Wegen Flut ausgesetztBesucher stöbern auf Euskirchener Kunsthandwerkermarkt

Am Samstag genossen zahlreiche Besucher das Angebot der Handwerker auf dem Klosterplatz.
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Euskirchen – Kleidung aus Filz, Schmuckstücke und geflochtene Körbe – nachdem der Euskirchener Kunsthandwerkermarkt im vergangenen Jahr aufgrund der Flutkatastrophe kurzfristig abgesagt werden musste, konnten Besucher auf dem Klosterplatz am Samstag wieder nach Herzenslust im breitgefächerten Angebot der Aussteller stöbern. „Ich habe selbst einige Jahre mit Keramik gearbeitet und weiß den Aufwand hinter den Stücken daher wirklich zu schätzen“, lobte Birgit Pfannenschmidt: „Mit den Händlern ins Gespräch zu kommen und die kleinen Geschichten hinter jedem einzelnen Werk zu erfahren, bedeutet für mich einen großen Mehrwert.“
Mit einer ähnlichen Begeisterung schlenderten am Samstag hunderte Besucher zwischen den Marktständen umher, um ihr persönliches Unikat zu erstehen. „Jedes Stück ist einzigartig“, betonte Bernd Hagemann, der gemeinsam mit Ursula van der Stein selbst gemachte Tassen, Schalen, Teller und Vasen aus Keramik zum Verkauf anbot. „Selbst wenn ich versuchen würde, ein Stück zu kopieren, würde stattdessen ein neues Werk mit eigenem Charakter entstehen.“
Kunsthandwerk als Hobby
Diese Faszination, immer etwas Neues zu erschaffen und niemals in eine Routine zu verfallen, habe ihn derart in den Bann gezogen, dass er seinem Hobby weiterhin nachgeht, ohne damit schwarze Zahlen zu schreiben, sagte Hagemann: „Geld mit dieser Arbeit zu verdienen, ist in der heutigen Zeit ungemein schwer. Für mich bedeutet es jedoch auch Entspannung nach einem langen Arbeitstag. Wenn die Stücke einem anderen Menschen Freude bereiten, bin ich schon glücklich, die Materialkosten zurückzubekommen.“
Anders als Bernd Hagemann präsentierten am Samstag auch Aussteller ihre Werke, die dem Handwerk hauptberuflich nachkommen. „Schon mein Urgroßvater war Korbflechter und ich folge dieser Arbeit nun schon in der vierten Generation“, berichtete etwa Alfred Lorse. Während seine Vorfahren noch ganze Dörfer mit den dringend benötigten Waren beliefert hätten, sei es mittlerweile deutlich schwieriger, mit den handelsüblichen Preisen zu konkurrieren. „An einem Korb arbeite ich etwa vier bis fünf Stunden. Um den durchschnittlichen Handwerkerstundenlohn zu erreichen, müsste ich eigentlich das Doppelte verlangen.“
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Besonders die Flut der aus Asien kommenden Waren schrecke jedoch viele Kunden ab, für höhere Qualität auch tiefer in die Tasche zu greifen. „Letztlich kann man aber sogar Geld sparen, wenn der erworbene Korb nicht schon nach ein paar Monaten wieder kaputt geht, sondern wie meine Stücke sogar nach Jahrzehnten noch zu gebrauchen ist.“ Alfred Lorse möchte auch weiterhin an seinem Handwerk festhalten. Veranstaltungen wie den Euskirchener Kunsthandwerkermarkt nutzt er, um Kunden vom Wert handgemachter Werke zu überzeugen.


