Handball-Torhüterin Merle Muth wurde für die EM nachnominiert. Mit Bayer Leverkusen spielt sie in der Zweiten Frauen-Bundesliga.
Sportlerwahl 2025Merle Muth, eine Europameisterin aus Euskirchen

Steht bei Bayer Leverkusen im Kasten: Merle Muth aus Euskirchen.
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„Es ist mein Ziel, in der Ersten Frauen-Bundesliga zu spielen, auch Spiele in der Frauen-A-Nationalmannschaft will ich machen.“ So lautet ein prägender Satz einer damals 16-Jährigen, die vor dem Wechsel zu Borussia Dortmund stand, um ihren Traum vom Profisport zu leben. Geäußert hat ihn Merle-Sophie Muth im April 2023.
Knapp drei Jahre später hat dieses Ziel weiterhin Bestand und nimmt seit 2025 mehr denn je Formen an. Merle Muth, wie sie genannt werden möchte, ist mittlerweile fast 19 Jahre alt, und aus dem zielstrebigen Teenager ist eine junge Frau geworden, die ihren Traum, auf sehr hohem Niveau zu spielen, forciert hat.
Die Zeit bei Borussia Dortmund hat Merle Muth geprägt
Die Zeit im Dortmunder Internat hat sie drei Jahre lang sowohl sportlich als auch menschlich geprägt. Sie musste lernen, selbstständiger zu werden, und hat nicht nur sportlich einen großen Schritt nach vorn gemacht. 2025 beschreibt Merle Muth als „extrem aufregend und für mich prägendes Jahr“. Erst der 18. Geburtstag, dann das erfolgreiche Abitur und im Sommer 2025 der Wechsel nach Leverkusen.
Die aus Euskirchen stammende Muth spielt mit Bayer Leverkusen in der Zweiten Frauen-Bundesliga und ist Stammtorhüterin des deutschen Rekordmeisters. „Ein Wechsel aus perspektivischen Gründen heraus“, beschreibt es die 19-Jährige. In Dortmund sei die Möglichkeit zur Weiterentwicklung nach einer prägenden Zeit nicht mehr gegeben gewesen. So fiel die Wahl auf Leverkusen, weil sie dort auf hohem Trainingsniveau arbeiten und auf viel Einsatzzeit hoffen kann.
Bei der U19-Europameisterschaft rückte die Torhüterin nach
Letzteres hat geklappt. Sie erhält aufgrund ihrer starken Leistungen sehr viel Zeiten auf der Platte, und sie übernimmt Verantwortung im Team, das nach dem ersten Saisondrittel auf einem Abstiegsplatz steht. Sportlich sei die Situation derzeit sehr herausfordernd, sagt Muth, aber die Torhüterin mit der Rückennummer 52 ist sich sicher, dass die Formkurve zuletzt deutlich nach oben zeigte und man sich aus den Abstiegsrängen herauskämpfen werde, um wieder in ruhige Fahrwasser zu gelangen. Persönlich hat sich der Wechsel jetzt schon ausgezahlt, denn sie hat ihre erste eigene Wohnung bezogen.
Ein weiteres Highlight im letzten Jahr war der Gewinn der Europameisterschaft mit der U19-Nationalmannschaft. Diese hatte zunächst ohne die Wahl-Leverkusenerin begonnen, die nicht nominiert worden war. „Das war natürlich enttäuschend“, sagt Muth. Sie zweifelte aber nicht an sich und wurde auch nicht missmutig. Vielmehr motivierte sie die Nichtberücksichtigung dazu, hart an sich zu arbeiten.
Bereits Merle Muths Mutter gewann die Wahl zur Sportlerin des Jahres
Die Verletzung einer Torhüterin aus dem EM-Kader wurde für Merle Muth dann zum absoluten Glücksfall. Sie wurde zur Hauptrunde nachnominiert und reiste allein nach Montenegro nach. Dort wurde sie sofort in das Team aufgenommen und fügte sich schnell ein. Der Lohn waren Einsatzzeiten und der maßgebliche Anteil am Gewinn des Titels. „Am Ende als Teil der Mannschaft Europameisterin zu werden, erfüllt mich mit großem Stolz und kann mir keiner nehmen“, so die 1,82 Meter große Torfrau.
Auf die Nominierung zur Sportlerinnenwahl angesprochen, antwortet Merle Muth: „Das bedeutet mir wirklich sehr viel, denn Euskirchen ist und bleibt meine Heimatstadt, und ich komme immer wieder gerne zurück.“ Und sie legt aus einem weiteren Grund nach, denn es sei zudem etwas ganz Besonderes: Ihre Mutter Anja Muth hatte unter ihrem Mädchennamen Anja Fuchs von 1991 bis 1993 dreimal die Sportlerwahl als Leichtathletin gewonnen.
2026 hat die ehrgeizige Torhüterin große Ziele. Sie will sich weiterentwickeln und in Leverkusen etablieren sowie mit der Mannschaft die Klasse halten. Da es ihr letztes Jugendjahr ist, besteht auch noch die Möglichkeit zur Teilnahme an der U19/U20-Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Privat hofft Merle Muth auf einen Platz für ein Medizinstudium, derzeit befindet sie sich in der Vorbereitung zu den Testverfahren. Mit Bodenständigkeit und viel Ehrgeiz ist der ehemaligen Juniorinnenspielerin der HSG Euskirchen alles zuzutrauen.

