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NeujahrsempfangSo macht die  Bundeswehr Euskirchen zum Hochschulstandort

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Flottillenadmiral Sabine Reppin ist von hinten am Rednerpult zu sehen. Sie blickt auf die 130 Gäste des Neujahresempfangs.

Knapp 130 Vertreter aus Bundeswehr, Politik, Institutionen und Organisationen waren in die Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne gekommen.

Die neue Standortälteste der Bundeswehr in Euskirchen, Flottillenadmiral Sabine Reppin, hatte zu ihrem ersten Neujahrsempfang eingeladen.

Einfach ist die Lage für die Soldatinnen und Soldaten, aber auch für die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr aktuell nicht. „Europa steht im Schatten eines Krieges, wie wir ihn noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten haben“, sagte Flottillenadmiral Sabine Reppin bei ihrem ersten Neujahrsempfang als Standortälteste der Bundeswehr in Euskirchen.

Die russische Brutalität gehe weit über die Ukraine hinaus. „Sie zielt auf unsere Sicherheit, auf unsere Stabilität, auf unsere Geschlossenheit und unser Vertrauen in uns selbst“, so Reppin und führt als Beleg Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur, gezielte Desinformationen, die Zweifel säen und die Gesellschaft spalten sollen, hybride Angriffe auf Häfen, Pipelines und Netze auf. „Es stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wann Russland sich für einen weiteren Krieg rüstet“, so die Standortälteste.

Militärpfarrer Lars Spohr sieht Hoffnung und Zuversicht

Da wirkte die Liedauswahl der Big Band der Bundeswehr, die Teil der Euskirchener Bundeswehr ist, wie der Ansporn, die Hindernisse zu überwinden. „Ain't No Mountain High Enough“, „Unstoppable“ und „Easy“ sind mehr als nur Durchhalteparolen – es geht darum, den Blick nach vorne zu richten, wie groß eine Krise auch ist.

Und das machte auch Sabine Reppin. Zwar ist die geschilderte Ausgangslage nicht einfach. Das bestätigte auch Militärpfarrer Lars Spohr, der sagte: „Die Welt wird unruhiger und unüberschaubarer und dadurch riskanter.“ Der ein oder andere verspüre Sorgen und Angst. „Dennoch gibt es Hoffnung und Zuversicht: Wir können die Welt mitgestalten“, so Spohr.

Landes- und Bündnisverteidigung funktioniert nur gemeinsam

Der Kernauftrag der Bundeswehr sei die Landes- und Bündnisverteidigung – dabei ist sie eingebettet in ein Netzwerk, dem auch Politik, Industrie und Gesellschaft angehören, die eine gemeinsame Verantwortung für die Verteidigungsbereitschaft dieses Landes tragen. Es gehe um ein koordiniertes Zusammenwirken nicht nur innerhalb der Bundeswehr, sondern auch „gesamtstaatlich militärisch-zivil als auch international mit unseren Partnern in Nato und EU“, um die Resilienz zu stärken.

Flottillenadmirat Sabine Reppin steht am Rednerpult und hält ihre Neujahrsansprache.

Eine prägnante Neujahrsansprache hielt Flottillenadmiral Sabine Reppin.

Frank Siegemund bekommt von einem Kollegen aus der Bundeswehr-Big-Band eine Flasche zum Abschied überreicht. Der Kollege legt ihm die Hand auf den Rücken.

Verabschiedet: Big-Band-Pianist Frank Siegemund (r.).

Allerdings starte man diesbezüglich nicht bei null. Allein in Euskirchen – mittlerweile der viertgrößte Bundeswehrstandort in Nordrhein-Westfalen und weiter wachsend – gebe es immense, herausragende Expertisen. Das Zentrum für Geoinformationswesen stellt die Geo-Info-Unterstützung im gesamten Einsatzspektrum der Bundeswehr sicher, liefert die Grundlage für die vernetzte Operationsführung der Streitkräfte und schafft notwendige Voraussetzungen für deren Einsatz.

