KleinkunstpreisIn Euskirchen müssen die Künstler in 15 Minuten überzeugen

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Kabarettist Thomas Schreckenberger sitzt im Stadttheater in Euskirchen an einem Tisch. Er gibt eine gelungene Version von Klaus Kinski zum besten.

Kabarettist Thomas Schreckenberger gab eine sehr gelungene Version von Klaus Kinski zum besten, die ihm den ersten Platz beim Euskirchener Kleinkunstpreis bescherte.

Sieben Kandidaten bewarben sich um den 16. Euskirchener Kleinkunstpreis. Die Zuschauer im Stadttheater amüsierten sich köstlich.

Gleich zu Beginn der Verleihung des Euskirchener Kleinkunstpreises im Stadttheater musste Moderatorin Katharina Hoffmann improvisieren. Der Erste von insgesamt sieben Kleinkünstlern hatte noch technische Probleme und die Darbietung verschob sich um einige Minuten.

Schauspielerin und Entertainerin Katharina Hoffmann, die 2017 selbst den Kleinkunstpreis gewonnen hatte, nahm es aber mit Humor und nutzte die Situation, um über die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen im Kreativbereich zu sprechen. Pannen wie diese, so Hoffmann, würde es mit einer KI nicht geben. Aber genau die seien es doch, die so einen Abend erst einzigartig und unvergesslich machten.

Um den Euskirchener Preis bewerben sich Künstler aus ganz Deutschland

Die Verleihung des Euskirchener Kleinkunstpreises fand zum 16. Mal statt, eine Veranstaltung, die vom Verein Frauen helfen Frauen ausgerichtet wird. Die Vereinsvorsitzende Gabi Bärenklau erklärte in ihrer Eröffnungsrede, dass die Veranstaltung ursprünglich aus dem Gedanken erwachsen war, den staatlich geförderten Verein zusätzlich finanziell zu unterstützen, um noch mehr gemeinnützige Projekte für Frauen im Kreis Euskirchen verwirklichen zu können.

Aus den vielen Bewerbungen, die inzwischen aus ganz Deutschland eingingen, habe man den Anspruch, eine möglichst große Vielfalt an Künstlerinnen und Künstlern auszuwählen, die dann in einer 15-minütigen Performance ihr Können unter Beweis stellen. Die Abstimmung erfolgt via Stimmzettel durch das Publikum, und dem Sieger winkt ein Preisgeld von 1111 Euro, das von der e-regio zur Verfügung gestellt wird.

Das Duo Rado und Schaller tritt im Stadttheater Euskirchen auf. Einer sitzt an einem mit einer roten Decke überzogenen Tisch, der andere hält eine überdimensionale Kaffeekanne über seinen Kopf.

Das Duo Rado und Schaller überzeugte mit einem Spaßprogramm und holte den zweiten Platz.

Jonglage eröffnete den Abend. Als endlich alles für den ersten Auftritt vorbereitet war, ging es auch gleich rasant her. Christoph Rummel zeigte sein Repertoire als Jongleur, wobei er sich nicht allein auf das Werfen und Fangen seiner Bälle konzentrierte, sondern dabei auch noch ein lustiges Gedicht rezitierte, dessen Bilder er mit seiner Jonglierkunst pantomimisch untermalte. Den Abschluss seiner 15-minütigen Darbietung bestritt er mit Jonglierkeulen, die passend zur Musik ihre Farbe wechselten und dadurch ein echtes Erlebnis fürs Auge boten.

Als zweites kam Klavierkabarettistin Caroline Bungeroth aus Berlin auf die Bühne, die sehr humorvoll von ihrer Kindheit als Pfarrerstochter erzählte und über „furzende Mädchen“ sang. Sie widmete sich außerdem der „Flötengymnastik“ und zeigte zum Abschluss eine treffende, aufs Wesentliche reduzierte Operndarbietung, in der am Ende nicht die Protagonistin durch einen Messerstich stirbt, sondern das Brot.

Thomas Schreckenberger regt sich im Stil von Klaus Kinski übers Gendern auf

Mit Kabarett im klassischen Sinne ging es weiter. Thomas Schreckenberger gab Auszüge aus seinem Programm „Nur die Lüge zählt“ zum Besten, wo er gnadenlos, humorvoll, aber nicht geschmacklos die deutschen Politiker aufs Korn nahm. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Spaltung der Gesellschaft – und immer einen kleinen Finger in die Wunde der Empörung.

