ComediaNach 22 Jahren verabschiedete sich die Euskirchener Kultur-Initiative Klösterchen

Lesezeit 5 Minuten
Zwei Männer und eine Frau musizieren an Trommeln und an einer Querflöte.

Traten spontan als Trio auf: Mbaye Tama (v.l.), Daniel Manrique-Smith und Issa Sow.

Mit einem sechsstündigen Programm verabschiedete sich die Kultur-Initiative Klösterchen nach 22 Jahren von ihrem treuen Publikum.

„Letztmalig sage ich: Herzlich willkommen in der Comedia.“ Mit diesen Worten begrüßte Klaus Linden die Gäste im ausverkauften Saal und machte damit einmal mehr deutlich, dass nun Schluss mit der Kultur-Initiative Klösterchen (KIK) ist.

Sein kurzer Rückblick auf die vergangenen 22 Jahre, in denen Linden das Kulturangebot organisiert und intensiviert hat, machte deutlich, mit welchem Engagement und vor allem mit welcher Leidenschaft der Geschäftsführer des Vereins das kulturelle Leben in Euskirchen bereicherte. Dass für ihn bei der Auswahl der Künstler „nicht die Quote, nicht das Gefällige“ zählten, sondern „das Neue, das Querliegende“, davon konnte sich das Publikum beim „Grande Finale“ selbst überzeugen. Das knapp sechsstündige Programm war mit seiner Vielfalt, seiner Internationalität und seiner Professionalität ein einziger, nicht enden wollender Genuss, und das nicht nur für die Ohren.

Eine Frau singt und spielt Gitarre.

Stimmgewaltig und ohne Mikrofon erfüllte Anne Haigis den Saal unplugged.

Bereits der Beginn des Konzerts überraschte mit einem Flashmob. Robert Kunze war es, der sich unvermittelt von seinem Platz im Zuschauerraum erhob und mit seinem Gesang die Aufmerksamkeit auf sich zog. Gefolgt von Bruno Schreiner und Mupp Schloeßer, die als A-cappella-Trio EU-Semble auch im weiteren Verlauf des Abends Akzente setzten. Mal vor der Bühne, mal auf der Empore oder mal zwischen den Sitzreihen begeisterten sie das Publikum mit „Find the Cost of Freedom“ von Crosby, Stills, Nash & Young oder mit „Irgendwo auf der Welt“ der Comedian Harmonists.

Alles zum Thema Musik

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.
Klaus Linden zitiert Victor Hugo

Die Pianistinnen Sung-Hee Kim-Wüst und Sunhee Kim-Nußbeck verzauberten die Anwesenden mit einem atemberaubenden Tastenspiel. Von ganz sanft bis feurig lebendig ließen die beiden gebürtigen Koreanerinnen ihre Hände so gekonnt über eine Klaviatur gleiten, dass man von jetzt auf gleich in eine andere Welt entführt wurde. Ganz nach dem von Linden zitierten Victor Hugo: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Dass Linden mit diesem Zitat den Nagel für das Grande Finale in der Comedian auf den Kopf getroffen hatte, wurde im Laufe des Abends mehr als deutlich.

Jede Künstlerin und jeder Künstler erzählte mit der Musik eine ganz individuelle, faszinierende Geschichte. Schon während der ersten Pause zeigte sich Konzertbesucher Norbert Klein-Ildefeld begeistert. „Der Abend bietet eine fantastische Auswahl an Künstlern, die vielfältig ist und immer wieder überrascht“, so der Flamersheimer. „Ich verneige mich auch vor der tollen Leistung von Klaus Linden“, brachte der 63-Jährige dem Veranstalter seine Wertschätzung entgegen.

Jahrelanges Engagement Klaus Lindens erhält Anerkennung

Die Anerkennung für Lindens jahrelanges Engagement machte sich auch an anderen Stellen bemerkbar. Maria Carvalho und Daniel Pircher waren für ihren Auftritt extra aus Berlin angereist und mussten dabei einige Zugausfälle in Kauf nehmen. Von den widrigen Umständen der Anreise und auch der Tatsache, dass das Trio Fado krankheitsbedingt nur zu zweit vor Ort war, merkte man den beiden nichts an, als sie auf der Bühne ihre Augen schlossen und sich ganz der Musik und den Worten des portugiesischen Fados hingaben.

Eine Reise nach Italien ermöglichten Cosimo Erario und Alessandro Palmitessa nicht nur mit ihrer Interpretation des Liedes „Azzurro“ von Adriano Celentano. Beeindruckend waren vor allem Palmitessas Saxophon-Soli, bei denen man, wären sie nicht so fantastisch gewesen, Mitleid mit dem Instrument bekommen konnte.

Zwei Männer spielen Gitarre und Saxophon.

Ein Stück Italien brachten Cosimo Erario (v.l.) und Alessandro Palmitessa ein.

Anne Haigis kam direkt von einem anderen Konzert nach Euskirchen, was ihrer Stimmgewalt keinen Abbruch tat. Im Gegenteil. Als das Mikrofon nicht wollte, wie es sollte, startete Haigis, die seit 30 Jahren im Musikgeschäft ist, mit „Kind der Sterne“ einfach unplugged, und zwar großartig und voluminös.

„Lass die Trommeln sprechen“ fasst den Auftritt von Issa Sow und Aladji Mbaye Tama am besten zusammen. Nicht nur die Professionalität, mit der die beiden Musiker ihre Instrumente beherrschten, sondern auch die Interaktion mit dem Publikum sorgten für einen rundum gelungenen Auftritt. Spontan nahmen sie dabei Daniel Manrique-Smith mit seiner Querflöte mit auf die Bühne, bevor der international gefragte Flötist zu späterer Stunde selbst an der Reihe war.

Musik-Acts wie Elemér Balogh mit seinem Zymbal, das Antigua Quartett oder das Markus Reinhardt Ensemble rundeten das Programm des Abschlusskonzertes ab und ließen die vergangenen gut zwei Jahrzehnte der Kultur-Initiative Klösterchen Revue passieren.

Vor Publikum singen drei Männer.

EU-Semble mit Mupp Schloeßer (v.l.), Robert Kunze und Bruno Schreiner startete den Abend mit einem Flashmob.

Linden, der immer auf der Suche nach neuen, passenden Künstlern für KIK war, hat über all die Jahre gehalten, was ihn umtrieb: „Bei der Auswahl der Künstler war mir das Alleinstellungsmerkmal wichtig. Sie sollten bisher nicht im Kreis Euskirchen, nicht in NRW und am besten auch nicht in Deutschland aufgetreten sein.“

Der Abschied von dieser Ära fällt ihm dennoch leicht. „Ich konnte mich ein Jahr auf das Grande Finale vorbereiten“, so Linden, der mit der Nachricht, dass der Saal nicht mehr für Konzerte zur Verfügung steht, den richtigen Zeitpunkt für seine Amtsniederlegung sah. „Da es keinen Nachfolger gibt, wird der Verein nun aufgelöst.“ Für Euskirchen ist das Aus dieser kulturellen Glanzpunkte ein Verlust.

Für Linden, für den das Grande Finale das aufregendste und anstrengendste Konzert seiner Kulturlaufbahn war, war das am Ende aber kein Grund, die Füße stillzuhalten. Zum Boogie-Woogie, präsentiert von Stefan Ulbricht am Klavier, bat Linden Maria Carvalho zum Tanz und setzte damit einen gelungenen Schlussakkord für die Kultur-Initiative Klösterchen.

Nachtmodus
KStA abonnieren