Der Trainer, der polarisiertAufstieg in die Bezirksliga – JSG Erft Euskirchen vor dem finalen Schritt

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Die JSG Erft ist noch einen Sieg vom Aufstieg entfernt. Stephan Reimer und sein Sohn Luke würden sich sicherlich freuen.

Die JSG Erft ist noch einen Sieg vom Aufstieg entfernt. Stephan Reimer und sein Sohn Luke würden sich sicherlich freuen.

Die JSG Erft Euskirchen steht vor dem Aufstieg in die Bezirksliga. Vater des Erfolgs ist Trainer Stephan Reimer, der auch schon mal aneckt.

Neongelbes Leibchen hier, Bälle dort. Stephan Reimer ist ein Kümmerer. Manchmal ist Reimer mehr Vater als Trainer – vielleicht auch, weil der eigene Sohn in seiner Mannschaft spielt. Manchmal ist Reimer aber auch ein Grenzgänger, was nicht nur an den etwa zwölf Zentimetern liegt, die seine Coachingzone vom Spielfeld trennen. Reimer polarisiert, ist ein Vulkan, der nie ruht, immer wieder ausbricht.

JSG Erft steht vor dem Durchmarsch von der Kreisliga B in die Bezirksliga

Reimer ist aber vor allem erfolgreich. Noch ein Sieg und seine Mannschaft, die JSG Erft, hat den Durchmarsch von der Kreisliga B in die Bezirksliga in der Tasche.

Und dieser Erfolg ist nicht zusammengecastet, wie man es erst in der vergangenen Saison in Bessenich gesehen hat. Dieser Erfolg ist gewachsen und mit den Jahren sogar förmlich erwachsen geworden. Vier Spieler, die nun kurz vor dem bisherigen Höhepunkt ihres Fußballerlebens stehen, haben bereits bei den Bambini bei der JSG gekickt, die anderen sind im Laufe der Jugend hinzugekommen.

Ein Sieg fehlt der JSG Erft Euskirchen, hier Luc-Seal Roggendorf gegen den ETSC, noch zum Aufstieg.

Ein Sieg fehlt der JSG Erft Euskirchen, hier Luc-Seal Roggendorf gegen den ETSC, noch zum Aufstieg.

Und seitdem schwimmen sie auf einer Erfolgswelle, haben bereits die B- und A-Jugend auf Verbandsebene gerockt. Und gehen seitdem, was bei einem Trainer, der Stephan Reimer heißt, gar nicht anders denkbar ist, selbstbewusst an die Aufgaben bei den Senioren heran.

Mannschaftsintern sei seit dem ersten Spieltag vom „Ziel Aufstieg“ gesprochen worden, verrät Rolf Spilles, Geschäftsführer des Kreisliga-A-Tabellenführers. Er oder sein Vorstandskollege Wilhelm Schlipp (Vorsitzender) hätten den Trainer noch nie unter Erfolgsdruck gesetzt oder gar drastischere Methoden ergriffen. „Wir haben auch noch nie einen Coach wegen Erfolglosigkeit entlassen“, versichert Schlipp.

Verrückte Statistik: Keine zwei Seniorenspiele in Folge verloren

Erfolglosigkeit, die es unter Reimer noch nicht gegeben hat. Zwei Spiele in Folge verloren hat Reimer als Seniorentrainer noch nie. Aber seine Mannschaft, die zur Generation Kunstrasen gehört, hat in dieser Spielzeit eine wichtige Niederlage kassiert und dabei so unheimlich viel gelernt.

Das Spiel in Frauenberg ging mit 2:3 verloren – vor allem, weil die JSG-Spieler das falsche Schuhwerk hatten. Auf einem matschigen Rasenplatz war die Generation Kunstrasen ohne Stollen schlichtweg überfordert, rutschte aus, fiel hin. Und machte das, was in solchen Situation das Wichtigste ist: sie stand wieder auf und zeigte eine Reaktion. Am nächsten Tag mussten alle Spieler erstmal Stollenschuhe ordern. So etwas sollte schließlich nie wieder passieren. Reimer ist eben ein Kümmerer.

