Starfighter-AbsturzEs hätte damals sehr viele Tote gegeben

Bilder des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nach dem Absturz im Krekeler Wald. Überall lagen rauchende Trümmer des Starfighters umher.
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Kall-Krekel – Am 3. September ist es nunmehr genau 50 Jahre her, als die Krekeler nur deshalb einer Katastrophe entgingen, weil der damals 26-jährige Starfighter-Pilot Erik-Edgar Bedarf sein Leben opferte, um zu verhindern, dass seine brennende F-104 in das Dorf stürzte. „Der Pilot opferte sich für Krekel“, berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen Tag nach dem tragischen Unglück.
Oberleutnant Erik-Edgar Bedarf, der heute 76 Jahre alt wäre, war an diesem Montagmittag erst mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug ausgestiegen, nachdem er es noch so gerade geschafft hatte, die F-104 über das Dorf hinwegzuziehen. Kurz hinter einer Tankstelle stürzte der Starfighter damals direkt am Ortsrand in den Wald, wo er explodierte. Durch das späte Aussteigen konnte sich der Fallschirm des Piloten nicht mehr öffnen. Mit seinem Sitz schleuderte Bedarf in den Wald; der Pilot war sofort tot.
Es war ein ganz normaler Übungsflug gewesen, zu dem der damals 26-Jährige am Mittag des 3. September mit dem Starfighter vom Fliegerhorst Nörvenich gestartet war. Über Mechernich, so berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“ später, meldete Bedarf dem Fliegerhorst Probleme mit seiner Maschine. Es waren Fahrwerkprobleme gewesen, wie die Untersuchungen der Luftfahrtexperten zur Absturzursache später ergaben.
Kalls Bürgermeister Herbert Radermacher kann sich noch sehr gut an den Tag erinnern, als Krekel damals nur knapp einer Katastrophe entging.
Radermacher war damals neun Jahre alt und hielt sich mittags noch in der Schule auf, als der abstürzende Jet über Schule und Kirche hinweg in den nahe gelegenen Wald flog. Erst nachher sei allen bewusst geworden, wie sehr auch die Schule in Gefahr gewesen sei.
An dem Wochenende sei Kirmes in Wildenburg gewesen, zu der man montags immer mit der Familie zu Fuß hingegangen sei. Doch nach dem schlimmen Ereignis an diesem 3. September im Krekeler Wald sei der Kirmesbesuch ausgefallen.
Die F-104 mit der Kennung DA-116 war, eine schwarze Rauchfahne hinter sich herziehend und stark an Höhe verlierend, auf Krekel zugeflogen. Oberleutnant Bedarf traf eine Entscheidung, die ihn das Leben kostete: Statt das Flugzeug frühzeitig mit dem Schleudersitz zu verlassen, schaffte es der junge Pilot, die F-104 noch so gerade über die Tankstelle neben der Bundesstraße hinwegzuziehen und damit die Katastrophe zu verhindern.
Nach dem Absturz war sofort klar gewesen, dass der 26-jährige Offizier sein Leben für viele Menschen geopfert hatte. Und das haben ihm die Krekeler Einwohner bis heute nicht vergessen. Schon wenige Wochen nach dem Absturz stellten sie an der Stelle, wo Bedarf gestorben war, ein schlichtes Birkenkreuz auf.
Inzwischen hat die Dorfbevölkerung das in die Jahre gekommene Birkenkreuz gegen ein schlichtes Holzkreuz mit einer Plakette, die an den mutigen Piloten erinnert, ausgetauscht. Am Kreuz, vor dem eine Schale mit Blumen steht, brennt ständig ein Grablicht. Zwei Ruhebänke laden zum Verweilen ein. Mitglieder des Bürgervereins kümmern sich regelmäßig darum, dass die Gedenkstätte in einem gepflegten Zustand bleibt.
Auch in den nächsten Tagen wird Ortsvorsteher Hans Dieter Schäfer mit einigen Krekelern den Platz vor dem Kreuz herrichten, wo am Sonntag, 2. September, anlässlich des Ereignisses vor 50 Jahren eine kleine Gedenkfeier für den Piloten Erik-Edgar Bedarf stattfinden wird.
Unheimlicher Lärm
„Auch wenn das Unglück schon 50 Jahre her ist, sind die Krekeler dem mutigen Piloten noch immer dankbar“, berichtet Ortsvorsteher Hans-Dieter Schäfer. „Wäre das Flugzeug in den Ort gestürzt, hätte es viele Tote gegeben“, ist sich Schäfer sicher. Er kann sich genau an den Absturz erinnern. Als Siebenjähriger sei er mit den Eltern auf dem Feld gewesen, als die brennende Maschine mittags mit einem unheimlichen Lärm und in geringer Höhe auf Krekel zugeflogen sei.
Schäfer: „Man hätte fast mit der Hand danach greifen können“. Erst dann sei der Pilot ausgestiegen, und Sekunden später sei die Maschine kurz hinter der Tankstelle Rupp im Wald explodiert. Und auch der Krekeler Zeitzeuge Peter Pesch, der damals neun Jahre alt war und in Wahlen wohnte, erinnert sich noch genau an diesen schwarzen 3. September 1962. Der Starfighter sei schon über Wahlen recht tief geflogen und habe eine pechschwarze Rauchfahne hinter sich hergezogen.
Mit einem Höllenlärm sei der Düsenjäger in Richtung Südwesten fliegend am Horizont verschwunden. Das Bild der brennenden Maschine habe sich ins Gedächtnis eingebrannt. Peter Pesch: „So etwas vergisst man nicht“.

