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„CEO-Fraud“
So viel kostet die Betrugsmasche die Firmen in NRW

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Der Direktor des Landeskriminaltamts NRW auf der Pressekonferenz in Düsseldorf.

Düsseldorf – Im Auftrag des Chefs einen sechsstelligen Betrag überweisen – streng vertraulich, weil es um eine Fusion geht: Seit etwa einem Jahr gaukeln Betrüger auch Firmenmitarbeitern in NRW vor, solch eine Anweisung käme tatsächlich direkt vom Geschäftsführer. Die ahnungslosen Beschäftigten überweisen das Geld und sitzen damit den Betrügern auf. Firmen verlieren so Millionen.

LKA warnt Firmen und Mitarbeiter

Das Landeskriminalamt hat nun dazu aufgerufen, Mitarbeiter für diese Masche zu sensibilisieren. Weltweit gab es in den vergangenen drei Jahren etwa 22 000 bekannte Geschädigte durch den „CEO-Fraud“ (Geschäftsführer-Betrug), die insgesamt 3,1 Milliarden Dollar verloren haben. In Europa sind rund 1200 Fälle bekannt, in NRW wurden 39 Mittelständler und Großkonzerne um 31 Millionen Euro gebracht. Die Masche ähnelt dem sogenannten Enkeltrick, der bei Senioren angewandt wird. Dabei lassen die Betrüger die Rentner glauben, ein Enkel sei am Telefon und brauche dringend Geld. Beim „CEO-Fraud“ kommt der Kontakt allerdings vom Chef.

Zusammenarbeit mit FBI und Europol

„Das sind hoch professionelle Täter“, sagte LKA-Direktor Uwe Jacob am Mittwoch. Das LKA arbeite mit Europol, norwegischen Behörden und dem FBI zusammen, um sie zu schnappen. In NRW konnten 20 Millionen Euro zumindest eingefroren oder zurückgeholt werden. Wichtig sei, dass Betroffene sich schnell an Bank und Polizei wenden.

Recherche im Internet

Die Täter würden im Internet, meist in Berufsforen oder in Sozialen Medien über ein Unternehmen recherchieren und anschließend Mitarbeiter angeblich im Namen des Chefs kontaktieren – meist per E-Mail. Auch per Telefon nehmen die Kriminellen Kontakt auf, dann nutzen sie sogar stimmenverzerrende Software. Die Betrüger wissen zu diesem Zeitpunkt meist so viel über die Firma, dass sie sogar interne Fachbegriffe nutzen.

Internationales Netzwerk

Das Geld werde  entweder über Osteuropa oder direkt nach China transferiert, wo die Täter offenbar Konten besitzen. Zu ihrer Herkunft wollte sich das LKA nicht äußern, es handele sich aber meist um  international agierende Täter.

Entlassungen und Suizidgedanken

Doch die Betrüger bringen nicht nur die Unternehmen um Millionen. Für die betrogenen Mitarbeiter ist die Situation ebenfalls schrecklich. „Wir haben von Entlassungen gehört“, sagte LKA-Direktor Jacob in Düsseldorf. „Aber auch von Suizidgedanken der Angestellten.“ In diesen Fällen seien die Chefs ebenfalls gefragt. Es müsse ein offenes Betriebsklima herrschen, in dem die Mitarbeiter bei Fragen auch an den Geschäftsführer wenden können. Hingegen seien klare Verhaltensregeln und Warnungen wichtig, um möglichen hohen Schäden vorzubeugen.

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