (36) ist es noch viel drastischer. „Ich bin alleinerziehende Mutter. Die steigenden Energiepreise haben bei mir eine existenzielle Angst ausgelöst, die mich nachts kaum noch schlafen lässt. Ich bin erschöpft und weiß nicht, wo ich noch sparen soll. Die Frage stellte sich bei mir nicht.“ (red)