Der Lichterzug startet am Freitag um 19 Uhr in Eiserfey, die Sperrungen rund um den Ort und Fahrten der Shuttlebusse schon ab 17 Uhr.
LichterzugDer Stäänedanz in Eiserfey feiert seinen zehnten Geburtstag

Unzählige Lichter funkeln beim Stäänedanz: Der Lichterzug startet am Freitag um 19 Uhr.
Copyright: Tom Steinicke
Das Kölsche Grundgesetz hat ja eigentlich was für sich. Zugegeben, Paragraf 6 (Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet) ist etwas komisch. Und die Eiserfeyer demonstrieren, wie man den ganz lässig vom Tisch wischt. Zehn Jahre ist es her, dass sie mit dem Lichterzug etwas Neues wagten. Sie hätten sich zwar nicht träumen lassen, was aus diesem Experiment erwachsen sollte. Aber schon nach der Premiere war klar: Dat bruche mer, dat bruch der Eefeler Fastelovend!
Der neunte Lichterzoch startet an diesem Freitag, 13. Februar, um 19 Uhr. In den düsteren Corona-Jahren haben sich die Eiserfeyer Lockdown-konform mit einem Überraschungsspaziergang und der Teilnahme am von der Redaktion initiierten „Met Abstand schönsten Zoch“ beholfen. Ein Ersatz für den Stäänedanz war das aber nicht, das Jeckenherz hat nicht nur im Feytal ordentlich geblutet. Denn auf das, was da 2016 seinen Anfang genommen hatte, mag keiner mehr verzichten.
Schon der Anfang war ein überwältigendes Erlebnis
Damals feierten die Feytaler Jecke ihr 50-jähriges Bestehen, und das Jubiläum sollte mit etwas Besonderem garniert werden. Um niemandem ins Gehege zu kommen, fiel der Blick auf den Karnevalsfreitag, an dem sonst fastelovendstechnisch traditionell tote Hose im Kreis war. Ein wenig hatten sich KG-Geschäftsführerin Beate Heimersheim und der Vorstand vom Wintertraum im Phantasialand inspirieren lassen.
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Bei den potenziellen Teilnehmern war jedoch Erklärungsarbeit zu leisten, konnte sich zunächst doch kaum einer etwas unter einem Lichterzug vorstellen: Nein, es ist kein Fackelzug. Und nein, es hat auch nichts mit dem Geisterzug zu tun. Die Jecken verstanden flott, was gemeint ist: Sie schraubten zusammen, was irgendwie leuchten und funkeln kann. Der Stäänedanz em Feytal war geboren.

Der Fantasie der Jecken sind beim Lichterzoch keine Grenzen gesetzt.
Copyright: Tom Steinicke
So rein theoretisch hätte das mit dem Lichterzoch eine einmalige Sache sein sollen. Aber schon am Abend des Karnevalsfreitags 2016 war klar: Aus der Nummer kommen die Eiserfeyer nicht mehr raus. Und das wollten sie auch nicht, zu überwältigend war dieser Abend.
Das Potenzial erkannte auch der damalige Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick sofort. „Das müsst ihr weitermachen. Vergesst den Rosenmontagszug“, so Beate Heimersheim, habe er ihnen nach der Premiere mit auf den Weg gegeben. „Das hatten wir uns gar nicht getraut“, sagt sie lachend. Im Jubiläumsjahr fand der klassische Zoch, der im Ort deutlich älter als der Karnevalsverein ist, noch statt. 2017 trauten sie sich: Kein Zoch am Ruusemondach, volle Kraft voraus für den Lichterzug.
Der Stäänedanz hat sich kontinuierlich weiterentwickelt
Seitdem gehen die Jecken und die Organisatoren Hand in Hand. Jahr für Jahr gibt es neue Ideen auf der einen und Notwendigkeiten auf der anderen Seite. Zum Lichtermeer gesellte sich der Farbenrausch. Raffinierte Konstrukte wurden gebastelt, um die nötigen Batterien unterzubringen. Der Siegeszug der LED-Technik mit all ihren Spielereien und Möglichkeiten spielte den Jecken im Laufe der Jahre gewaltig in die Karten.
Die Shuttlebusse bringen die Jecken kostenlos nach Eiserfey
Dass da in Eiserfey am Karnevalsfreitag ein ganz toller Zoch im Dunkeln geht, sprach sich ganz flott rum, im Kreis Euskirchen und weit darüber hinaus. Was 2017 eine – freundlich formuliert – schwierige Parksituation zur Folge hatte. Und was wiederum die Organisatoren um KG-Chef Heinz Heimersheim auf den Plan rief. Ihnen war klar, dass der Andrang in dem kleinen Örtchen mit seiner Tallage anders gehändelt werden muss: Die Idee mit den Shuttlebussen wurde ausgetüftelt.
