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10.000 Besucher beim Kinderzug
So startet die Eifel in den Straßenkarneval

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Luftgitarre statt Unterricht: Die Schüler der GGS Weststadt mutierten während des Kinderzugs zu echten Rockstars.

Luftgitarre statt Unterricht: Die Schüler der GGS Weststadt mutierten während des Kinderzugs zu echten Rockstars.

Euskirchen – Was für ein Auftakt in den Straßenkarneval! Der traditionell erste Zoch im Kreis machte Lust auf mehr und gab den Rhythmus für den Endspurt der Session vor. Mehr als 10 000 kleine und große Besucher, herrlich bunte Jecke und ein Küfer, der mit der Sonne um die Wette strahlte – Kinderzug, du warst ein wunderbarer Dreiklang.

Pünktlich um 11.11 Uhr untermalte der Spielmannszug der Euskirchener Feuerwehr das Zugmotto „Oeskerche in Dur und Moll – all os Pänz sin raderdoll“ musikalisch.

„Ich habe immer wieder auf der Couch gelegen und nach einem Motto gesucht. Als ich dann unter der Dusche stand und ,Einmol Prinz zo sin’ gesummt habe, hatte ich es“, sagte Zugleiter Peter Schumacher, der in der vergangenen Session an der Spitze der Kreisstadt-Jecken stand.

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Zugabe an Rosenmontag

Viele Gruppen stimmten in das Motto ein und zogen als Noten oder Rockstars vom Annaturmplatz durch die Fußgängerzone und Wilhelmstraße zum City-Forum, wo die große Kinderparty den jecken Schlussakkord bildete. Bis dahin erklang nicht nur einmal das Lied vom Heimatstädtche fein, das so schön am Veybach liegt wie Köln am Rhein.

Doch wer braucht schon den Karneval in Köln, wenn er Küfer Sophia I. (Niessen) hat? Die Schüler der GGS Nordstadt jedenfalls nicht. Die waren echte Küfer-Groupies. Der Grund: Wenn die Neunjährige nicht gerade an der Spitze der jungen Jecke in Euskirchen steht, geht sie in die 4 b der Grundschule. „Wir sind große Fans von Sophia“, sagte Schulleiterin Monika Tilk, die mit 70 Kindern sowie zahlreichen Eltern und Lehrern dabei war. Bereits im November hatte Lehrerin Irene Kastenholz mit Kollegen und Eltern mit der Planung begonnen. „Wir haben alleine mehr als 100 Zylinder bestellt. Das kann man nicht eine Woche vor dem Zug machen“, sagte Kastenholz schmunzelnd.

An der GGS Weststadt wurde von Schulleiter Thomas Hecker sogar eigens eine Planungsgruppe ins Leben gerufen: „Wir haben im November angefangen. Das ist mitunter ein logistisches Meisterwerk.“ Schließlich müssten die fünf Kamelle-Eimer als Nachschub für jedes Kind sofort griffbereit sein, wenn das Wurfmaterial im Beutel weniger werde. 85 Weststadt-Rockstars mit Luftgitarre machten den Zugweg zu ihrer Bühne. „Ohne das Engagement der Eltern wäre das alles gar nicht möglich“, stimmte Hecker ein Loblied an.

Auch bei der Kita Mitbachaue zogen Erzieherinnen, Eltern und Kinder gemeinsam als bunte Zauberflöten durch die Stadt. „Wir haben auch gebastelte Regenmacher dabei, aber bei dem Wetter sind das wohl eher große Rasseln“, sagte Elternvertreterin Alex Reitsma.

So gar nicht in den Rahmen wollten die bunten Gärtner von der Kita Stettiner Straße passen. „Blumen brauchen Musik zum Wachsen und Gartenarbeit macht mit Musik auch viel mehr Spaß“, berichtete Mutter Verena Kirchartz , die mithilfe ihrer Kinder den wundervollen Bagagewagen gestaltet hatte. Die mussten nämlich ihr Gesicht für die Gipsmasken herhalten, mit denen die Figuren auf dem Bagagewagen moduliert wurden. Und ihre Gummistiefel ist der Kirchartz-Nachwuchs aus los. Auch die wurden auf dem Kamelle-Nachschubwagen verbastelt.

Und Sophia? Die hatte den jecken Rhythmus im Blut und genoss jede Sekunde ihres Auftritts auf der großen Bühne Kinderzug. Praktisch als Zugabe darf sie jetzt noch einmal beim Rosenmontagszug auftreten.