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1,5 Millionen EuroDie Burg Veynau steht zum Verkauf – Gästehaus in kleinem Turm

Lesezeit 7 Minuten
Das Bild zeigt die Burg Veynau aus der Luft.

Die Burg Veynau zwischen Firmenich und Wißkirchen steht zum Verkauf. 1,5 Millionen werden für das Areal aufgerufen.

Die Wasserburg Veynau samt einem 15.000 Quadratmeter großen Areal steht zum Verkauf. Bei der Flut wurde sie in Mitleidenschaft gezogen.

Herzblut. Burg Veynau. Drei Worte, die immer wieder im direkten Zusammenhang fallen, wenn Frank Gensheimer über die mittelalterliche Wasserburg zwischen Wißkirchen und dem Gewerbegebiet Obergartzem spricht. Gensheimer war ein guter Freund von Alexander von Elmendorff, dem letzten Besitzer der Anlage, die seit 1985 unter Denkmalschutz steht.

Dessen Vater, Harald Freiherr von Elmendorff, hatte 1985 die damals stark baufällige Burg für 250.000 Mark erworben und bis 1997 aufwendig saniert und restauriert. Etwa vier Millionen Euro sollen mithilfe des Landes NRW in die Burg investiert worden sein. Wie viel Geld und vor allem wie viel Herzblut dann Alexander von Elmendorff, der vor zwei Jahren gestorben ist, investiert hat? Offen!

Euskirchen: Burg Veynau kostete 250.000 Mark, jetzt 1,5 Millionen Euro

Mittlerweile ist das Erbe geklärt, die Burg Veynau steht zum Verkauf: 1,55 Millionen Euro werden für das fast 15.000 Quadratmeter große Areal samt Vorburg aufgerufen. Die Wohnfläche beträgt laut Exposé etwa 1200 Quadratmeter auf drei Geschossen.

„Für Alexander war Veynau eine Lebensaufgabe. Er hat hier unfassbar viel Herzblut reingesteckt“, sagt Gensheimer über seinen Freund bei einer Burgführung. Die dauert knapp eineinhalb Stunden – im Schnelldurchgang, ohne Vorburg, ohne Außengelände. Dass es eine Lebensaufgabe ist, eine Burg zu besitzen und vor allem in Schuss zu halten, wird auch während der Burgführung in Kurzfassung mehr als deutlich.

Der Charme der alten Gemäuer, des Rittersaals, der engen Wendeltreppen im Rundturm, des „Wahrscheinlich-war-es-eine-Art-Kerker“ im Haupthaus, das knarzende Parkett, das Gästehaus in einem gut erhaltenen Turm direkt am Wassergraben – an der Burg Veynau wird Geschichte erleb-, spür- und riechbar.

Veynau: Charme der Wasserburg hat stark gelitten

Aber es sind auch die Spuren der vergangenen Jahre und Jahrzehnte sichtbar. Seit dem Tod des Burgherren vor zwei Jahren ist nicht mehr viel gemacht worden. Der Vorgarten der Vorburg ist regelrecht verwildert. Und auch durch die Nutzung des Herrenhauses als Sitz eines Online-Dienstleisters hat die Burg ein wenig Charme eingebüßt.

So sind zahlreiche Kabel hinter nicht allzu mittelalterlichen Fußleisten verschwunden. In manchen Räumen sind Trockenbauwände hochgezogen worden, um eine Art Büroatmosphäre zu schaffen, und die recht großen Notausgangsschilder wirken in einer Burg auch fehl am Platz,

Nach Angaben von Kornelia Esch, die versucht, das Objekt für den beauftragten Makler an den Mann oder an die Frau zu bringen, ist das Interesse an der Wasserburg groß. Eine Unterschrift unter einem Vertrag gibt es aber noch nicht. Denkbar sei, dass die Burg als Wohnsitz dient.

Es wird nun ein solventer Liebhaber gesucht, der in das einmalige Landgut wieder neues Leben einbringt. Das Potenzial ist enorm, und die Möglichkeiten sind außerordentlich vielfältig.
Auszug aus dem Exposé

Aber die Burg, so ist es laut Esch bei manchen Besichtigungen durchgeklungen, kann auch in Zusammenhang mit Konzepten genutzt werden – beispielsweise als exklusive Hochzeitslocation. Allerdings müsse bei solchen Überlegungen immer der Denkmalschutz berücksichtigt werden. Das gelte aber auch bei möglichen Sanierungen im Privatbesitz, so die Expertin.

Und, das wird bei der Besichtigung der Burg deutlich: Die Substanz ist auf den ersten Blick gut, aber mit einmal drüberstreichen ist es auch nicht getan. Wer immer die Burg kauft, muss weiteres Geld in die Sanierung investieren. Und so gut die eigentliche Burg vor Jahren saniert worden ist: Die Vorburg ist in einem deutlich schlechteren Zustand. Der Weg vor dem historischen Durchgang ist beispielsweise abgängig. „Die Burg erfordert eben viel Herzblut“, wiederholt Frank Gensheimer.

Doch wo liegt die Burg Veynau eigentlich? Mehrere Tausend Autos und Lkw rollen tagtäglich an ihr vorbei, die meisten wohl, ohne sie überhaupt zu registrieren. Die Burg liegt unmittelbar am Veybach neben der Bahntrasse der Eifelbahn sowie der A1. Von der Autobahn und dem Schienenverkehr bekommt man in der Burg nichts mit.

