Abo

Feuerwehrärztin in Euskirchen„Frau Doktor“ kletterte die Drehleiter hoch

3 min

Euskirchen. Dr. Gisela Neff in der Rettungsleitstelle des Kreises Euskirchen.

Euskirchen – Sie hat Geschichte geschrieben im Kreis Euskirchen: Als Dr. Gisela Neff, Notärztin und lange Zeit Leitende Notärztin im Kreis Euskirchen, 1985 begann, die Feuerwehren ärztlich zu beraten, waren die harten Kerle in den blauen Röcken skeptisch. „Is net nühdisch“, lautete der Satz, den die Medizinerin anfangs hörte. Und wer es der engagierten Ärztin etwas kultivierter beibringen wollte, der sagte auch schon einmal „Ihre Ansichten sind für die Eifel zu modern.“

Doch das hat sich grundlegend gewandelt. Denn mittlerweile haben die Einsatzkräfte von Losheimer Graben bis Weilerswist, von Bad Münstereifel bis Zülpich begriffen, wie wertvoll die zunächst mancherorts als Einmischung verstandene Beratung durch Gisela Neff im Alltagsgeschäft der Feuerwehren ist.

Am Samstag, beim Delegiertentag des Kreisfeuerwehrverbandes, ab 16 Uhr im Saal Schmidt in Marmagen wird Dr. Gisela Neff aus ihrer Funktion als Feuerwehrärztin verabschiedet.

„Ich war die erste Notärztin im Kreis, die einen Atemschutzlehrgang absolviert hat. Da bin ich unter Atemschutz mit meinem Ausbilder Hans-Peter Kern durch Mechernich gelaufen“, erinnert sich Dr. Neff. Vor 30 Jahren waren Frauen in der Feuerwehr eine Seltenheit. Und die gerade der Feuerwehr beigetretene Notärztin, die ihre Aufgabe als Feuerwehrärztin ehrenamtlich versieht, wurde misstrauisch beäugt. Das änderte sich erst, als „Frau Doktor“ bei einem Einsatz selbst über den Leiterpark der Drehleiter zu einer Patientin ins Dachgeschoss stieg. Und natürlich trug dazu auch die Tatsache bei, dass die Medizinerin den Feuerwehrleuten in zahlreichen Lehrgängen Wissen vermittelte, das die Einsatzkräfte heute umsetzen können.

Dabei ging es auch um wichtige Verhaltensmaßregeln für Helfer, die stark blutende Patienten aus Fahrzeugen herausholen mussten. „Heute tragen die alle selbstverständlich Latexhandschuhe unter den Einsatzhandschuhen“, merkt Dr. Neff an.

Denn es sei auch Aufgabe der medizinischen Betreuung von Einsatzkräften, auf deren Gesundheit zu achten. Da gehe es auch beispielsweise um Nachsorge vier Wochen nach einem Umwelteinsatz oder um die richtige Einschätzung von Feuerwehrunfällen bei der Anfahrt zum Einsatz oder an der Einsatzstelle selbst.

Den Satz, „Ich habe mit Frau Doktor gesprochen“, höre man heute oft bei Feuerwehrveranstaltungen im Kreis Euskirchen, berichtet auch Kreisbrandmeister Udo Crespin.

Initialzündung zur stärkeren Vernetzung von Rettungsdienst und Feuerwehren sei der schwere Nebelunfall von 1985 gewesen. Seit dem habe Dr. Gisela Neff Führungskräfte und Truppführer ausgebildet. Daneben absolvierte sie als Notärztin rund 30 000 Einsätze.

Und immer wieder vermittelte die Frau aus der praktischen Notfallmedizin ihr Wissen an Einsatzkräfte weiter, damit bei schweren Unfällen oder Bränden Feuerwehrmannschaften und Notfallmediziner möglichst effektiv und patientenschonend retten konnten.

Dr. Neff, so Kreisbrandmeister Udo Crespin, habe auch wesentlich daran mitgewirkt, dass es die Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und den Hilfsorganisationen gebe.

Heute wird die Feuerwehrärztin verabschiedet. Ihr Nachfolger wird Thomas Hergarten aus Schleiden,