LieferengpässeKleine Brauerei „Gemünder“ bereitet Leergut-System Probleme

Geschäftsführer Werner Winkler testet die Temperatur der Maische.
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Schleiden-Gemünd – Eifeler Landbier ist ein Genuss – ob direkt vom Fass oder aus der Flasche. Deshalb ist diese Marke, produziert von der Gemünder Brauerei, im Rheinland beliebt. Unglücklicherweise kommt es hin und wieder zu Lieferengpässen, wie eine Kundin kürzlich im Nettersheimer Rewe-Markt feststellen musste. Es war kein Kasten Landbier vorrätig.
Der Grund liegt nach Auskunft von Werner Winkler, dem Geschäftsführer der Gemünder Brauerei, nicht etwa daran, dass sein Unternehmen zu wenig Bier braut, sondern an fehlenden Flaschen. „Früher war die Sache relativ einfach: Wir haben die kleinen Getränkemärkte und Einkaufsläden auf den Dörfern beliefert und gleich das Leergut wieder mitgenommen“, erzählte Winkler am Montag in einem Gespräch mit dieser Zeitung.
Hier und da gebe es zwar noch kleinere Getränkemärkte, aber das Gros seiner Bierkästen verkauft die Marke „Gemünder“ inzwischen über den Fachhandel, der wie etwa die „Trink Gut“-Gruppe ein enormes Angebot an unterschiedlichen Getränken anbietet – darunter zahlreiche Bierspezialitäten aus dem In- und Ausland. Die Bierkästen, die in diesen Märkten als Leergut zurückgebracht werden, können dort wegen fehlender Kapazitäten meist nicht lange gelagert werden, sondern werden per Lastwagen zu Spezialfirmen nach Köln oder Düsseldorf transportiert, wo nicht nur die Kästen, sondern auch die einzelnen Flaschen sortiert werden.
Lieferengpässe
„Für uns lohnt es sich nicht, dort 20 Kästen abzuholen. Und die Firmen bringen uns das Leergut erst dann wieder zurück, wenn sich genügend Kästen der Gemünder Brauerei angesammelt haben“, erläuterte Winkler. Seine Brauerei konkurriert dabei mit Branchengrößen wie Bitburger oder Früh Kölsch, bei denen schneller ausreichend große Leergut-Fuhren zusammenkommen. Man könne wegen der zeitlich verzögerten Rückführung der Flaschen allerdings nicht ständig neue kaufen.
Deshalb komme es ganz selten Mal zu kurzen Lieferengpässen, sagte der Geschäftsführer. Überhaupt machten sich die Kunden nicht mehr so viel Mühe wie früher mit dem Einsortieren der leeren Bierflaschen. Winkler zeigte auf dem Hof der Brauerei zahlreiche grüne Kästen, auf denen zwar zweifelsfrei „Gemünder“ steht, in denen jedoch zur Hälfte Flaschen der Konkurrenz zu finden sind.
„Wir mussten eigens Leute anstellen, die die Kästen sauber sortieren“, berichtete der Brauerei-Chef, der bereits seit 35 Jahren im Unternehmen arbeitet. Trotz dieser Misslichkeiten wird Werner Winkler nicht müde, die Produkte seines Brauhauses, das 1961 gegründet wurde, so gut es geht, zu vermarkten.
Die Tatsache, dass ähnlich große Brauereien wie Cramer in Wollersheim oder Felsquell in Monschau längst kein Bier mehr produzieren und ihre Marken im besten Falle verkauft haben, unterstreicht, wie schwierig das Geschäft geworden ist. Es gibt zwar auch unter den Eifelern eine feste Stammkundschaft, die dem mit besten Zutaten gebrauten Gerstensaft Gemünder Provenienz die Treue hält. Aber für Winkler und seine gut ein Dutzend Mitarbeiter ist es nicht leicht, sich zwischen großen Kölschmarken wie Früh und Gaffel auf der einen und dem Giganten Bitburger auf der anderen Seite am Markt zu behaupten.
Steinfelder Klosterbier
Mit dem Steinfelder Klosterbier, das dunkel und kräftig daherkommt, haben die Gemünder neben dem Landbier seit vier Jahren ein zweites Getränk, das für ordentlich Umsatz sorgt. Zu Geschäftsführer Winklers Bedauern macht das Fassbier nur noch rund 30 Prozent des Umsatzes aus, während es vor einigen Jahren noch 70 Prozent waren.
Viele ältere Kunden würden sehr bedauern, wenn die Lieferfahrer der Gemünder Brauerei ihnen nicht mehr die Getränke bis in den Keller tragen. Da kommt der demografische Wandel der kleinen Brauerei entgegen. Um zu überleben, muss die Marke jedoch auch jüngere Verbraucher für ihre vielfach preisgekrönten Produkte interessieren. „Daran arbeiten wir“, versicherte Werner Winkler zum Schluss des Gesprächs.