Der Veybach hat in der Flutnacht Schäden in der Burg verursacht. In der Küche und einem weiteren Raum (inklusive eines überdimensionalen Backofens) neben dem Rittersaal stand Veybachwasser. Die Brücke vor der Vorburg ist seit dem Hochwasser zerstört, der beliebte Rad- und Wanderweg zwischen Wißkirchen und der Burg Veynau seit zweieinhalb Jahren nicht vollends nutzbar. Wann die Brücke wieder aufgebaut ist – fraglich.

Ein echtes Highlight ist der kleine Turm, der zu einem Gästehaus oder besser Gästeturm ausgebaut worden ist – inklusive Toilette, Dusche sowie Küche und offenem Kamin. Hinter dem Turm gibt es sogar einen eigenen kleinen Garten. „Es wird nun ein solventer Liebhaber gesucht, der in das einmalige Landgut wieder neues Leben einbringt. Das Potenzial ist enorm, und die Möglichkeiten sind außerordentlich vielfältig“, heißt es im Exposé.

Burg Veynau wechselte oft ihren Besitzer

Geheizt wird die Burg laut Gensheimer mithilfe einer Ölheizung. Ein Energieausweis für diesen Gebäudetyp sei nicht notwendig, ergänzt Maklerin Esch. Um die Fische und den großen Wassergraben, der die Burg umgibt, kümmert sich ein Fischereiverein.

Die Burg Veynau wurde um 1340 gegründet und vom Markgrafen von Jülich als Lehen an den Truchsess Dietrich Schinnenmann von Aldenhoven gegeben, der sie zur stärksten Festung der Region ausbaute. 1355 wurde sie beschädigt, aber sofort wieder aufgebaut. Im gleichen Jahr ging die Burg in jülischen Besitz über und wurde Teil des jülischen Burgengürtels um Euskirchen. 1381 ging die Burg dann als Lehen an Balduin von Monyardin.

Dieser versäumte 1422, beim neuen Landesherrn, Herzog Adolf von Berg, um eine neue Belehnung mit der Burg nachzusuchen, der daraufhin die Burg eroberte und das Lehen einzog. 1447 erwarb Heinrich von Geisbusch zunächst eine, später auch die zweite Hälfte der Burg. Im 19. Jahrhundert verlor die Burg ihre Bedeutung und wurde als Landgut genutzt. 1843 erwarb sie Herzog Prosper Ludwig von Arenberg.

Im 20. Jahrhundert stand sie lange leer und verfiel. Ein schweres Erdbeben zog das Gebäude 1951 in Mitleidenschaft. 1973 kaufte der Landwirt Theodor Bamberg die Burg von den Arenbergern, ehe sie 1988 in den Besitz von Harald Freiherr von Elmendorff überging.

Übrigens: Nördlich der Vorburg, an der aktuell zerstörten Veybach-Brücke, steht eine uralte Linde, deren hohler Stamm sich vielfach aufgeteilt hat. Daneben befindet sich ein altes Steinkreuz.


Burg Satzvey ist eine Ehre und Bürde zugleich

Patricia Gräfin Beissel von Gymnich ist Burgbesitzerin. Seit mehr als 300 Jahren ist die Burg Satzvey im Familienbesitz. „Wenn man bedenkt, was die Instandhaltung kostet – und wir sind ja auch an Auflagen gebunden – das ist eine ganz andere Nummer“, sagt die junge Burgbesitzerin. Man dürfe beispielsweise nicht die Baustoffe verwenden, die in modernen Häuser verbaut würden, weil Burgen nun einmal unter Denkmalschutz stünden.

„Wenn wir über Satzvey reden, sind wir beispielsweise an Schieferdächer gebunden und dürfen nicht irgendwelche Dachpfannen nehmen“, berichtet Patricia Gräfin Beissel von Gymnich: „Die Heizkosten sind bei einem solchen Gebäude immens.“ In ihrer Kindheit seien Decken in der Burg Satzvey teilweise abhängt worden, um die Räume kleiner zu machen, damit sie geheizt werden können. „Ich kann mich daran erinnern, dass die Heizung im Winter oft gar nicht angesprungen ist und wir den Backofen geöffnet haben, um ein bisschen Wärme in den Raum zu bekommen“, so die Burgbesitzerin.

Dennoch sei sie „ziemlich stolz“, die Burg in Satzvey zu haben. „Eine solche Burg ist Ehre und Bürde zu gleich“, sagt die 38-Jährige. Durch Land- und Forstwirtschaft sei Burg Satzvey schon lange nicht mehr zu erhalten. Stattdessen setzt Patricia Gräfin Beissel von Gymnich mit ihrem Team auf die Ritterspiele, auf das Halloween-Fest und andere Events, die weit über den Kreis hinaus bekannt sind. Dann kam Corona und alle gewinnbringenden Veranstaltungen mussten abgesagt werden.

Und die Flutkatastrophe im Juli 2021 ließ die Burg sowie die 4,5 Hektar großen Ländereien im Wasser versinken. Der Schaden: acht bis zehn Millionen Euro. „In letzter Sekunde konnten wir meine Pferde retten, ich selbst harrte drei Stunden auf einem Traktor aus“, berichtet die 38-Jährige: „Es gibt Tage, da verfluche ich die Burg, aber meistens verbringe ich hier unheimlich gerne die Zeit.“  

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