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Umgang mit KonfliktenSchleidener Viertklässler sind Teil von Gewaltpräventionsprojekt

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Über ihre Erfahrungen mit Gewalt auf dem Schulhof und an anderen Orten sprechen die Schüler mit ihrem Trainer.

Schleiden – „Geh jetzt bitte weg“, sagt Lars immer wieder mit ernster Miene und wird dabei mit jedem Mal etwas lauter. Schließlich zieht der unbekannte Jugendliche, der ohne Einladung zu seiner Geburtstagsparty entschieden war, von dannen. Lars bekommt den Beifall seiner Mitschüler von der Grundschule Schleiden. Dort lernen die Jungen und Mädchen der beiden vierten Klassen zurzeit im Rahmen des Projekts „Gewalt zum Thema machen“, wie man Konflikte gewaltfrei löst.

„Gewalt ist für die Kinder ein ständiger Begleiter. Sie kommt im Fernsehen, in Computerspielen, aber auch um alltäglichen Leben vor“, sagt Trainer Kaardigan Skandarajah vom Verein Wellenbrecher. „Deshalb ist es wichtig, Kindern die Ängste zu nehmen und ihnen Strategien zu zeigen, wie sie damit umgehen.“ Das geschieht altersgerecht und vor allem spielerisch.

„Wir veranstalten Rollenspiele und besprechen danach die Erfahrungen der Kinder“, sagt der Trainer, der von Lehrerin Stefanie Unland unterstützt wird. Auch die Sonderpädagogin Julia Schnell und die Sozialpädagogin Ramona Hilgers arbeiten bei dem Projekt wird, das durch Spenden des Kiwanis Clubs Nordeifel finanziert wird. Dabei werden vom Trainer alle Formen von der körperlichen über die psychische bis hin zur materiellen Gewalt angesprochen.

Die Kinder trainieren in Rollenspielen ihr Verhalten.

Neben den Begriffen „Mobbing“ und „Gewalt“ stehen die Wahrnehmung und Einordnen von eigenen und fremden Gefühlen sowie Techniken zur konstruktiven Konfliktlösung und zur Selbstbehauptung im Mittelpunkt.

„Was kann ich tun, wenn ich keinen Streit haben will?“, fragt Skandarajah die Schüler, die in einem Kreis sitzen, und verweist auf die aufgemalte Spirale auf einem Blatt an der Tafel. Dort sind mögliche Verhaltensweisen aufgeschrieben. „Wichtig ist es, dass man die Leute nicht zu nah an sich herankommen lässt“, beweist die kleine Zeynab, dass sie etwas gelernt hat. „Man kann sie auch ignorieren oder einfach weggehen und Hilfe holen“, schlägt Mehmed vor und Lilly ergänzt: „Wenn jemand nicht reagiert, muss man immer lauter mit ihm reden.“

Jonas lässt sich nicht locken

Ziel all dieser Maßnahmen ist es laut Skandarajah, dass sich die Kinder die Verhaltensweisen einprägen und sie so im Fall der Fälle vorbereitet sind. Und das wird gleich wieder in einem Rollenspiel geübt. Der Trainer spielt dabei einen Jugendlichen, der Kindern, die an einer Bushaltestelle warten, tyrannisiert. Jonas hat Probleme, den Fremden auf Distanz zu halten. Als der sich auf einem der beiden Stühle sehr breit macht, rutscht Jonas bis auf die Kante, um Abstand zu wahren.

Wellenbrecher

Der Verein Wellenbrecher ist nach eigenen Angaben seit 1993 Träger der freien Jugendhilfe mit Sitz in Dortmund. Er bietet seit 2005 Gewaltpräventionsprojekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Fortbildungen für Lehrer und Fachkräfte an. Ferner werden Fachvorträge und Workshops, Beratungen und Trainings durchgeführt. (wki)

Erst danach fragt er den Jugendlichen, ob er etwas rücken kann, was diesen aber nicht interessiert. Also geht Jonas selbst weg und lässt sich auch nicht locken, als der Jugendliche ihn als Feigling bezeichnet. Das Lob des Trainers ist ihm dafür sicher: „Jonas hat Mut bewiesen und sich nicht provozieren lassen. Allerdings war er am Anfang zu zurückhaltend.“

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Bei Mehmeds Rollenspiel lernen die Mitschüler, dass Gestik, Mimik und Worte übereinstimmen sollten. Er fordert den ungebetenen Besuch bei seiner Geburtstagsfeier zwar auch entschieden auf zu gehen. „Aber dabei lächelt er. Das passt nicht“, weiß Skandarajah, wo der Fehler liegt. Den Kindern macht das Projekt nicht nur Spaß, sie wollen, wie sie nach der Stunde sagen, das Gelernte auch in ihrem Alltag umsetzen.