Vierjährigen Sohn erdrosseltAngeklagte legt ausführliches Geständnis ab

Die 42-jährige Euskirchenerin steht im Verdacht, ihren vier Jahre alten Sohn getötet zu haben.
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Bonn/Euskirchen – Grüner Pullover, das glatte Haar zum Pferdeschwanz gebunden, unruhig wandernde Augen: Die 42-jährige Frau auf der Anklagebank wirkt wie ein junges, hilfloses Mädchen, verloren in dem großen Schwurgerichtssaal. Sie soll am ersten Juni-Wochenende 2021 ihren vierjährigen Sohn getötet haben: Eine Verzweiflungstat, grausam in mehreren Akten. Dabei wollte die studierte Grundschullehrerin eigentlich nur eines: Ihrem einzigen Sohn sollte es gut gehen.
Dauerhafte Depressionen
Stattdessen soll sie ihm in ihrer eigenen Not das Leben genommen haben. Der Staatsanwalt wirft ihr heimtückischen Mord vor; bei der Tat soll sie sich im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit befunden haben.
Am ersten Prozesstag hat die Angeklagte ein ausführliches Geständnis abgelegt: Fast zwei Stunden erzählte die gebürtige Rumänin, die mit zehn Jahren nach Deutschland kam, hier ihr Abitur machte und ein Studium absolvierte, von ihrer Tragödie.
„Ich fand einfach keine Lösung“, erzählte sie von ihrer Lebenssituation im Sommer. Trotz langer Klinikaufenthalte (auch mit Kind) und vielen psychiatrischen Gesprächen kam sie nicht auf die Beine. Seit der Geburt des Jungen, den sie in Shanghai zur Welt gebracht hatte, litt sie unter Depressionen.
Als ihr Ehemann, den sie aus Schulzeiten kannte, sie vor rund zwei Jahren verließ, stürzte sie das in Abgründe. Auch ihren Job als Lehrerin konnte sie nicht mehr ausüben. Ihr Fokus war permanent auf den Sohn gerichtet. Und sie hegte stets Zweifel, ob sie alles richtig macht: „Es zerriss mir das Herz, ich hatte das Gefühl eine schlechte Mutter zu sein.“
Mutter erdrosselt ihr Kind
Schließlich schien für die 42-Jährige, nur noch ein Suizid die Lösung zu sein. Zwar hatte sie noch versucht, telefonisch Hilfe zu holen. Da sie niemanden erreichen konnte, „schien mein Schicksal besiegelt. Es sollte wohl so sein“. Keine Frage, dass sie ihren Sohn mitnehmen wollte. Das sei für sie „selbstverständlich“ gewesen. „Er schafft das nicht ohne mich“, glaubte sie damals.
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Zunächst habe sie dem schlafenden Kind Medikamente gegeben, um ihn – so ihre ursprüngliche Absicht – im Tiefschlaf zu strangulieren. Aber zu ihrer Überraschung wachte der Junge wieder auf, kam ins Wohnzimmer, setzte sich auf den Fußboden und malte Labyrinthe in einem Malheft. Da habe sie – „ich stand wie neben mir“ – eine acht Kilo schwere Buddha-Statue genommen und auf den Vierjährigen fallen lassen. Als das Kind auch dadurch nicht das Bewusstsein verlor, habe sie es schließlich erdrosselt – mit was, wisse sie nicht.
„Die schlimmste Strafe habe ich schon bekommen“
Anschließend rief sie ihre Psychologin an, erzählte von der Tat und schnitt sich die Pulsadern auf. Eine Nachbarin fand Mutter und Sohn leblos auf dem Fußboden. Die 42-Jährige konnte trotz lebensgefährlicher Verletzungen gerettet werden. „Ich hätte nie gedacht“, so die Angeklagte am Montag, „dass ich das überlebe. Ich will heute noch bei ihm sein.“ Seit der Tötung ihres Kindes ist sie vorläufig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
Wiederholt musste das Schwurgericht das grausige Geständnis unterbrechen. Nicht nur die Angeklagte, auch alle anderen im Raum kämpften mit ihren Emotionen. „Es ist das Allerschlimmste, was ich getan habe. Es tut mir schrecklich leid“, sagte sie am Ende. „Egal, was passiert, die schlimmste Strafe habe ich schon bekommen“, sagte sie.



