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Versteigerung bei Mechernicher MFT„Das ist echt brutal hier“

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Wo früher Maschinenteile gefertigt wurden, saßen jetzt die Interessenten, die Inventar der Firma MFT ersteigern wollten.

Mechernich-Vussem – Metallspäne liegen auf dem Boden, in einigen Ecken der beiden großen Hallen sieht es aus, als würde die Arbeit gleich weitergehen.

Doch dem ist nicht so. Am Donnerstag wurde das komplette Inventar, das in den Werkshallen der Firma Maschinen- & Fertigungs-Technologie GmbH (MFT) in Vussem stand, zur Versteigerung angeboten. MFT war Ende vergangenen Jahres insolvent geworden.

Interessenten aus dem In- und Ausland waren bereits am frühen Morgen angereist, um sich die gut 500 Maschinen, Möbel und Arbeitsgeräte anzuschauen.

Um 10 Uhr startete die Auktion. Michael Blum, Geschäftsführer der Firma Auktionsservice West GmbH (ASW), übernahm das Wort und schwang den kleinen, silbernen Hammer.

Werkbank für 30 Euro

Mit rasanter Sprachgeschwindigkeit nannte er jedes Inventarteil beim Namen und den Anfangspreis dazu. Zeitgleich wurde das Stück auf einer Leinwand per Diaprojektor abgebildet. Die Worte Blums klangen in diesen Momenten etwa so: „Werkbank und Schraubstock, 20 Euro für das ganze Ding – da geht's hin, an die 211 für 30 Euro.“

Außerdem kamen Teleskopschubladenschränke, Fräsen so groß wie Autos, Plattenbohrwerke, Flachschleifmaschinen, Kabelgeber, Stehpulte und alle nur erdenklichen anderen Gerätschaften unter den Hammer.

Am 21. August müssen die Hallen, in denen in den vergangenen 15 Jahren bis zu 70 Mitarbeiter für die Firma MFT gleichzeitig tätig waren, besenrein verlassen sein. Michael Blum machte die Käufer der Maschinen darauf aufmerksam: „Fast alle Maschinen hier enthalten Öl, und jeder, der eine Maschine kauft, muss auch das Öl mit nach Hause nehmen.“ Kunden, die dieser Auflage nicht entsprächen, müssten die Entsorgung des Schmierstoffes selber zahlen. Eine entsprechende Rechnung werde ihnen im Nachgang mit Sicherheit ins Haus flattern.

Tränen in den Augen

Interessiert verfolgte Johannes Mießeler die Auktion des Inventars. Für ein kurzes Statement hatte der Gründer und langjährige Geschäftsführer der Firma MFT keine Zeit. Schweigend verfolgten einige frühere Firmenangehörige hinter einem Bauzaun, der quer durch die Werkshalle gezogen worden war, das Szenario. Ihre Namen wollten die Arbeiter nicht nennen. Aber die Tränen schossen ihnen in die Augen, als sie sagten: „Das ist schon echt brutal hier.“

Manche der ehemaligen MFT-Mitarbeiter waren bereits bei „Dörries Scharmann“ beschäftigt gewesen. Dabei handelte es sich um ein renommiertes Traditionsunternehmen, aus dem die Firma MFT hervorging.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in den Hallen an der Trierer Straße in Vussem Maschinenteile mit einer Länge von bis zu zwölf Metern, einem Kubus von sechs mal 6,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen angefertigt.

MFT garantierte bei der Fertigung der Teile eine Genauigkeit von bis zu fünf tausendstel Millimetern. Einer der Arbeiter in der Halle berichtete, dass die an die Hallen von MFT angrenzende Firma Laaf eventuell Interesse an der Produktionsfläche angemeldet habe.

Laaf stellt Walzen her und ging, wie die ebenfalls in Vussem angesiedelte Firma EDM-Technik, bei der 18 Mitarbeiter tätig sind, als Nachfolger aus der Firma Dörries Scharmann hervor.