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Prognose mit Leichlinger SonderwegenAlle sieben Schulen sind sicher

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Das ABC der Schulplanung ist komplizierter als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Leichlingen – Die guten Nachrichten überwogen: Alle fünf Grundschulen in Leichlingen sind in ihrem Bestand mittelfristig gesichert, weil in den kommenden Jahren so viele Kinder einzuschulen sind, dass die Klassenzimmer nirgendwo leer bleiben werden. Auch Sekundarschule und Gymnasium können mit stabilen Zahlen rechnen. Sie können bis 2031 mit vier bis fünf Zügen kalkulieren, also Parallelklassen pro Jahrgang, in der Sekundarstufe II sogar mit bis zu sechs. Nach der Auflösung von Real- und Hauptschule vertragen sich die beiden Bildungsstätten nach Einschätzung des Gutachters in Leichlingen gut, was nicht überall so sei.

Planung bis 2027

So weit, so gut lesen sich die Prognosen des neuen Schulentwicklungsplans für die Zeit von 2022 bis 2027. In der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur wurde der erste Entwurf am Dienstagabend vorgestellt. Das 40-seitige Zahlenwerk hat das Beratungsbüro Garbe, Lexis & von Berlepsch erstellt, das mit den örtlichen Gegebenheiten dank langer Zusammenarbeit gut vertraut ist und sie in seinen Berechnungen berücksichtigt hat. Denn der Teufel steckt häufig im Detail.

Prognose ist schwierig

Rund  2500 Kinder und Jugendliche, davon knapp 1000 Grundschüler, werden derzeit in Leichlingen unterrichtet. Vor einem Jahr waren es 2559,  in der Spitze im Jahr 2004 fast 3500. Es liegt nicht nur an schwankenden Geburtenzahlen und dem  unberechenbaren Elternwillen, dass verlässliche Prognosen schwierig sind.

So schert der jahrgangsübergreifende Unterricht in der kleinsten Leichlinger Gemeinschaftsgrundschule Bennert aus der Statistik der Klassenzahlen aus. Die GGS Witzhelden spielt eine Sonderrolle, weil Eltern und Kindern aus dem Höhendorf nicht zugemutet werden soll, in eine andere Schule in der Stadtmitte auszuweichen, wenn es auf dem Berg zu voll wird (höchstens nach Bennert).   Auch  die katholische Grundschule Kirchstraße hat als Bekenntnisschule eine Sonderstellung ohne verpflichtenden Einzugsbezirk.

„Ausrutscher" an der Sekundarschule

Zudem gibt es Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind. Zum Beispiel gab es für das laufende Schuljahr 2021/22 an der Sekundarschule einen Einbruch der Anmeldezahlen, der dazu geführt hat, dass nur drei statt vier Eingangsklassen gebildet werden konnten. „Das werten wir als Ausrutscher“, stufte Planer Detlef Garbe das unerwartete Abrutschen in den Klassen 5 nicht als Trend ein, der Sorgen bereiten müsse.

Als „Horror“ für jede Kalkulation bezeichnete er, was in Witzhelden geschehen ist: Dort sind offenbar durch starken Zuzug unerwartet viele i-Dötze am Start, so dass 2022 ausnahmsweise drei statt der üblichen zwei Eingangsklassen gebildet werden müssen und die Schule räumlich an ihre Grenzen stößt.

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Sind viele Kinder mit Förderbedarf oder Migrationshintergrund in der Grundschule, wären kleinere Klassengrößen vorteilhaft.

Das diffizile System der Grundschulen wird seit 2020 durch eine Vereinbarung zwischen allen Leitungen gestützt, damit alle Standorte eine zweizügige  Zukunftsperspektive haben und keiner ausblutet. Um Konkurrenzkämpfe zu vermeiden, soll bei zu vielen Anmeldungen die zusätzlich erforderliche Klasse 1 nach Absprache rotierend an einer der Schulen eingerichtet werden. Durcheinander wollen Planer und Schulamt in diesem System nicht anrichten. Darum ist Rektorin Sandra Richter mit dem Antrag, ihre Grundschule Büscherhof grundsätzlich auf drei Züge zu erweitern, ins Leere gelaufen.

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In der Sitzung begründete sie den Vorstoß mit „Verzweiflung“ über die zu hohe Belastung im „gemeinsamen Lernen“ mit Kindern mit erhöhtem Förderbedarf.    Von 234  Kindern hätten zwölf diagnostizierte und 20 vermutete Aufmerksamkeitsdefizite. 60 kämen aus sozial schwachen und 100 aus Familien mit Migrationshintergrund. In kleineren und leiseren Klassen, die drei Züge ermöglichen würden, könnte die sonderpädagogische Betreuung viel besser gelingen. Fachplaner Garbe und die Verwaltung rieten dennoch davon ab, auf drei Züge aufzustocken. Das größere Angebot würde zu Lasten anderer Schulen mehr Nachfrage bewirken und das Ziel kleinerer Klassen am Ende verfehlen.