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Warnstreik
400 Arbeitnehmer folgen Aufruf der IG Metall in Hellenthal

Vom Hauptgebäude der Firma Schoeller zogen die Streikenden über die Kölner Straße bis zur Grenzlandhalle. 

Vom Hauptgebäude der Firma Schoeller zogen die Streikenden über die Kölner Straße bis zur Grenzlandhalle. 

Kreis Euskirchen/Hellenthal – Trillerpfeifen, gelbe Westen, blockierte Straßen, Megafone – die Gewerkschaft IG Metall hatte zum Warnstreik in Hellenthal aufgerufen, zum ersten Mal nach 2018. „Hellenthal ist der Streikort schlechthin in der Eifel“, rief Gewerkschaftssekretär Michael Korsmeier von der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg den Streikenden zu, die sich vor der Grenzlandhalle versammelt hatten.

Es waren rund 400 Beschäftigte aus Betrieben im Kreis Euskirchen, die am Donnerstag dem Streikaufruf gefolgt waren. Mit dabei waren nicht nur Beschäftigte der Hellenthaler Betriebe Schoeller und Stocko, sondern auch Mitarbeiter von Unternehmen wie Miele (Euskirchen), Jopp (Obergartzem) und Hein-Lehmann (Zingsheim).

IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn

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Bei der letzten Tarifrunde hatte man wegen der Coronapandemie auf eine Veranstaltung verzichtet. Stattdessen zeigten die Beschäftigten bei einem Autokorso in Mechernich Flagge.

Acht Prozent für ein Jahr, so lautete die Forderung der IG Metall in den aktuellen Tarifverhandlungen. Das sei sicherlich die höchste Forderung seit Jahren, gab Korsmeier zu. Doch die Mitarbeiter hätten mit moderaten Zielen bei der letzten Tarifrunde dazu beigetragen, dass die Branche nach Corona gut dastehe. „Die Stahl- und Elektroindustrie ist mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen“, sagte er.

Es gebe Unternehmen, bei denen es gerade besonders gut laufe. „Die Gewinnausschüttung ist mit 70 Milliarden Euro bundesweit doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr“, betonte er. Die Leute in den Betrieben hätten gut gearbeitet und das Lohnplus verdient. „Wir helfen, die Kaufkraft zu stabilisieren“, sagte Korsmeier.

Kostensteigerung an die Kunden weitergeben

76 Prozent der Betriebe in NRW könnten die Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben. „Wir können aber nicht in den Supermarkt gehen und dort über die Preise verhandeln“, so der Gewerkschafter. Auch sei nach einer Umfrage der IG Metall in NRW die Lage bei der Mehrheit der Betriebe stabil. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen hätten Liquiditätsprobleme, doch zu deren Unterstützung gebe es tarifliche Instrumente.

Gewerkschaftssekretär Michael Korsmeier hielt die zentrale Rede. 

Gewerkschaftssekretär Michael Korsmeier hielt die zentrale Rede. 

„Bei uns sieht es von den Kosten her gut aus“, sagte Manuel Pesch, Betriebsratsvorsitzender von Schoeller. Nach dem Jobabbau sei bei Schoeller auch wieder eingestellt worden, so Pesch. Das Unternehmen habe aktuell ein gutes Jahr gefahren. „Seit 2018, als wir vier Prozent Lohnsteigerung bekommen haben, haben wir immer Rücksicht genommen und uns mit Einmalzahlungen zufriedengegeben“, sagte er.

Deshalb müsse es jetzt etwas auf die Gehaltstabelle geben, also auch der Lohn gesteigert werden. „Das letzte Angebot der Arbeitgeber war lächerlich: 3000 Euro Einmalzahlung auf 30 Monate Laufzeit“, so Pesch. Die Beschäftigten müssten den Zuwachs auf dem Konto merken, forderte er.

Durch den Ortskern gezogen

Aus zwei Richtungen kamen die Streikenden aufeinander zu. Während rund 150 Teilnehmer von der Firmenzentrale von Schoeller durch den Hellenthaler Ortskern zogen, starteten die anderen Teilnehmer bei Stocko. Mit Rufen wie „Wer die Preise kennt, braucht acht Prozent“ waren die Demozüge unterwegs. Am Kreisverkehr an der Grenzlandhalle vereinigten sich die beiden Züge.

Auf dem Parkplatz der Grenzlandhalle wurden die Streikenden von Sänger Heiko Fänger aus dem Kreis Borken empfangen. „Ich bin inzwischen The Voice of Warnstreik“, scherzte er.

„Acht Prozent Lohnsteigerung werden keine Lohn-Preis-Spirale auslösen“, konstatierte Korsmeier in seiner Rede. Gegenwärtig jedoch sei eine Gewinn-Preis-Spirale festzustellen, bei der die Sucht der Kapitalisten nach immer höheren Erträgen die Preise nach oben treibe.

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