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Neue Tierarztpraxis in Mechernich geplantPferde sollen eine Sauna bekommen

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Tierarzt_Wurthmann

So ähnlich wie auf dem Bild könne er sich seine neue Praxis im Monzenbend vorstellen, erläuterte Tierarzt Holger Wurthmann. 

Mechernich-Kommern – Im Mechernicher Stadtrat wurde es am Dienstagabend interessant, als der Kommerner Tierarzt Holger Wurthmann sein im Gewerbegebiet Monzenbend geplantes Projekt vorstellte: Er möchte dort eine neue Tierarztpraxis für Großtiere mit zahlreichen Serviceleistungen für Tierhalter und Jäger etablieren. Mit Angeboten wie einer Pferdesauna oder einer Vortrabstrecke will er auf sich aufmerksam machen.

Vor zwei Jahren hat sich Wurthmann in Kommern selbstständig gemacht. Seine Praxis mit zwei Tierärzten und einer Helferin laufe gut, berichtete er. Nun wolle er expandieren, was er jedoch an seinem derzeitigen Standort nicht könne. Er möchte daher von der Stadt ein 1800 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet Monzenbend, neben dem DHL-Gebäude, erwerben.

Auf 200 Quadratmetern soll ein zweistöckiges Gebäude auf der Basis einer freitragenden Stahlkonstruktion entstehen. Dort soll neben einem Schulungsraum für Tierärzte ein weiterer Raum zur Jagd-Ausbildung eingerichtet werden.

„Man könnte die Kreisjägerschaft als Dauerpächterin einbinden. Dann könnte dort die Ausbildung der Jungjäger, die jedes Jahr stattfindet, durchgeführt werden“, erläuterte Wurthmann. Damit würde die Kreisjägerschaft also ein Ausbildungszentrum in Kommern erhalten.

Kadaversammelstelle 

Wurthmann denkt aber schon weiter: Denn falls die Afrikanische Schweinepest, die bereits in Belgien festgestellt wurde, tatsächlich in den Kreis Euskirchen übergreifen sollte, will er eine Fläche zur Verfügung stellen, wo die Tierkadaver eingesammelt werden können, bevor sie dann vom Kreisveterinäramt untersucht werden. Es werde sich um eine gekühlte Sammelstelle handeln, erläuterte Wurthmann. Bislang habe der Kreis dafür Kühlanhänger in Bad Münstereifel, Schleiden und Euskirchen vorgesehen.

Außerdem könne er für die Fellwechsel GmbH tätig werden. Diese bundesweite Institution kümmert sich darum, dass Felle der von Jägern erlegten Tiere nicht entsorgt, sondern verarbeitet werden. Auf diese Weise lassen sich auch regionale Produkte herstellen. 

Krankheitsbilder von Tieren im Kreis Euskirchen

Die Bleibelastung in Mechernich beherrscht immer wieder mal die Schlagzeilen. In der Regel wird abgewunken, negative Auswirkungen für Menschen gebe es nicht. Dass die Böden der Region für Tiere tatsächlich schädlich sein können, wurde deutlich, als Tierarzt Holger Wurthmann das Thema aufgriff.

„Wir verlieren jedes Jahr einige Tiere wegen Bleivergiftung“, sagte er und erläuterte später dieser Zeitung, dass pro Jahr rund ein Dutzend Tiere betroffen seien. Es handele sich um Pferde, Schafe oder Rinder, die in den Bereichen um Rot- und Bleibach im Raum Mechernich und Kall erkrankten. Vier bis fünf Tiere pro Jahr sterben laut Worthmann an den Folgen der Vergiftung.

Für Erstaunen sorgten im Mechernicher Rat Wurthmanns Ausführungen über eine weitere Tiererkrankung, die in unserer Region seinen Angaben zufolge häufig auftritt. Pferde leiden demnach oft an Atemwegserkrankungen. „Wir sind dafür ein Schwerpunktgebiet“, erläuterte er. Die Gründe dafür seien erdgeschichtlicher Natur.

Während der Eiszeit sei aus der Sahara relativ viel Sand übers Mittelmeer ins unsere Region transportiert worden. „Die komplette Kölner Bucht ist quasi Sandboden“, erläuterte der Tierarzt. Der Sand sei sehr fein, die Feinstaubbelastung aus natürlichen Quellen dadurch hoch. Das belaste die Pferdelunge sehr.

Gerade in der Voreifel würden sehr viele Islandpferde gehalten. „Die kennen in ihrer angestammten Heimat so etwas gar nicht“, sagte er. Und: „Wir sind in Deutschland das Gebiet mit der höchsten Problematik an Atemwegserkrankungen.“ Pharma-Vertreter hätten ihm versichert, dass besonders viele entsprechende Medikamente geordert würden. (pe)

„Als Großtierarzt beschäftige ich mich überwiegend mit Rindern, Schafen und Pferden. Im neuen Gebäude möchte ich meine Tätigkeitsbereiche weiter ausbauen. Wir können die Tiere vor Ort behandeln, was in meiner derzeitigen Praxis in Kommern nicht möglich ist“, erläuterte Wurthmann.

OP-Saal nicht vorgesehen

Er plane allerdings keinen Operationssaal, dafür habe er weder die finanziellen noch die personellen Möglichkeiten. Allerdings werde er einen weiteren Tierarzt und eine Helferin einstellen. Spezialisiert sei er auf Zahnbehandlungen von Pferden.

Künftig könne er dann die Extraktion von Schneide- und Backenzähnen im Monzenbend in einer kontrollierten Umgebung durchführen. Außerdem will er Pferdebesitzern eine Sauna für Tiere mit Atemwegserkrankungen anbieten. Und mittels einer Vortrabstrecke könne er genau untersuchen, ob erkrankte Tiere lahmen oder nicht.

Er hoffe nun darauf, dass die Stadt seinen Wünschen entgegenkomme, sagte Wurthmann. „Sowohl Architekt, Statiker als auch die Baufirma stehen Gewehr bei Fuß“, sagte er. In nichtöffentlicher Sitzung gab es später einen positiven Beschluss.

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