In Kommern startet der Rosenmontagszug in diesem Jahr schon um 13.11 Uhr – früher, sicherer und mit ganz viel Herzblut der Greesberger Jecken.
Viele SicherheitsaspekteDarum geht der Rosenmontagszug in Kommern früher – Mobile Sperren

Das Thema Sicherheit spielt beim Karneval eine große Rolle. In Kommern ist die Kölner Straße ein neuralgischer Punkt.
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Wenn sich am Rosenmontag in Kommern der Zoch in Bewegung setzt, schlagen die Herzen der Jecken höher – und der Puls der Organisatoren kann sich langsam beruhigen. Denn bevor es in der Kölner Straße Strüßjer und Kamelle regnen kann, liegt eine enorme Menge an Detailarbeit hinter den Verantwortlichen der Karnevalsgesellschaft.
Sicherheitspläne, Sperrzonen und Helferschulungen gehören heute zum Karneval wie Kostüme und Konfetti. Damit der Zoch mit seinen 38 Gruppen pünktlich um 13.11 Uhr als Höhepunkt der Session starten kann und die Jecken unbeschwert feiern können, bedarf es für die Greesberger monatelanger Planung, akribischer Vorbereitungen und viel Idealismus.
Das Thema Sicherheit bringt viele Herausforderungen mit sich
Vor allem das Thema Sicherheit bringt jedes Jahr neue Herausforderungen mit sich. Waren es im vergangenen Jahr die Vorgaben des TÜVs, der die Brauchtumsgutachten für die Festwagen ausstellte, sind es nun immer strenger werdende Auflagen für die Umzüge. Über den TÜV müssen sich die Kommerner in diesem Jahr allerdings weniger Gedanken machen. Der Grund: die Brauchtumsgutachten haben zwei Jahre Gültigkeit.
Im Hinblick auf die Sicherheit haben die Greesberger aber diesmal einen anderen Aspekt im Blick: das Tageslicht. Der Zug in Kommern startet in diesem Jahr eine Stunde früher als in den Vorjahren. „Wir sind rund vier Stunden unterwegs. Im vergangenen Jahr war es schon dunkel, als die letzten Gruppen am Ziel ankamen. Das wollen wir durch den früheren Start vermeiden, um die Sicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen“, erklärt Zugleiter Thomas Metzen. Er rechnet damit, dass auch in der kommenden Session der Zoch früh startet, da Rosenmontag 2027 bereits auf den 8. Februar fällt, die Session somit noch eine Woche kürzer ist.
Elf Seiten umfasst unser Sicherheitskonzept alleine für den Zug. Die Zufahrtsstraßen müssen abgesperrt sein – oft stellen Anwohner dafür ihre SUVs oder Traktoren bereit.
Die Auflagen der Behörden haben sich Jahr um Jahr verschärft. Die Stadt verlangt inzwischen detaillierte Konzepte mit Fluchtwegen, Sperrstellen und weiteren Vorgaben für eine Verhinderung von möglichen Terroranschlägen. „Das Ordnungsamt ist da wenig kooperativ“, sagt Metzen: „Da kommt eine Auflage nach der anderen – beispielsweise für die Ü30-Party im Bürgerhaus am Weiberdonnerstag. Elf Seiten umfasst unser Sicherheitskonzept alleine für den Zug. Die Zufahrtsstraßen müssen abgesperrt sein – oft stellen Anwohner dafür ihre SUVs oder Traktoren bereit.“
Außerdem müssen Fluchtzonen gekennzeichnet werden. Hinweisschilder, dass der Rosenmontagszug eine Messerverbotszone ist und Rucksäcke kontrolliert werden können, gehören ebenfalls dazu.
In Arloff musste das Bühnenbild abgebaut werden
Froh sind die Karnevalisten, dass sie dabei auf zahlreiche Helfer zurückgreifen können. „Wir können einfach nur dankbar sein. Die Menschen, die die mobilen Sperren stellen, müssen nüchtern und jederzeit erreichbar sein. Das ist alles keine Selbstverständlichkeit“, berichtet Metzen: „Ohne die Freiwilligen, die an Rosenmontag lieber helfen als feiern, würde der Zug nicht rollen.“
Auch andere Vereine in der Region kämpfen mit ähnlichen Problemen: In Arloff musste etwa in der Mehrzweckhalle das Bühnenbild abgebaut und Deko entfernt werden, weil verwendete Stoffe nicht mehr als schwer entflammbar gelten.
Wenn man die Kölner Straße voller Menschen sieht, ist das pure Gänsehaut.
„Das trägt nicht gerade zur Begeisterung für ehrenamtliches Engagement bei“, sagt Friedel Meuser, der in Kommern die vier Festwagen der KG in Schuss hält. Beim Lichterzug in Eiserfey am Freitag oder den Rosenmontagszügen in Euskirchen und Zülpich steht das Thema Sicherheit ebenfalls im Fokus. „Wir haben noch einmal nachgebessert und zusätzlich HTS-Sperren, also Trucksperren, aufgestellt – ähnlich, wie man sie von Weihnachtsmärkten kennt“, erklärt Zülpichs Zugleiter Philipp Dordel. So werde das Sicherheitskonzept weiter verstärkt.
