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Tag des offenen DenkmalsAcht alte Bauten und ein Rekord

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Die Hofanlage in der Horchheimer Straße in Flamersheim bestach vor allem durch die einmalige Verbindung von Baudenkmal und Gartengestaltung.

Euskirchen – Als „gebaute Geschichtsbücher“ bezeichnet Paul Zündorf, technischer Beigeordneter der Stadt Euskirchen, die fast 600 Baudenkmäler in der Kreisstadt. Am vergangenen Sonntag hatten acht dieser Sehenswürdigkeiten anlässlich des Tages des offenen Denkmals ihre Tore für Besucher geöffnet. Bei strahlendem Sonnenschein nutzten mehr als 1000 Interessierte diese Gelegenheit. Der Besucherandrang bedeutete eine „absolute Rekordzahl“, so Corinna Relles von der Unteren Denkmalbehörde.Leitthema der Veranstaltung war in diesem Jahr „Holz“. In der Villa an der Geierstraße in Flamersheim wurde aus diesem Anlass die Holzrestauration an Originalobjekten, etwa den verwitterten Fensterflügeln aus dem Dachgeschoss, vorgeführt. Die Villa wird seit November vergangenen Jahres von der Familie Winkler bewohnt. Im Februar 2010 hatten sie das herrschaftliche Haus mit einem Grundstück von 5300 Quadratmetern gekauft. Innerhalb von zwei Jahren haben sie eine komplette Innensanierung vorgenommen, Heizung und Elektrik erneuert, die Stuckverzierungen freigelegt, Holzböden abgeschliffen und die Farbfassung von den „depressiven“ dunklen Farben wieder in den weißen Urzustand zurückversetzt. Ende 2011 waren die Wohnräume bezugsfertig, lediglich das Treppenhaus ist noch eine Baustelle.

Spaß und Geduld nötig

Das Ehepaar Winkler hatte sich bereits vor dem Kauf mit der Denkmalbehörde ausgetauscht. Die Zusammenarbeit mit den Experten hat sie dabei unter anderem vor Schäden an der hölzernen Substanz bewahrt. „Ohne den Denkmalschutz könnten wir das hier nicht“, erklärte Arne Winkler den Besuchern bei der Führung durch das Haus. Über zehn Jahre können jeweils neun Prozent der Sanierungskosten mit den gezahlten Steuern verrechnet werden. Trotzdem braucht es Spaß und vor allem Geduld für die Arbeit an der Villa, die sich schätzungsweise noch über zehn Jahre hinziehen wird. Doch die Familie weiß, dass es sich lohnen wird. „Das Haus ist mit viel Liebe und mit sehr vielen Details gebaut worden.“

Viele Details gab es auch in der Hofanlage an der Horchheimer Straße in Flamersheim zu entdecken. Das Fronthaus im klassizistischen Stil mit dem eindrucksvollen zweiseitigen Treppenaufgang an der Straßenseite, ergänzte um 1800 die bereits bestehende Hofanlage aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Kombiniert wird das Fachwerk der Fassade im Innenhof mit einer modernen Gartengestaltung, die das Ehepaar Ulla Schmitz-Kühl und Ludwig Schmitz selbst vornimmt. „Meine Frau hat die Ideen und ich führe sie aus“, erklärte der gelernte Landwirt. Eine „sichere Arbeitsstelle“ sei das ehemalige Handelshaus, das sie 1971 übernommen haben.

Die Baudenkmäler seien auf solch engagierte Eigentümer angewiesen, erklärte Paul Zündorf. „Was nützen die schönsten Baudenkmäler, wenn man sie nicht benutzen kann?“ Ohne die Nachnutzung als Wohn- oder gewerblich genutztes Gebäude könnten sie kaum existieren. Dabei könne gerade die Verbindung von altem baulichen Bestand und moderner Wohnnutzung besonders beeindruckend sein.

Gemeinsam mit Corinna Relles übergab der technische Beigeordnete der Stadt vier Denkmalplaketten des Landes Nordrhein-Westfalen mit je einer kurzen Beschreibung des Denkmals. Neben der Hofanlage in der Horchheimer Straße, der Villa in der Geierstraße und dem Nonnenhof in Dom-Esch erhielt auch die mittelalterliche Wasserburg in Schweinheim eine Denkmalplakette.

Preußische Kappendecken

Die Burgherren, das Ehepaar Freiherr Philipp von Loë, waren zum ersten Mal beim Tag des offenen Denkmals dabei. Der Freiherr führte die Besucher durch den Innenhof und die Stallungen, in denen neben der Kleeburg die einzigen preußischen Kappendecken, die Vorreiter der Stahlbetondecken, erhalten sind.

Zu den acht Denkmälern gehörten noch das ehemalige Casino, der Kahlenturm und der Historische Friedhof an der Frauenberger Straße in Euskirchen, der Nonnenhof in Dom-Esch und die Römische Wasserleitung in Kreuzweingarten. An allen Standorten freute man sich über eine große Resonanz.