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Bilanz von Agentur und JobcenterArbeitsmarkt im Kreis Euskirchen war 2025 insgesamt stabil

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Zahlreiche Frauen und Männer stehen in einem Foyer, andere sitzen an Tischen.

Die Integration ausländischer Menschen, hier auf einer Jobbörse im Euskirchener Kreishaus, wirkt nach Meinung der Arbeitsagentur dem Fachkräftemangel entgegen.    

Die Zahl der Erwerbslosen im Kreis Euskirchen stieg nach 2024 leicht, gleichzeitig gab es mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.

Der Arbeitsmarkt im Kreis Euskirchen gab im Jahr 2025 ein gemischtes, aber insgesamt stabiles Bild ab. Dieses Fazit zogen am Mittwoch Ralf Holtkötter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl, und die Geschäftsführerin des Jobcenters Eu-aktiv, Astrid Hahn.

6417 Menschen im Kreis hatten demnach im Jahresdurchschnitt keine Stelle. Die Arbeitslosenquote lag im Schnitt bei 5,9 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als 2024. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ging weiter zurück, wie Ralf Holtkötter berichtete. Dies spiegele die konjunkturelle Unsicherheit wider. Gleichzeitig sei jedoch ein positives Signal hervorzuheben: Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Erwerbstätigkeit aufnahmen, lag mit 4387 um 195 (4,7 Prozent) über dem Vorjahr.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm zu

„Auch die Beschäftigungsentwicklung im Kreis zeigt derzeit kein durchgehend positives Bild“, erklärte Astrid Hahn. Nach einem nahezu kontinuierlichen Rückgang seit Mai 2024 sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Juni 2025 (58.499 Menschen) erstmals wieder leicht gestiegen. Dieses Plus reiche jedoch nicht aus, um das Niveau von Ende 2023 zu erreichen. Damals registrierte man mehr als 60.000 Beschäftigte.

Die Anzahl der arbeitslosen Menschen im Kreis, die Leistungen durch das Jobcenter bezogen, sank im Schnitt gegenüber 2024 um 122 (3,0 Prozent) auf 3926, während sie in der Arbeitslosenversicherung um 253 (11,3 Prozent) auf 2491 stieg.

Holtkötter und Hahn sitzen nebeneinander an einem Tisch.

Ralf Holtkötter, Agentur für Arbeit, und Astrid Hahn, Jobcenter Eu-aktiv, stellen die Arbeitsmarktbilanz 2025 vor.

„Der Weg in den Arbeitsmarkt bleibt für viele anspruchsvoll. Besonders Geflüchtete, Langzeitarbeitslose und Kundinnen und Kunden mit geringen formalen Abschlüssen benötigen intensive Unterstützung. Genau hier setzt die Arbeit des Jobcenters an“, erklärte Hahn.

Dass die kontinuierliche Begleitung Wirkung entfalte, zeige sich daran, dass die Zahl der Übergänge aus der Grundsicherung in Beschäftigung nahezu konstant geblieben sei, obwohl 2025 ein konjunkturschwaches Jahr gewesen sei. Das Jobcenter habe rund 1200 Menschen aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit verholfen. „Das bestätigt, wie wichtig individuelle Beratung, Qualifizierung und verlässliche Begleitung sind.“

Agenturchef Holtkötter: Integration wirkt dem Fachkräftemangel entgegen

Der Zuwachs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wird nach Holtkötters Worten zu großen Teilen von ausländischen Menschen getragen. Ihre Zahl stieg um 377 (4,9 Prozent) auf 7618, „während die Zahl der deutschen Beschäftigten nachgelassen hat“, sagte der Agenturchef: Sie sank um 274 (0,5 Prozent) auf 50.881. Er folgert daraus: „Wenn wir es nicht schaffen, mehr ausländische Menschen zu integrieren, wird der Fachkräftemangel noch größer.“

Bei Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine führt er die Entwicklung darauf zurück, dass viele mittlerweile Sprachkurse beendet oder die Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation erlangt haben. Hahn empfiehlt in diesem Zusammenhang Arbeitgebern, bei ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern „nicht so sehr auf Zertifikate zu schauen“. Oft sei es sinnvoller, „dass man sie in der Praxis ausprobieren und zeigen lässt, was sie können“, so die Jobcenter-Geschäftsführerin. „Über die Arbeit lernen sie dann auch die Sprache schneller, was entscheidend zur Integration beiträgt.“

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Kreis Euskirchen ging zurück

Alles in allem verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen mit ausländischer Herkunft um 110 auf 1852, während sie bei deutschen Staatsangehörigen um 241 auf 4565 stieg.

Ein bedeutender und gleichzeitig oft unterschätzter Teil der täglichen Arbeit des Jobcenters betrifft nach Hahns Worten die Betreuung von Bedarfsgemeinschaften, also Haushalten, in denen mindestens eine Person lebt, die nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs leistungsberechtigt ist. Diese Gruppe sei deutlich größer als die reine Zahl der registrierten Arbeitslosen. Im Kreis Euskirchen gab es zum Ende des Vorjahres 5225 Bedarfsgemeinschaften – nach 5501 im Dezember 2024. Der Rückgang führte dazu, dass die Anzahl derjenigen, die Bürgergeld erhielten, um 567 auf 10.719 sank.

Eine Ausbildung ist immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.
Ralf Holtkötter, Agentur für Arbeit Brühl

In der Pressekonferenz nannten Agentur und Jobcenter auch Zahlen zu Langzeitarbeitslosigkeit und offenen Stellen. 2025 waren demnach im Kreis 2331 Menschen ein Jahr und länger arbeitslos, 52 mehr als 2024.

2017 waren der Agentur mehr als 5000 neue Stellen gemeldet worden, 2025 nur noch 3063, rund zwei Prozent weniger als 2024. Dies spiegele nicht nur die konjunkturelle Zurückhaltung, sondern auch strukturelle Änderungen auf dem Arbeitsmarkt, sagt Ralf Holtkötter.

Arbeitgeber verzichten nach seiner Erfahrung oft auf die Meldung freier Stellen, weil sie wissen, wie schwer eine Besetzung geworden ist, etwa wegen des Fachkräftemangels. Der Rückgang stehe also nicht für fehlenden Bedarf, sondern verdeutliche, wie anspruchsvoll die Personalgewinnung geworden sei.

Gesucht werden vor allem Fachkräfte. Es gelte die alte Regel, so der Agenturchef: „Eine Ausbildung ist immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.“ Und: „Wer arbeiten will und qualifiziert ist, findet eine Stelle.“ Ermöglicht werde dies durch die stabile Wirtschaft im Kreis mit ihrem guten Branchenmix.


Ausbildungsbörse in Euskirchen

„Frühbucher-Check-In 2026“ heißt die Ausbildungsstellenbörse, die am Donnerstag, 22. Januar, 15 bis 18 Uhr, in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen (Josef-Ruhr-Straße 30) stattfindet. Veranstalter sind die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Euskirchen und der gemeinsame Arbeitgeberservice von Agentur und Jobcenter.

Die Organisatoren, die ihr Programm auch im Internet vorstellen, möchten auf zwanglose Art Jugendliche mit Unternehmen zusammenbringen, die Auszubildende suchen. Die Besucherinnen und Besucher können ohne Anmeldung teilnehmen. Sie sollen Bewerbungsunterlagen mitbringen: Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Zeugniskopien. Von Fachleuten erhalten sie Tipps, worauf es bei der Bewerbung ankommt.