Das Zentrum für Cybersicherheit bietet einen umfassenden Schutz der Interessen, IT-Services und IT-Systeme der Bundeswehr. Das Zentrum für Digitalisierung und Fähigkeitsentwicklung sei Treiber der Digitalisierung der Bundeswehr, etwa durch Installation von Rechenzentren sowie Ausbildung und Übung. Das Sanitätsversorgungszentrum versorgt 1600 Soldatinnen und Soldaten in Euskirchen, Mechernich und teilweise auch am Standort in Rheinbach.

Letzter Auftritt des Pianisten der Bundeswehr-Big-Band

Hinzu kommen noch das Bundeswehrdienstleistungszentrum, das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, das Betreuungsbüro sowie die bereits erwähnte Big Band der Bundeswehr als „hochkarätige musikalische Botschafterin der Bundeswehr“, so Reppin.

Apropos Big Band: Dort gab es am Donnerstag einen Abschied. Pianist Frank Siegemund, der im Juli 1993 seinen Dienst in der Big Band antrat, trat beim Neujahrsempfang zum letzten Mal auf.


Das neue Ausbildungs- und Trainingszentrum

Dass die Bundeswehr gerne abkürzt, ist bekannt. Hinter dem Kürzel ATZ versteckt sich das Ausbildungs- und Trainingszentrum der Bundeswehr, das neu errichtet wurde und vom bisherigen Standort Fürstenfeldbruck nach Euskirchen gezogen ist. Als Gruppenleiter 33 ist Oberstleutnant J. (Name auf Bitten der Bundeswehr gekürzt) für das Zentrum zuständig. „Im zivilen Leben würde man mich Schulleiter nennen“, sagt der Oberstleutnant. Rund 30 Dozenten aus Fürstenfeldbruck wurden mit einem riesigen Banner „Herzlich willkommen in Euskirchen“ begrüßt.

Blick auf den Eingangsbereich des Ausbildungs- und Trainingszentrums der Bundeswehr. Im Vordergrund steht eine quadratische Absperrung.

Die Arbeiten am ATZ, dem Ausbildungs- und Trainingszentrum der Bundeswehr, liegen in den letzten Zügen.

In Euskirchen stehen 20 Hörsäle zur Verfügung, hinzu kommen noch Lehrsäle und Gruppenarbeitsräume. Als größter Bereich werden dort Landeskunde unterrichtet und es gibt eine Wetterausbildung, an der nicht nur Soldatinnen und Soldaten teilnehmen, sondern auch Studenten des Deutschen Wetterdienstes.

Wetterbeobachtungskanzel auf dem Dach des Zentrums

Auf dem Dach eines Flügels wurde eigens dafür eine Wetterbeobachtungskanzel errichtet. Von der und der begehbaren Dachterrasse haben die Beobachter einen Rundumblick über Euskirchen. „Besonders die Blicke nach Süden und Westen sind wichtig. Hoffentlich sehen wir von hier im Sommer einige Gewitterzellen“, sagt Dr. Daniela Lindner, die für die Wetterausbildung verantwortlich ist.

Da man in ihrem Bereich mit der Hochschule in Brühl zusammenarbeitet und das Studium mit dem FH-Diplom erfolgreich abschließen kann, „ist Euskirchen jetzt eine Hochschulstadt“, sagte Oberstleutnant J.

Im Ausbildungs- und Trainingszentrum finden auch weitere Ausbildungen des Geoinformationsdienstes und Fortbildungen statt, teils auch englischsprachig. Im Jahr 2025 wurden in Fürstenfeldbruck 100 Trainings mit insgesamt 710 Teilnehmern angeboten. Für Euskirchen geplant sind derzeit 92 Trainings mit 875 Teilnehmern. Allerdings sind die Fortbildungen für die zweite Jahreshälfte noch nicht alle geplant.

Das ATZ ist über die Allee direkt an die unterschiedlichen Fachabteilungen angeschlossen. Trockenen Fußes gelangen die Schüler und Studenten durch einen Außenkorridor in die vor zwei Jahren errichtete modernste Bibliothek der Bundeswehr.