Abschied von Josef van de Gey„Mechernich war ein Glücksfall!“
Mechernich – Seit 1979 ist Josef van de Gey am Mechernicher Gymnasium tätig, 17 Jahre als Direktor. Mit dem Ende des Halbjahres wird er am 29. Januar in den Ruhestand verabschiedet. An diesem Tag erscheint auch sein Buch „Ich habe hier bloß ein Amt“.
Ob es in die Annalen der Schule eingehen wird? Josef van de Gey, Schulleiter des Mechernicher Gymnasiums Am Turmhof (GAT), hat ein Buch geschrieben, das einen unterhaltsamen Einblick in knapp 40 Jahre Schulerfahrung gewährt. Ironisch, kritisch, lustig, manchmal auch ein bisschen sarkastisch sei es, sagt van de Gey mit einem Augenzwinkern: „Das Buch offenbart besondere Erfahrungen oder Kuriositäten in diesem Lande der Bildung.“
Seine Erfahrungen hat er in feuilletonistisch verdichteten Sequenzen formuliert. Es sind unzeitgemäße Reflexionen eines Schulpraktikers zu Fragen der Bildungspolitik und ihrer Auswirkungen auf das Gymnasium. Ergänzt werden sie durch „Begegnungen mit dem Zeitgeist“ und interessanten Menschen. Kleine Anekdoten fehlen nicht. Es soll am Freitag, 29. Januar, veröffentlicht werden, danach ist es auch im Buchhandel erhältlich. An diesem Tag wird der langjährige Direktor des „GAT“ in der Aula des Gymnasiums feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Der Festakt beginnt um 11 Uhr.
Die letzten 17 Jahre an deren Spitze
Seit 1979 ist der bald 65-Jährige als Lehrer an der Schule tätig, die letzten 17 Jahre an deren Spitze. Dabei sah es am Anfang gar nicht so aus, als würde sein Lebensweg an der Schule von Dauer sein. „Um ehrlich zu sein: Meine Begeisterung hielt sich deutlich in Grenzen, als ich die Mitteilung erhielt“, sagt er schmunzelnd. Er war gerade mit seiner frisch Angetrauten in Österreich in den Flitterwochen, als er erfuhr, dass er als Lehrer am Gymnasium in der ehemaligen Bergarbeiterstadt am Bleiberg anfangen solle. „Ich wusste damals gar nicht, dass es in Mechernich ein Gymnasium gibt. Zu meiner Schulzeit kamen die Mechernicher alle ans Emil-Fischer-Gymnasium“, so van de Gey.
Vorgestellt hatte er sich an einem Spätsommertag. Vergessen hat er diesen Tag nicht. „Ah, da sind Sie ja endlich. Der Herr Direktor ist im Augenblick beschäftigt, warten Sie bitte draußen“, wurde er von der damaligen Sekretärin Ursula Müller empfangen. Die Tür ging zu – und er stand im Flur. Geschlagene 15 Minuten. In den Ferien. Doch er ließ sich nicht abschrecken, wurde Lehrer für Geschichte und Französisch – die erste Anstellung nach seiner Referendariatszeit in Bad Godesberg. Und er blieb bis heute.
60 Prozent Frauenanteil
Damals seien nur wenige Frauen im Lehrerkollegium gewesen, nur vier Frauen von 38 Lehrern hielten die weibliche Fahne hoch.
In der Zeitung seines Abiturjahrgangs steht hinter van de Geys Abiturientennamen „Auslandskorrespondent“ als Berufswunsch. „Ich war so sicher, dass ich eines Tages für ein deutsches Medium aus Paris berichte“, verrät er seine Jugendträume. Eloquenz gehört sicherlich zu seinen Stärken. Zwischendurch habe er sogar die jecke Idee gehabt, ein Restaurant zu übernehmen. „Zum Glück habe ich eine Frau, die mich auf dem Boden gehalten und das gleich als kuriose Idee erkannt hat“, stellt er rückblickend fest. Dennoch sei der Lehrerberuf zweifelsohne zum „Traumjob“ geworden. Er wurde Vize-Direktor und später Wolfram Königsfelds Nachfolger: „Seither bin ich Schulleiter, und das mit Vergnügen – bis zum letzten Tag.“
In den Jahren seines Wirkens wurden neue Schüleraustausche ins Leben gerufen und gefördert, so etwa mit Finnland, China und Russland – neben England und Frankreich. „Das waren natürlich Wagnisse im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind ja keine Großstadtschule wie wir sie in Düsseldorf, Köln oder Frankfurt finden. Aber diese Weltoffenheit, das war mir immer wichtig.“
Das Lehrer-Kollegium hat sich indes deutlich verjüngt. Er ist stolz auf sein junges, dynamisches Kollegium, das mit 65 Lehrern aufwartet – und mit über 60 Prozent Frauenanteil. Die Zahl der Schüler stieg von 680 auf zwischenzeitlich 945, aktuell sind es 830 (mit „G8“). Er hofft, dass die Stadt das Gymnasium weiterhin unterstützt. Schließlich habe man es als Pionier vor über 50 Jahren gewagt, trotz aller Widerstände ein neusprachliches Gymnasium zu etablieren.
