Ehemaliger Bahnhof DollendorfNeues Zuhause im Bahnhof

In diesem lichtdurchfluteten Anbau wähnt sich der Besucher inmitten der das Haus umgebenden Natur.
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Blankenheim-Ahrhütte – Eine wirklich außergewöhnliche Wohnlage haben sich Pascale Stangier und Ulrich Peetzen ausgesucht: Wenn das Paar vor seinem Haus sitzt, dann kommen zwar keine Autos, aber jede Menge Radfahrer vorbei.
Und wenn sie sich auf der Terrasse hinter dem Haus aufhalten, dann warten sie vergebens auf einen Zug.
„Einen Jugendtraum erfüllt“
Das Rätsel ist schnell gelöst: Die beiden wohnen nämlich im ehemaligen Bahnhof Dollendorf, der an der stillgelegten Strecke der Ahrtalbahn in Ahrhütte liegt.
„Wir sind beide in Nippes geboren und wohnten dann in der Kölner Südstadt in einer Mietwohnung“, erzählt Architektin Pascale Stangier. Als der Vermieter sein Haus verkaufen und keinen länger laufenden Mietvertrag mehr abschließen wollte, machte das Paar sich auf die Suche nach einem neuen Heim. Da auch Unternehmer Ulrich Peetzen viel von zu Hause aus arbeiten kann, musste die neue Wohnung nicht unbedingt in Köln liegen.
Bei der Suche nach einem Haus in der Eifel stieß man auf den Bahnhof Dollendorf. „Ich war schon immer ein Bahnhofsfan und habe mich sofort in das Gebäude verliebt“, erinnert sich der 54-Jährige. Mit dem Kauf im Oktober 2005 „habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt“.
Doch bevor das Paar in den exakt 367,079 Meter hoch gelegenen Bahnhof einziehen konnte, war ein enormer Arbeitsaufwand notwendig.
„An manchen Tagen wimmelten 25 Leute gleichzeitig auf der Baustelle“, berichtet das Paar. Denn die Leitungen für Strom, Wasser und Heizung wurden komplett neu verlegt, und das Haus wurde entkernt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich der große Feuertrotz, ein brandgeschützter Tresorraum, rausgerissen.
Kostspielige Renovierung
Eile war geboten. Die Architektin: „Denn der Dachstuhl hätte den bevorstehenden Winter nicht überstanden.“ Im Dach klaffte nämlich ein riesiges Loch. Für Dohlen und Tauben war das natürlich eine Einladung: Alles war mit einer dicken Schicht Vogeldreck bedeckt. Das Schieferdach, altdeutsche Deckung, wurde komplett erneuert.
Glücklicherweise durften die Bauherren mit Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde spanischen Schiefer verwenden. „Auch so war die Neueindeckung schon ein teurer Spaß.“
Dank der fleißigen Handwerker konnte das Ehepaar rechtzeitig zum Weihnachtsfest sein neues Heim beziehen und die gelungene Renovierung mit seinen Verwandten feiern. Das heißt natürlich nicht, dass der Bahnhof schon komplett wiederhergestellt war. So wurde zum Beispiel im Jahr 2006 der ehemalige Gepäckschuppen, der zuvor als Pferdeschuppen genutzt worden war, in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und zu Sauna und Gästezimmer umgewidmet.
Und die alte Toilettenanlage des Bahnhofs, die in einem weiteren Nebengebäude untergebracht war, wartet immer noch auf die Restaurierung. Doch das ist eine schwierige Angelegenheit. Denn unter diesem Gebäude liegt die Klärgrube des Bahnhofs, der nicht an das Kanalnetz angeschlossen ist. Das Dach wurde zwar repariert und so der Zerfall gestoppt. Doch die richtige Idee ist den Bahnhofsvorstehern noch nicht gekommen. In diesem Jahr ist sowieso erst einmal das Badezimmer an der Reihe.
Geheizt wird das Gebäude, das 1913 eröffnet wurde, überwiegend mit zwei Kaminöfen. Die Ölheizung dient nur als Reserve. „Das Klima im Haus ist sehr angenehm“, berichtet das Paar. Durch die dicken Wände bleibe das Gebäude im Sommer lange kühl. Bei der Renovierung wurde keine Isolierung eingebaut.
„Eine Doppelverglasung würde nicht zum Haus passen“, so die Erklärung. Dicke Vorhänge hinter den Türen und Kissen zwischen Läden und Fenstern sorgen dafür, dass es im Winter nicht zu sehr zieht.
Umzug nie bereut
Die Beiden haben ihren Umzug in die Eifel und in den Bahnhof nie bereut. Ganz im Gegenteil: Sie kommen aus dem Schwärmen nicht heraus. „Hier ist es wie im Urlaub, sagt jeder, der uns besucht.“ Mit knapp 300 Quadratmetern Wohnfläche auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück kommt Langeweile nie auf.
Zum Blumengießen muss man genügend Zeit einplanen. Und Architektin Pascale Stangier wirbt ausdrücklich für das Wohnen in denkmalgeschützten Gebäuden. „Das ist zwar einerseits eine teure Angelegenheit, aber andererseits können viele Kosten großzügig von der Steuer abgesetzt werden.“ In all den Jahren sei man mit der Denkmalschutzbehörde immer prima ausgekommen.
„Das Wohnen in einem Denkmal mit den dazugehörenden Vorschriften wird oft zu negativ dargestellt.“ Allerdings dürfe man sich nur eine Immobilie aussuchen, die auch zu einem passe, lautet ihr Ratschlag.
Und dass der Bahnhof Dollendorf in die passenden Hände gekommen ist, erkennt jeder, der auf der ehemaligen Bahntrasse an dem prächtigen Gebäude vorbei radelt.

