BenefizkonzertTrinity Boys bezauberten mit klaren Kinderstimmen in Bad Münstereifel

Wussten ihr Publikum in der Jesuitenkirche von ihrer Kunst zu überzeugen: die Trinity Boys aus London.
Copyright: Carolin Hasselbach
Bad Münstereifel – Sie bewegten sich vollkommen lautlos. Kein einziges Geräusch störte den Gesang des Trinity Boys Choir aus London, der, „Gaude, gaude Maria“ singend, durch die Jesuitenkirche zog und sich dann im Altarraum aufstellte. Das Publikum konnte vom ersten Ton an abtauchen in den klaren Stimmen, deren Schwingungen sich im Kirchenschiff oft so miteinander verwoben, dass man bei geschlossenen Augen die Klangquelle kaum noch orten konnte.
Am Sonntagabend gab der britische Chor ein Benefizkonzert zugunsten der Fluthilfe. Er teilte sich dabei in zwei Abteilungen auf. Der Trinity Boys Choir „Nine“ bestand aus neun noch sehr jungen Sängern.
Große Präzision
Seit fünf Jahren singen die Jugendlichen zusammen und sind auf dem besten Weg zu großer Präzision. Ihre Stimmen erklangen in allen Tonlagen gleich homogen und mühelos, verbanden helles, kindliches Timbre mit der hohen Kunst und Tiefe sakraler Chorgesänge.
Zudem gab es eine Gruppe erwachsener Sänger, die „Cirrus Voices“. Sie gaben den Stücken zusätzlich ein erdendes Fundament. Diese ehemaligen Chorknaben sind inzwischen professionelle, erfolgreiche Tenöre und Bässe, die ihren eigenen Solokarrieren nachgehen.
„Solstice“ lautete der Titel des bündigen Programms – es hatte also die Sonnenwende zum Thema. Es erstreckte sich vom längsten Tag des Sommers, der hierzulande kurz bevorsteht, bis zur Wintersonnenwende im Dezember. Der Trinity Boys Choir nahm das Publikum in der gut besetzten Jesuitenkirche mit auf ihre liturgische Zeitreise. Von der Renaissance bis zur Gegenwart reichte dabei das Repertoire.
Untermalung mit Handglocken
Eine wundervolle Ergänzung gab es gleich im zweiten Stück „Square Le Roy“. Die Künstler von Cirrus Voices nahmen jeder zwei Handglocken und stimmten damit auf das Lied ein. Das gelang ihnen erstaunlich synchron. Die Glocken kamen im Laufe des Programms immer wieder zu Einsatz und waren wirklich etwas ganz Besonderes.
Die Ursprünge der Squares sind bis heute ungeklärt. Realisiert wurden sie hier vom Komponisten Graham Lack, der viel für den Trinity Boys Choir schreibt und beim Konzert in Bad Münstereifel anwesend war. Aus seiner Feder stammt auch „Candlemas“, das in Teilen interpretiert wurde und religiöse und heidnische Vorstellungen über das Fest der Lichtmesse verbindet.
Dieses Stück enthielt viele Raffinessen, vom nahezu lupenreinen Unisono über spannende Rhythmik bis zu reibenden, aber dank der rein schwingenden Stimmen durchweg angenehmen Dissonanzen. Auch hier setzte der Glockenchor schöne Akzente.
David Swinson leitete das professionelle Ensemble durch das Programm und schuf eine Musik, die auf bestechend unspektakuläre und geradlinige Art überaus lebendig war. Zeitgenössische Musik flocht er geschickt in das Programm ein.
Auflockernde Soli
Das sorgte für feinsinnige Kontraste, die niemals unpassend wirkten, sondern vielmehr den Reiz des außergewöhnlichen Konzerts ausmachten.
Neben Lack zählten auch Judith Weir, Herbert Sumsion und Harald Darke zu den Komponisten der Neuzeit. An der Orgel begleitete Martin Ford die Sänger im Altarraum. Einzelne Soli lockerten den Ablauf auf. Kein Wunder also, dass der Chor so erfolgreich ist und bereits Auftritte unter anderem in Londons Covent Garden und der Mailänder Scala hatte.
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Mit „Alma redemptoris mater“ aus dem 13. Jahrhundert endete das Benefizkonzert in der Jesuitenkirche, doch das Ensemble hatte eine deutschsprachige Zugabe für die begeisterten Zuhörer vorbereitet. Mit „Der Mond ist aufgegangen“ verabschiedete sich der Trinity Boys Choir aus London von seinem Bad Münstereifeler Publikum.