Vorfreude auf mehr Zeit für seine Hobbys
Seine Bedenken um das Fortbestehen der Schulform Gymnasium haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt. „Als Realist sehe ich, dass wir das Gymnasium von innen heraus vergesamtschulen. Das ist ein Drama!“, ist van de Gey überzeugt. Das ehemals dreigliedrige Schulsystem in NRW werde immer mehr vereinheitlicht: „Es kommt ja hinzu, dass Wissen gar nicht mehr wirklich zählt, sondern dass nur noch Kompetenzen und Standards definiert werden.“ G8 mache eigentlich nur Sinn, wenn ein nicht zu hoher Prozentsatz von Schülern eines Jahrgangs auf das Gymnasium geht, ist van de Gey überzeugt.
Mit den Repräsentanten und Verantwortlichen der Stadt Mechernich war er nicht immer einer Meinung. Als Schulleiter sei man manchmal im reizvollen Spannungsfeld, stellt er fest: „Zur Spannung des Lebens gehört ja auch, dass man sich auseinandersetzt, immer mit dem Ziel, das Beste für seine Schule zu erreichen. Das habe ich getan.“ Streitbar, aber stets fair und begründet, darauf legt er Wert.
Mit seinem „Job“ war er glücklich: „Die Schüler, und auch den Kontakt mit Schülern zu halten, das ist etwas Wunderbares, das kein anderer Beruf so bietet. Das ist vielleicht das Schönste an dem Beruf“, stellt er zufrieden fest. Zu seiner Verabschiedung haben sich viele Ehemalige angemeldet. Auch Dr. Helmut Quadflieg, sein ehemaliger Französisch-Lehrer am Emil-Fischer-Gymnasium, kommt. Dieser habe ihn geprägt, so van de Gey: „Er war jenseits aller didaktisch-methodischen Enge eine große Lehrerpersönlichkeit, sprach brillant Französisch. Er hat mich so begeistert, das ich Romanistik studierte in Bonn und als Stipendiat der französischen Regierung in Aix-en-Provence.“ Vor der Zeugnisausgabe wird er sich an seinem letzten Tag an der Schule erst von den Schülern verabschieden. „Darauf lege ich Wert“, betont van de Gey. Mit Wehmut? Ein bisschen, gibt er zu. Aber Vorfreude auf mehr Zeit für seine Hobbys, etwa die Jägerei, spüre er auch. Wer ihm auf der Direktorenstelle folgen wird, sei noch nicht bekannt.
In seinem Buch, in dem von „Menschen und Dingen“ die Rede ist, beschreibt van de Gey seine Berufswelt mit klaren Worten, faktengesättigt, aber nicht ohne persönliche Wertungen. „Wer mit Engagement und Begeisterung das schönste Amt ausübt, das sein Beruf ihm bietet, der wird sich geistig nicht kastrieren. Er lebt vielmehr nach der Devise: „Ich hab hier bloß ein Amt und dennoch eine Meinung“. (In Anlehnung an ein Zitat in Schillers „Wallensteins Tod“: „Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung.“)
Josef van de Gey hat „seiner“ Schule viel gegeben. Hatte immer eine offene Tür. „Nah dran sein an den Schülern, den Lehrern und Eltern“, war ihm wichtig. Er hat auch als Direktor der Schule viel Unterricht gehalten. Fünf Stunden pro Woche seien Pflicht für Schulleiter, sagt er: „Phasenweise habe ich sogar zehn bis zwölf Stunden erteilt, weil es mir sehr viel Spaß gemacht hat.“ Auch wenn Mechernich überraschend kam, lautet sein persönliches Resümee: „Mechernich war ein Glücksfall!“