Seit 2018 übernimmt das Team des Unternehmens Schneider-Bank die für die Jecken kostenlosen Fahrten: Klaro, auch dieses Jahr werden die wieder angeboten: Um 17 Uhr werden die Zufahrten in den Ort gesperrt, dann starten auch die Busse. Sie halten in Mechernich am Bahnhof und an der Grundschule sowie am P&R-Parkplatz in Breitenbenden. Neu ist, dass die Rückfahrten bereits ab 21 Uhr angeboten werden.
Auch das ist Resultat einer Entwicklung: War die Kirchenkurve dank des schönen Lichts und der Kulisse mit den Fachwerkhäusern viele Jahre der Punkt für die Zuschauer schlechthin, liegt der Fokus nun auch auf dem Startbereich und dem Alten Weg. Gerade Familien mit kleinen Kindern positionieren sich dort – und sie sollen nun auch die Option haben, vergleichsweise früh die Heimreise anzutreten.
Jedes Jahr wird in Eiserfey am Sicherheitskonzept gearbeitet
Dass alle sicher daheim sind, dass nichts Gravierendes passiert ist: Das ist das, was Heinz Heimsheim und das Orga-Team Jahr für Jahr umtreibt und das bei allem Spaß an d'r Freud das höchste Gut ist. Jedes Jahr wird mit Stadt, Polizei, DRK und Feuerwehr gemeinsam am Sicherheitskonzept gefeilt.
Nachdem man für solch eine Großveranstaltung gerüstet war, waren es die kleinen Stellschrauben, an denen ein wenig justiert wurde. Bis zum vergangenen Jahr, als es für alle Jecke landauf, landab knüppeldick kam. Die Irritationen und die Unsicherheit rund um Brauchtumsgutachten, TÜV-Abnahmen und Sicherheitskonzept waren enorm. Gerade die Bilder der mit Autos verübten Terroranschläge hatten sich tief eingebrannt, niemand wollte sich ausmalen, derartiges in einem Karnevalszug zu erleben. Also wurde ausgetüftelt, wo welcher Lkw oder Trecker postiert werden kann.
So viel Arbeit dies im vergangenen Jahr beschert hat, so entspannt war es dieses Mal. Die Abnahmen bei Bestandswagen sind nach den Neuerungen des Vorjahres vergleichsweise einfach. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die Heimersheim nicht müde wird zu betonen, kann die Arbeit des Vorjahres samt Bannern und Fluchtwegen genutzt werden.
Der Lichterzoch ist eine Teamleistung
Auch wenn TÜV und Sicherheitskonzepte dieses Jahr nicht für erhöhten Puls gesorgt haben: Die Anspannung lässt bei Heinz Heimersheim und seinem Team nicht nach. Etwa ein halbes Dutzend Leute gehört zum engen Kreis, am Lichterzoch-Tag und danach zum Aufräumen sind es rund 100 Helfer, die ihren Teil zum Gelingen beitragen.
„Das ist auch nicht selbstverständlich“, sagt Heimersheim: „Viele von ihnen nehmen dafür extra Urlaub, und sie alle verzichten aufs Feiern.“ Die Anspannung ist allen wichtig, stellt sie doch auch die maximale Aufmerksamkeit sicher.
Die Karnevalsmagie nimmt den ganzen Ort in Beschlag
Anspannung und Kribbeln kennen auch die Teilnehmer bestens, allen voran vielleicht Beate Heimersheim selbst. Allerspätestens im April ist ihre Kostüm-Idee fix. Doch eine Anleitung für die opulenten Blickfänge gibt es nicht, also muss ausgetüftelt werden, wie die Idee umgesetzt werden kann – und das in 15-facher Ausfertigung für die ganze Gruppe.
Die Feytaler Jecken selbst und die Gruppen von nah und fern, die sich am Freitag auf den gut zwei Kilometer langen Weg den Alten Weg rauf, um die Kirchenkurve und die Hauserbachstraße runter machen, stecken so viel Arbeit und Energie in die Vorbereitung. Denn wenn sich die Dunkelheit am Freitag über Eiserfey legt, wird wieder das passieren, was keiner so recht erklären kann und das Beate Heimersheim versucht in Worte zu fassen: „Das ist etwas ganz Besonderes hier. Das ist Karnevalsmagie.“