Zum Schluss gab er noch eine Nachrichtenansage im Stil von Klaus Kinski zum Besten, der sich köstlich über die ihm vorgelegten Nachrichten aufregte und amüsierte. So griff Schreckenberger zum Beispiel kunstvoll die Genderdebatte auf, indem er Kinski vorlesen ließ, dass der Papst in Rom sich gegen das Gendern ausgesprochen habe, weil man sich entscheiden solle, ob man ein Mann oder eine Frau sein wolle. Kinski kommentierte diese Schlagzeile mit einem langen Blick ins Publikum und sagte dann trocken: „Entschuldigung, aber der Typ trägt ein Kleid!“ Zwar war das Stadttheater nur etwa zur Hälfte besetzt, doch der Saal bebte vor Lachen und Applaus.

Katharina Hoffmann moderierte den Abend im Stadttheater Euskirchen. Dabei führte sie einen Fruchtbarkeitstanz auf, für den sie sich zwei Stangen Lauch in den Gürte ihres roten Outfits gesteckt hat.

Katharina Hoffmann führte das Publikum humorvoll und dynamisch durch den Abend und zeigte zum Schluss noch einen Fruchtbarkeitstanz.

Vor der Pause trat als vierte Teilnehmerin Cornelia Fritzsche auf. Die Puppenspielerin kam mit ihrer Ratte „Ursula von Rätin“ auf die Bühne, die sich als Ratgeberin für Kunst und Kultur mit einem Wischmopp herumschlagen musste, der als „Madame Plüsch“ eine große Gesangskarriere starten wollte.

Mit einem sehr individuellen Programm trat nach der Pause das Duo „Rado und Schaller“ auf. Mit Worten schwer zu beschreiben, verstanden es die zwei Künstler hervorragend, pantomimisch einen betrunkenen Skifahrer in einem Tannenwald darzustellen. Das Publikum brüllte vor Lachen. Auch das kleine Krippenspiel, bestehend aus verschieden großen italienischen Kaffeekannen mit Josef, Maria, Jesus und den heiligen drei Königen, traf zielsicher den Humor der Zuschauer.

Als Lokalmatador war der Euskirchener Stadionsprecher dabei

Es gab auch einen regionalen Künstler, nämlich Lennard Rosar, der in Euskirchen als Stadionsprecher tätig ist. Der 30-jährige Komödiant nimmt sich selbst aufs Korn und erzählt lustige Anekdoten von seinen Reisen nach Schweden und Island. Dabei konzentrierte er sich auf das Glücklichsein und holte die Euskirchener vor allem mit seinem Humor über die Eifel ab.

Die siebte und letzte Darbietung kam von Maria Maschenka, die mit eigentümlichen, aber humorvollen Gedichten für Lacher, aber auch für Fragezeichen im Publikum sorgte. Besonders eindrucksvoll war ihr Beitrag zum Ende, bei dem das Publikum sich einen Titel („Das Hemd der Baronin“) und zwei Gefühle ausdenken sollte, woraus Maschenka aus dem Stegreif ein vollwertiges und – zumeist – sinnvolles Gedicht improvisierte.

Thomas Schreckenberger siegte Während das Publikum abstimmte, wer den diesjährigen Kleinkunstpreis erhalten sollte, und man auf das Ergebnis der Auszählung wartete, gab Moderatorin Hoffmann, die den Abend humorvoll und unkonventionell begleitet hatte, noch einen kleinen Fruchtbarkeitstanz zum Besten, den sie auf Youtube gesehen hatte. Dabei bezog sie einen Herrn „Rainer“ aus dem Publikum ein und anhand der Reaktionen aus dem Zuschauerraum hätte man meinen können, dass diese letzte Nummer den ersten Preis geholt hätte, wenn sie nicht außer Konkurrenz gestanden hätte.

Nach mehr als drei Stunden aufgrund mehrerer kleiner Verzögerungen war es dann soweit. Die Sieger wurden bekannt gegeben und die drei Erstplatzierten nach vorne geholt. Den dritten Platz belegte dabei das Duo Rado und Schaller mit seinem Kaffeemaschinentheater, auf Platz zwei landete Christoph Rummel mit seiner Wortjonglage und den ersten Preis und das Preisgeld erhielt Thomas Schreckenberger mit seinem Kabarettprogramm.

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