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„Solange ich fit bleibe“ „Hacky“ Lückerath ist seit 51 Jahren in Bad Münstereifel der Nikolaus

Hans-Peter Lückerath, genannt Hacky, steht im Nikolausgewand mit Stab und goldenem Buch in der Hand in seiner Schreinerwerkstatt in Nöthen. Im Hintergrund befinden sich unter anderem ein Nikolaus, Elche und Weihnachtsbäume aus Holz.

Seit 51 Jahren gibt „Hacky“ Lückerath aus Nöthen den Nikolaus. Erst für die Bundeswehr, später für mehrere Dörfer, Feiern und auch privat.

Vor 51 Jahren schlüpfte Schreinermeister Hans-Peter Lückerath, den alle nur „Hacky“ nennen, aus Bad Münstereifel-Nöthen zum ersten Mal ins  Nikolaus-Gewand. Bis heute hat der 71-Jährige Spaß an der Rolle.

Der Nikolaus wohnt in Nöthen. Zumindest einer seiner irdischen Stellvertreter. „Er hat die Augen und die Nase vom Hacky – war der das?“, sagt Hans-Peter Lückerath, den alle Welt nur als eben diesen Hacky kennt, und zitiert damit einen Satz, den ein Kind gesagt hat, als es ihn im Nikolaus-Kostüm gesehen hat.

Dass der Schreinermeister aus Nöthen beim Thema Fußball der Farbkombination Rot-Weiß durchaus zugetan ist, weiß man über die Ortsgrenzen hinaus, Lückerath ist FC-Fan durch und durch. Doch in der Adventszeit ist es ein anderer rot-weißer Dress, den Lückerath seit 51 Jahren überzieht – den des Nikolaus von Myra, im Rheinland auch bekannt als „hillije Mann“.

Mit der Bundeswehr fing alles an

Doch wie kam es dazu, dass der heute 71-Jährige zum Nikolaus wurde? Das ereignete sich in einer Zeit, in der er vornehmlich in Oliv gekleidet war. Als er als 20-Jähriger bei der Bundeswehr war – in einer Kaserne in der Nähe von Hannover –, da feierten die Rheinländer den Nikolaustag. Und Hacky wurde dazu auserkoren, in die Rolle des Heiligen zu schlüpfen.

Und er fand Gefallen daran. Es folgten deshalb private Nikolauseinsätze, und zwar den ganzen Advent über. „Ich war oft in fünf oder sechs Häusern pro Abend“, erinnert sich Lückerath. So mancher Bewohner von Harzheim, Holzheim, Nöthen, Gilsdorf, Weiler am Berge, Schönau, Bad Münstereifel und anderen Dörfern im Umkreis, der heute schon längst erwachsen ist, dürfte als Kind mal Besuch von Nikolaus Hacky bekommen haben. Und zwar immer allein.

Immer ohne Hans Muff

Das Gespann Nikolaus und Hans Muff hat es bei Lückerath nie gegeben. Die Kinder sollten Positives mit dem Nikolaus verbinden und keine Angst haben. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt Lückerath. Dennoch kam es vor, dass sich ein Kind vor dem weißbärtigen Mann mit der Bischofsmütze hinter der Mama versteckt hat. „Die Zurückhaltung bei den Kindern ist bis heute geblieben“, sagt er.

Die ersten Jahre war das Nikolausgewand noch geliehen. Doch vor rund 40 Jahren hat er sich einmal eines schneidern lassen. Und das trägt er immer noch. In fünf Minuten wird aus dem Schreinermeister Hacky der Bischof von Myra. Wenn er in Nöthen unterwegs war, wurde er von seinem Gehilfen Wolfgang Schmitz unterstützt. „Nach einem Auftritt legte der mein goldenes Buch auf das Autodach“, erinnert sich Lückerath an eine Anekdote. Die beiden vergaßen das Buch, fuhren los – und verteilten den Inhalt des Buches im ganzen Dorf. „Nachbarn haben alles wieder aufgesammelt“, erzählt Lückerath lachend.

Handwerker als Therapeut

Natürlich besuchte er auch Weihnachtsfeiern, etwa von Kegelclubs oder bei der Mechernicher Bundeswehr, oder Kindergärten in Hohn, Bad Münstereifel und Nöthen. Und 25 Jahre war er auch der Nikolaus im Kurheim Hoever, wo er 28 Jahre therapeutisch tätig war.

Das Nikolaus-Kostüm hatte er in der Adventszeit immer im Auto liegen – nur für den Fall der Fälle, falls irgendwo ein Nikolaus gebraucht wird. So war er privat im Kupferkessel in Schönau und hörte dann von der Weihnachtsfeier einer Frauengemeinschaft. „Innerhalb von fünf Minuten hatten die einen Nikolaus“, erzählt Lückerath und lacht.

Die Kinder hatten ja drei Jahre nix.
Hans-Peter „Hacky“ Lückerath

Heute hat er das Engagement als Nikolaus ein wenig zurückgefahren. Seit zehn Jahren fest im Terminplan steht aber ein Besuch in Arloff auf Einladung des Turnvereins. So wie am vergangenen Wochenende. „Die Kinder hatten ja drei Jahre nix“, sagt Lückerath und meint die Corona-Pandemie.

Er gibt aber auch zu: Am schönsten ist es immer noch zu Hause in Nöthen. Samstags ist er für die Kinder der Nikolaus, sonntags für den Altentag. An diesem Samstag ist es soweit. Einen Vorgeschmack gab er zuletzt bei einer Adventsmesse in Nöthen, als er unangekündigt als Nikolaus in die Kirche kam und dem verdutzten Diakon Manfred Lang ein Nikoläuschen überreichte mit den Worten: „Aber nicht alles auf einmal aufessen!“

Und wie lange will der 71-Jährige noch Nikolaus sein? „Solange ich fit bleibe, denn ich habe jedes Jahr Lust darauf und immer noch Spaß daran.“