Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) informierte über den Weiterbau der Eifelautobahn. Für den Lückenschluss gibt es noch keinen Termin.
A1-LückenschlussSpatenstich 2028, sechs Jahre Bauzeit für den ersten Abschnitt in der Eifel

Vom Autobahnende in der Nähe des Ortes Dreis-Brück sind es noch 25 Kilometer bis nach Tondorf. Einen Termin für den Lückenschluss gibt es noch nicht.
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Patrick Schnieder wollte beim Ortstermin in der Vulkaneifel Aufbruchstimmung verbreiten: „Jetzt geht es Schlag auf Schlag“, versprach der Bundesverkehrsminister: „Endlich Baustelle!“ Warten auf diesen Moment, so der aus der Vulkaneifel stammende Minister, mussten die Eifeler dies- und jenseits der Landesgrenze „ja wahrlich lange genug“: Im Jahr 2012 wurde auf rheinland-pfälzischer Seite der A1-Abschnitt bis zur Anschlussstelle (AS) Kelberg für den Verkehr freigegeben – bei Tondorf herrscht auf NRW-Seite sogar schon seit 1982 Stillstand in Sachen Autobahnbau.
Doch bis zur Vollendung, bis zum Lückenschluss, bleibt es noch ein langer Weg. Wann die ersten Fahrzeuge durchgängig die A1 in der Eifel befahren könnten – auf diese Reporterfrage hatte Schnieder am Dienstag keine Antwort. Aber: „Ende 2028 könnten tatsächlich die Arbeiten an der Verkehrstrasse beginnen.“
Wir sind alle happy. Wir wollen den Dom sehen!
Möglich, dass der CDU-Politiker sich den Termin für den obligatorischen Spatenstich frühzeitig in seinen Kalender notieren wird: Denn wenn die schwarz-rote Koalition in Berlin bis zum Ende ihrer Amtszeit durchhält, wäre dies im Wahlkampf für die spätestens im März 2029 anstehende Bundestagswahl ein willkommener Anlass, erneut zur A1-Baustelle zu kommen.
Bau der Eifelautobahn ist auch von Planungen in NRW abhäging
Man gehe von einer reinen Bauzeit von rund sechs Jahren für den zehn Kilometer langen Abschnitt von der AS Kelberg bis zur AS Adenau aus, so Schnieder. Auch wenn man im südlichen der insgesamt noch drei Bauabschnitte, die zum Lückenschluss der A1 notwendig sind, gut vorankomme, sei man darauf angewiesen, dass es auch im Norden weitergeht, betonte Schnieder: „Wir werden die Planfeststellung in den beiden nördlichen Abschnitten weiter mit Hochdruck vorantreiben, damit wir in einigen Jahren auch dort bauen können“, so der Minister.

Mitarbeiter eines Kampfmittelräumers suchen die künftige Autobahntrasse nach möglicherweise im Boden verborgenen Explosivstoffen ab.
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Verkehrsminister Patrick Schnieder an der Baustelle in der Vulkaneifel.
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Der Weiterbau sei ein deutliches Signal für ein infrastrukturell zentrales Projekt, „das nicht nur die Eifel seit Jahrzehnten beschäftigt“, betonte Schnieder: „Der A1-Lückenschluss ist zugleich ein Autobahnprojekt mit europäischer Dimension, denn durch ihn werden Ostsee und Mittelmeer verbunden.“ In der Eifel werde dieser Abschnitt die Mobilität spürbar verbessern und zugleich neue Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität entlang der gesamten Achse setzen.
„Wir entlasten damit die Ortsdurchfahrten deutlich vom Durchgangsverkehr, der für die betroffenen Gemeinden eine Zumutung ist. Der Start der Ausgleichsmaßnahmen zeigt: Wir bringen dieses wichtige Vorhaben jetzt konsequent voran“, sagte Schnieder zur Freude der Politiker aus dem rheinland-pfälzischen Teil der Eifel, die zum Baustellentermin gekommen waren. „Wir sind alle happy“, brachte es Vulkaneifel-Landrätin Julia Gieseking (SPD) auf den Punkt: „Wir wollen den Dom sehen!“
Euskirchener Team der Autobahn GmbH arbeitet am Lückenschluss
„Wir sehen heute, dass die bauvorbereitenden Maßnahmen bereits umgesetzt werden“, lobte der Minister das Team von Athanasios Mpasios, dem Leiter der Niederlassung Euskirchen der Autobahn GmbH, das für die Planung des Gesamtprojekts Lückenschluss zuständig ist.

