Die Diakonie kann die Versorgungsverträge im Nordkreis Euskirchen bald nicht mehr erfüllen. Knapp 400 Menschen erhalten die Kündigung.
PersonalmangelDiakonie-Station Euskirchen beendet ambulante Pflege – 400 Betroffene

Die Diakonie Bonn und Region schließt spätestens zum 31. März 2026 ihre ambulante Pflege im Nordkreis Euskirchen.
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Die Diakonie-Station Euskirchen zieht sich bis spätestens Ende März aus der ambulanten Pflege zurück. Diese Entscheidung gab am Donnerstag die Diakonie für Bonn und die Region bekannt, in die die vorher selbstständige Diakonie Euskirchen 2025 eingegliedert worden war.
Von der Schließung der ambulanten Pflege sind 399 Menschen vorrangig im nördlichen Teil des Kreises Euskirchen betroffen, wie Andrea Elsmann und Tobias Köhler von der Geschäftsleitung der Diakonie dieser Zeitung erklärten.
Zahlreiche Pflegekräfte haben zum 31. März gekündigt
Ausschlaggebend für diesen Schritt, den man mit großem Bedauern vollziehe, sei zum einen ein großer Personalmangel bei den Pflegekräften. Er ist hauptsächlich auf Kündigungen aus den Reihen des Personals zurückzuführen, die zum 31. März wirksam werden. Das Pflegeteam der Diakonie-Station hat 15 Vollzeitstellen, von denen neun durch die Kündigungen nicht mehr besetzt sein werden.
Hinzu kommt, dass die Leitungsstelle seit Oktober verwaist ist und die stellvertretende Leitung ebenfalls zum 31. März gekündigt hat. Neubesetzungen für die Leitungsebene habe man nicht in Aussicht, ebenso sei es so gut wie unmöglich, neues Pflegepersonal zu finden und einzustellen, um die entstehenden Lücken aufzufüllen.
Wir erwarten, dass uns der Dienst untersagt wird.
Diese Entwicklung hat massive Folgen: „Wir erwarten für die nächsten Tage von der Pflegekasse den förmlichen Hinweis, dass uns der Dienst untersagt wird, weil wir die Versorgungsverträge nicht mehr erfüllen können“, sagte Köhler.
Die Diakonie Bonn habe sich in der Angelegenheit vom diakonischen Spitzenverband beraten lassen. „Dort riet man uns zur Schließung“, erklärte der Geschäftsführer. Über die entsprechende Entscheidung wolle man transparent informieren, sagte Köhler in einer Pressekonferenz in Euskirchen, an der neben Andrea Elsmann und ihm die Bereichsleiterin für Gesundheit und Pflege, Sonja Freyer, Superintendentin Claudia Müller-Bück und Diakonie-Sprecherin Andrea Hillebrand teilnahmen.
Superintendentin Claudia Müller-Bück ist schockiert und traurig
„Je zeitiger die Entwicklung bekannt wird, desto größer ist die Chance, für unsere Kundinnen und Kunden eine Anschlussversorgung zu finden“, ergänzte der Geschäftsführer. Die Arbeitsverträge derjenigen Pflegekräfte, die nicht gekündigt haben, blieben bestehen, sagte Elsmann. Über die konkreten Gründe für die Kündigungen sei sie nicht im Bilde.
„Wir werden alles uns Mögliche tun, um die Menschen, die Pflege benötigen, bei der Suche nach einer Alternative zu unterstützen“, fügte Elsmann hinzu. Claudia Müller-Bück erklärte, sie sei schockiert und traurig darüber, „dass wir als Diakonie, was die ambulante Pflege betrifft, nicht mehr weiter unterstützen können“. Es gehöre ja zu den ureigenen Aufgaben der Diakonie, Menschen zur Seite zu stehen.
Müller-Bück leitet als Superintendentin den Kirchenkreis Bad Godesberg – Voreifel, der mit dem Kirchenkreis Bonn Gesellschafter der Diakonie für Bonn und die Region ist.