JSG Erft: aus Kindern wurde mit der Zeit gestandene Fußballer

Auffällig ist, dass unter Coach Reimer aus Kindern zunächst Jugendliche und nun junge Erwachsene geworden sind. „Körperlich waren wir noch in keinem Seniorenspiel unterlegen“, sagt Spilles. In der Tat dürfte die Körperlichkeit bei einem möglichen – nein, sehr wahrscheinlichen – Aufstieg in die Bezirksliga keine Rolle spielen.

Dafür vielleicht die Erfahrung, die man mit 21 Jahren einfach noch nicht haben kann. „Man wächst aber mit seinen Aufgaben. Die Jungs haben das Potenzial, die Klasse zu halten“, sagt Schlipp.

106 Tore in 26 Spielen: JSG Erft ist die treffsicherste Mannschaft der Kreisliga A

Wo die Mannschaft schon jetzt großes Steigerungspotenzial hat: bei eigenen Standardsituation. „Da sind wir echt nicht gut. Man könnte auch sagen schlecht“, sagt Spilles. In dieser Saison spielt das allerdings überhaupt keine Rolle. 106 Tore in 26 Partien hat die JSG bereits erzielt – Spitzenwert. Und 22 kassiert – Spitzenwert. Zudem hat die Mannschaft noch keinen Platzverweis hinnehmen müssen. Auch in der Fairnesstabelle der Kreisliga A ist das der Spitzenwert.

Die Mannschaft, die sich konsequent aus dem Kollektiv definiert, hat in dieser Spielzeit mit Luke Bungart einen herausragenden Akteur. 24 Treffer hat der Stürmer erzielt – zwei mehr als die komplette Dreiborner Mannschaft. Dass die JSG Erft aufsteigt, ist statistisch übrigens mehr als wahrscheinlich.

JSG Erft hat gegen Dahlem-Schmidtheim etwas gut zu machen

Der Grund: der Coach. Bei zwei ausstehenden Partien und noch nie zwei verlorenen Spielen in Folge, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn die nötigen drei Punkte nicht schon am Sonntag gegen die SG Dahlem-Schmidtheim geholt werden. Und die JSG hat etwas gutzumachen. Das Hinspiel gewann die SG Dahlem-Schmidtheim nämlich mit 1:0 – durch einen Treffer in der 90. Minute.

Reimer vergleicht sein Team gerne mit dem FC Bayern München. Der Vergleich beziehe sich aber nicht auf das Erreichte, sondern auf den Druck, mit dem seine Truppe umzugehen habe, versichert der Trainer. „Jeder möchte uns schlagen. Der Druck abzuliefern ist immer da“, berichtet der Inhaber der B-Lizenz. Einen Bericht zum Spiel SSV Golbach gegen SSV Weilerswist finden Sie im Online-Auftritt dieser Zeitung.


Gewinnen am Wochenende der SC Wißkirchen (am Samstag um 15 Uhr in und gegen Stotzheim) und die JSG Erft (So., 15 Uhr in Kuchenheim gegen Dahlem-Schmidtheim) ihre Spiele, sind sie aufgestiegen.

Der Grund: die Quotientenregelung, die auch den beiden besten Tabellenzweiten den Aufstieg in die Bezirksliga ermöglicht. Im Falle eines Sieges aus den verbleibenden beiden Saisonspielen sind sowohl die JSG als auch der SC Wißkirchen nicht mehr vom zweiten Platz zu vertreiben.

Das ist auch für die Zweitplatzierten der beiden B-Staffeln wichtig – aktuell der SC Roitzheim und die SG 92. Einen dritten A-Liga-Aufsteiger, ermittelt in einem Relegationsspiel, wird es nur geben, wenn zwei Teams in die Bezirksliga aufsteigen. (tom)

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