Der erste Bagger steht bereit: In Kürze soll bei Dreis-Brück mit dem Bau einer Baustraße begonnen werden.
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Von Euskirchen aus plant Anastasios Mpasios den A1-Weiterbau.
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Aktuell laufen rund um das Autobahnende am Gewerbegebiet „Vulkanhöhe“ bei Dreis-Brück vorbereitende Maßnahmen für den Bau einer Baustraße. „Der Bagger steht schon bereit“, so Mpasios: „Erst gestern ist er noch mit einer kugelsicheren Scheibe ausgestattet worden.“ Mitarbeiter einer auf die Räumung von Weltkriegsmunition spezialisierten Firma haben auf den ersten Kilometern der künftigen Trasse insgesamt 130 Irritationspunkte gefunden, die noch genauer auf Munitionsreste oder Blindgänger überprüft werden müssen.
Haselmaus, Schwarzstorch und Geburtshelferkröte haben Vorfahrt
Nach der Baugrunduntersuchung können Mpasios und sein Team die weiteren Schritte angehen. „Damit wir die Ausführungsplanung erstellen können, werden zeitgleich zu den angelaufenen Naturschutzmaßnahmen die Bauwerksentwürfe für die Brückenbauwerke des südlichen Abschnitts erstellt. Vorher brauchen wir allerdings entsprechende Bodengutachten. Notwendige Bohrungen können allerdings erst dann durchgeführt werden, wenn die Baustraße fertig ist“, beschreibt der Leiter des Euskirchener Projektteams, wie ein Zahnrad ins andere greift.
Bevor mit dem eigentlichen Bau der Autobahntrasse begonnen werden kann, steht jedoch die Natur im Mittelpunkt: Im März haben die Arbeiten zur Erschließung der Flächen für die vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen, die sogenannten Continuous Ecological Functionality (CEF)-Maßnahmen, begonnen. Diese müssen zwingend vor dem Bau des Südabschnitts hergestellt werden. „Im Mittelpunkt stehen dabei die Leittierarten Haselmaus, Neuntöter, Schwarzstorch und Geburtshelferkröte“, zählt Mpasios auf. Für letztere sollen zum Beispiel im Tal des Nohner Bachs verschiedene Gewässer angelegt werden.
A1-Lückenschluss: Das Milliardenprojekt in der Eifel
Die Autobahn 1 ist Bestandteil des transeuropäischen Straßennetzes. Sie führt von Heiligenhafen an der Ostsee bis zur französischen Grenze bei Saarbrücken. Derzeit fehlen noch 25 km Autobahn zwischen Blankenheim und der Anschlussstelle Kelberg in Rheinland-Pfalz.
Das Projekt ist – von Norden nach Süden – in drei Planungsabschnitte unterteilt: Den Abschnitt Blankenheim – Lommersdorf (6,0 km Länge, komplett in NRW), den Abschnitt Lommersdorf – Adenau (9,4 km in NRW und RLP) sowie den Abschnitt Adenau – Kelberg (10,5 km, komplett in RLP).
Alle Abschnitte sind im gültigen Bedarfsplan des Bundes in den Vordringlichen Bedarf eingestuft. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Autobahn GmbH nach heutigem Stand auf voraussichtlich rund 1,14 Milliarden Euro.