Trotz aller Vorschriften und Sorgen bleibt der Rosenmontagszug in Kommern ein emotionales Erlebnis. „Wenn man die Kölner Straße voller Menschen sieht, ist das pure Gänsehaut“, schwärmt Metzen, der im vergangenen Jahr Bauer des Kommerner Dreigestirns war. „Aber ehrlich: Ich mache jedes Jahr drei Kreuze, wenn der Zug heil durch ist.“ Das liege auch daran, dass die Zugmaschinen der Festwagen immer größer werden. „Viele kommen schon mit den kleinsten Traktoren – aber die sind immer noch riesig“, so Metzen.

Zugleiter Thomas Metzen während des Zochs.
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Entsprechend werden laut dem Zugleiter Wagenengel und Fahrer geschult; Alkohol am Steuer oder bei den Begleitern ist tabu. Es werde von Jahr zu Jahr herausfordernder, Wagenengel zu finden – ein Problem, das nicht nur Kommern betrifft. „Die Zahl der Ehrenamtler sinkt, und es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die an einem Feiertag Verantwortung übernehmen“, so Metzen, der zugleich die Disziplin während der Aufstellung der Gruppen lobt: „Die hat sich deutlich gebessert.“
Warum man sich das alles antut? Metzen lacht: „Weil wir Karneval im Blut haben.“ Und man werde auch ein wenig angetrieben von einer Familie, die in dieser Session das Fünfgestirn der Greesberger stellt: Das Kinderdreigestirn – Prinz Maxi I., Jungfrau Louisa und Bauer Kilian – sowie das Erwachsenen-Prinzenpaar, Marcel I. und Prinzessin Michaela: Alle tragen denselben Nachnamen – Rühr. „Wir freuen uns auf den Höhepunkt“, sagt Prinz Marcel I. Er will mit der kompletten Familie im Turm des Tollitätenwagens stehen. Das habe man bereits ausprobiert. „Das passt“, so die Tollität.
Kommern kann auf ein eingespieltes Netz erfahrener Helfer bauen
Wie alle Tollitäten kann er sich auf ein eingespieltes Netz erfahrener Helfer verlassen. Neben Theo Pillipan packt auch Friedel Meuser bei den Festwagen der KG mit an. „Man muss schon ein bisschen bekloppt sein. Jeck sein, reicht da meistens nicht mehr“, sagt Wagenengel Meuser. Der Senior kümmert sich mit viel Know-how um die Aufbereitung der Festwagen.
Diese müssen außerhalb des Straßenkarnevals untergebracht werden. Der Tollitätenwagen parkt seit Jahren im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus. Ähnlich wie bei den mobilen Sperren geht es beim Unterstellen der Festwagen nicht ohne Landwirte: Die übrigen Prunkwagen der KG stehen in ihren Hallen.
„Früher haben wir die Wagen geliehen und jedes Jahr einen neuen Aufbau installiert“, erinnert sich KG-Zeugwart Norbert Veltmann. Da es derzeit keine Unterstellmöglichkeit für einen fünften Prunkwagen gibt, ist das Thema vorerst vom Tisch. Aber wer die Kommerner Jecken kennt, weiß: Sag niemals nie.
„Gott sei Dank haben wir im vergangenen Jahr alle unsere vier Wagen problemlos durch den TÜV bekommen“, erzählt Metzen: „Neue Reifen, neue Bremsen – das war viel Arbeit.“ Ein großer Vorteil für die KG: Metzens Mitstreiter bei der Vorbereitung des Rosenmontagszugs, Frank Schmitz, arbeitet bei Dekra und weiß genau, worauf die Experten bei sicherheitsrelevanten Themen achten.
Auch beim Wurfmaterial hat sich laut Veltmann viel verändert. „Wir werfen lieber weniger, dafür bessere Sachen“, sagt er. Aus Nachhaltigkeitsgründen und weil der Preis für hochwertige Ware stark gestiegen sei. „Das Budget ist jedes Jahr etwa gleich. Daher gibt es ein paar Kartons weniger“, berichtet Veltmann. Bei besserer Qualität werden ihnen das die Jecken am Straßenrand sicher nicht übel nehmen.
Das sagt die Euskirchener Polizei zum Straßenkarneval
Mit Blick auf die anstehenden Karnevalstage weist die Euskirchener Polizei darauf hin, dass die bekannten Sicherheitsregelungen und Konzepte weiterhin gelten. Änderungen im Vergleich zur vergangenen Session gibt es nicht. „Besucherinnen und Besucher sollten keine sogenannten Anscheinswaffen mitführen – also Waffenattrappen, die auf den ersten Blick nicht von echten Waffen zu unterscheiden sind“, betont Polizeisprecher Franz Küpper.
Dies diene dem Schutz aller Feiernden sowie der Einsatzkräfte. Zudem erinnert die Polizei an das generelle Waffenverbot bei Veranstaltungen. Entsprechende Kontrollen können jederzeit durchgeführt werden. „Gegenseitige Rücksichtnahme, verantwortungsbewusstes Feiern und die Beachtung der Regeln sorgen dafür, dass alle unbeschwerte und friedliche Karnevalstage erleben können“, so Küpper: „Und wenn doch mal was ist: Meine Kolleginnen und Kollegen sind ansprechbar.


