Von 54 Proben der Umweltschutzorganisation zeigte ein Drittel erhöhte Werte. Die Kreisverwaltung Euskirchen bewertet die Ergebnisse zurückhaltend.
VSR-GewässerschutzOrganisation stellt hohe Nitratwerte in Brunnen im Kreis Euskirchen fest

Der Verein VSR-Gewässerschutz kritisiert die hohe Nitratbelastung im Kreis Euskirchen in Brunnen.
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Im Kreis Euskirchen sorgt eine Auswertung von Brunnenwasserproben für Diskussionen – aber auch für unterschiedliche Bewertungen. Während die gemeinnützige Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz e.V. auf eine teils deutliche Nitratbelastung hinweist, mahnt der Kreis zur differenzierten Einordnung der Ergebnisse.
Nach Angaben des VSR-Gewässerschutzes wurden zwischen 2021 und 2025 insgesamt 54 Wasserproben aus privaten Gartenbrunnen untersucht. Das Ergebnis: Rund ein Drittel der Proben überschreitet den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, knapp zehn Prozent liegen sogar bei mehr als 100 Milligramm. Für die Organisation ist das ein deutliches Signal. Man sehe weiter erheblichen Handlungsbedarf, da die EU-Nitratrichtlinie seit 1991 verlange, solche Belastungen zu vermeiden.
Betroffene Brunnen liegen oft außerhalb von Wasserschutzgebieten
Besonders auffällig sei, dass die betroffenen Brunnen vor allem außerhalb von Wasserschutzgebieten liegen. In geschützten Bereichen hätten Wasserversorger frühzeitig gegengesteuert, etwa durch Kooperationen mit Landwirten und angepasste Düngestrategien. Der VSR fordert, diese Maßnahmen flächendeckend auszuweiten. Die Belastung betreffe nicht nur private Nutzer beim Gießen oder Tränken, sondern wirke sich über Bäche und Flüsse auch auf größere Gewässer bis hin zur Nordsee aus. Dort könne Nitrat Ökosysteme gefährden.
Der Kreis bewertet die vorgelegten Zahlen jedoch zurückhaltender. Grundsätzlich begrüße man Untersuchungen von Brunnenwasser, da sie das Bewusstsein für den Schutz des Grundwassers stärken könnten, heißt es aus dem Kreishaus. Gleichzeitig seien die Ergebnisse nur eingeschränkt aussagekräftig. Die Zahl von 54 Proben sei für einen flächenmäßig großen Kreis gering, zudem fehlten wichtige Angaben – etwa zu den genauen Standorten, zur Tiefe der Brunnen oder zu deren Nutzung.
Art der Probenahme spielt eine entscheidende Rolle
All diese Faktoren könnten die Messergebnisse erheblich beeinflussen. Auch die Art der Probenahme spielt nach Einschätzung der Unteren Wasserbehörde eine entscheidende Rolle. Für verlässliche Ergebnisse seien standardisierte Verfahren, fachgerechte Aufbereitung und geeignete Transportbedingungen notwendig.
Insbesondere die Kühlung der Proben sei wichtig, da sich Werte durch Temperaturveränderungen oder biologische Prozesse verändern könnten. Proben, die per Post eingesandt werden, seien daher nur eingeschränkt bewertbar – vor allem bei mikrobiologischen Untersuchungen.
Ein weiterer Punkt ist die Einordnung der Belastung. Große Teile des Kreises liegen in sogenannten roten Gebieten, also landwirtschaftlich genutzten Flächen mit erhöhter Nitratbelastung im Grundwasser. Dort gelten bereits strengere Vorgaben für die Düngung, und es bestehen Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Gewässerschutz. Der Handlungsbedarf sei also bekannt, entsprechende Instrumente bereits vorhanden. Auch wenn die Landesdüngeverordnung zuletzt aufgehoben wurde, gelten weiterhin bundesweite Regelungen.
Der VSR warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken
Unterschiedliche Einschätzungen gibt es auch bei der Nutzung von Brunnenwasser. Der VSR warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken, während der Kreis Euskirchen darauf hinweist, dass Nitratwerte mehr als 50 Milligramm pro Liter nicht automatisch jede Nutzung ausschließen.
Für die Gartenbewässerung könne solches Wasser grundsätzlich weiterhin verwendet werden, da Pflanzen Nitrat als Nährstoff aufnehmen. Anders sehe es bei der Nutzung als Trink- oder Kochwasser aus: Dafür sei Wasser aus privaten Brunnen grundsätzlich ungeeignet, sofern keine regelmäßige Kontrolle nach den geltenden Standards erfolgt.
Kritisch bewertet die Untere Wasserbehörde insbesondere pauschale Aussagen zur Wasserqualität auf Basis einzelner Einsendungen. Eine unzureichende Bewertung könne dazu führen, dass Nutzer die Risiken falsch einschätzten.
Unabhängig von der unterschiedlichen Bewertung bleibt das Thema präsent: Der VSR-Gewässerschutz will auch in diesem Jahr wieder mit einem Labormobil in den Kreis Euskirchen kommen und weitere Proben untersuchen. Ziel ist es, die Entwicklung der Nitratbelastung weiter zu beobachten – und die Diskussion über den Schutz des Grundwassers fortzuführen.
