Euskirchen – Folgt man der Erft durch Euskirchen, fällt ihr nahezu schnurgerader Verlauf auf. Das soll sich ab 2017 ändern. Der Erftverband will den Fluss stellenweise renaturieren. In anderen Kommunen – etwa in Weilerswist – sind ähnliche Maßnahmen schon abgeschlossen. Für die Planung in Euskirchen gab es erste Gespräche zwischen dem Erftverband, der Bezirksregierung Köln und der Stadt Euskirchen als Eigentümerin der Flächen. Geplant sind Maßnahmen zwischen Kölner Straße und Einmündung des Veybachs.
„Wir sind noch bei der Grundlagenerfassung“, berichtet Dr. Christian Gattke, Leiter der Abteilung Flussgebietsbewirtschaftung des Erftverbands. Dazu zähle das Erfassen der unterirdischen Leitungen in den Erftauen. „Zwei Drittel der Erft sollen aber in der bisherigen Trasse bleiben“, so Gattke. Dort soll das Ufer umgestaltet werden. „In Höhe des Grünen Klassenzimmers könnte man eine Flachwasserzone einrichten, wo man barfuß in die Erft gehen kann“, führt er aus. Erste Ideen sehen vor, dass sich das Wasser durch die große Wiese an der ehemaligen Erftbastei schlängelt.
Im städtischen Ausschuss für Tiefbau und Verkehr wurde diese Idee nun diskutiert. Franz-Josef Mauth (CDU) wetterte gegen die Zerteilung der großen Wiesenfläche: „Das ist an Blödheit nicht zu überbieten. Die große Fläche wird stark genutzt. Wer sind wir, dass wir so etwas erlauben? Vor und hinter der Stadt gibt es kilometerlange Flächen, die dafür genutzt werden können.“ Renaturierung sei gut, doch an dieser Stelle werde der Bürger an der Erft ausgesperrt.
Dem widerspricht Gattke. Meist heiße es, Renaturierungsmaßnahmen innerhalb der Stadt seien kaum möglich. Hier sei das anders. „Man kann den Menschen das alles richtig begreifbar machen“, so Gattke.
Hans-Werner Ignatowitz (Grüne) pflichtete Mauth bei. Als Beispiel führte er die gut besuchten Flohmärkte in den Erftauen an. Gattke erklärte dazu, dass man die Planung eng mit dem städtischen Grünflächenamt abstimme. Der Technische Beigeordnete der Stadt, Oliver Knaup: „Die bisherigen Renaturierungsmaßnahmen an der Erft kommen bei den Bürgern gut an, weil es dort nun interessanter ist.“
SPD-Fraktionschef Josef Schleser erklärte, dass die Renaturierungsmaßnahmen an der Gymnicher Mühle und in Bergheim-Kenten von der Bevölkerung gut angenommen werden. Das bestätigte Gattke. Allerdings, so Peter Dürholt (SPD), sollten die Wege beidseits der Erft, auf denen man auf und ab spazieren könne, erhalten bleiben. Gattke geht aber davon aus, dass der Weg rechts der Erft auf dem Teilstück der Verlegung aufgegeben wird.
Mauths Vorschlag, die Trasse erst hinter der Veybach-Einmündung zu verändern, wies Knaup mit dem Argument des Erftverbands zurück, dass der Veybach durch Wasser aus dem Burgfeyer Stollen derart belastet sei, dass eine Renaturierung hinter der Einmündung wesentlich weniger Auswirkung auf die Tierwelt habe.