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Investitionsstau Mängelliste bei Feuerwehr in Weilerswist ist lang – Politik schlägt Alarm

Die Weilerswister Feuerwehr bei einem Einsatz am Deutschen Platz in Weilerswist.

Die Weilerswister Feuerwehr arbeitet nach Ansicht der Politik unter teils miserablen Bedingungen.

Geräte mit abgelaufenen Siegeln, Verzögerung beim Neubau der Feuerwehrwache. Bei der Weilerswister Feuerwehr liegt einiges im Argen.

Geräte mit abgelaufenen Siegeln, kontaminierte Einsatzkleidung, die in privaten Waschmaschinen gereinigt wird, ein Brandschutzbedarfsplan, der nächstes Jahr fortgeschrieben werden muss und bei Weitem nicht abgearbeitet ist.

Nach Informationen dieser Zeitung ist die Mängelliste noch viel länger, teilweise werde der gesetzliche Mindeststandard unterschritten, heißt es aus Reihen der Feuerwehr. Einige ihrer Mitglieder haben deshalb das Gespräch mit den Fraktionen gesucht. Die Politiker haben nicht nur intensiv mit den Einsatzkräften diskutiert, sondern sich teilweise selbst ein Bild gemacht – beispielsweise im Gerätehaus in Weilerswist.

Treppenhaus in der Feuerwache in Weilerswist ein Gefahrenpunkt

„Ich bin fassungslos, ich bin sprachlos“, sagt Myriam Kemp, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Zustände in der Weilerswister Feuerwehr seien teilweise desaströs, teilweise gefährlich.

Ein Grund: Im Gebäude der Feuerwehr neben dem Rathaus befinden sich auch private Wohnungen. Das Treppenhaus ist Kemp zufolge teilweise mit Deko-Artikeln vollgestellt. Ein Umstand, der im Ernstfall ein Risiko für die Einsatzkräfte darstellen könnte, so Kemp.

Ich bin fassungslos, ich bin sprachlos.
Myriam Kemp, Grüne Weilerswist

Auch die SPD sieht eine Diskrepanz in den unterschiedlichen Wahrnehmungen. „Hier ist Aufklärung unsere Motivation für den Antrag im Rat“. sagt SPD-Ratsmitglied Daniel Rudan. Die Begriffe „dramatisch“ oder „sprachlos" verwende die SPD-Fraktion aktuell nicht. „Zum einen schürt eine solch emotionale und unbedachte Wortwahl Ängste in der Bevölkerung, die weder angebracht noch zielführend sind, zum anderen müssen wir zunächst die angeforderten Unterlagen von Seiten der Gemeindeverwaltung sichten, um uns anschließend ein Urteil erlauben zu können“, so Rudan. Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass die Feuerwehr „die beste persönliche Schutzausrüstung und zeitgemäße Ausstattung vorfinden kann.“

Vor allem die Diskrepanz zwischen dem, was sie mit eigenen Augen gesehenen habe und der Darstellung der Verwaltung, dass man in allen Belangen eng mit der Wehrleitung zusammenarbeite, mache sie sprachlos.

Auch Jürgen Schneider, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Weilerswist Kann Mehr, macht sich Sorgen. „Man hat das Gefühl, dass die Verwaltung am falschen Ende spart“, so Schneider. Viele nötigen Investitionen seien in den vergangenen Jahren nicht getätigt worden. Der Investitionsstau bei der Weilerswister Feuerwehr sei enorm.

Mehr als 18 Millionen Euro sollen in die Weilerswister Feuerwehr investiert werden

Marcus Derichs, Erster Beigeordneter der Gemeinde, hält dagegen: Im Haushaltsplan 2021/22 habe man 2,8 Millionen Euro für die Feuerwehr eingeplant gehabt, in den kommenden drei Jahren seien für Fahrzeuge und Ausstattung insgesamt weitere 2,7 Millionen Euro veranschlagt.

Hinzu kommen laut Derichs 16 Millionen Euro für die neue Feuerwache. Die sollte allerdings in Teilen bereits in diesem Jahr fertigwerden. Aktuell läuft aber immer noch die Planung. „Corona, Flut, Wiederaufbau, Suche nach einem geeigneten Grundstück und diverse andere Baustellen haben das Projekt verzögert“, so Derichs.

Beigeordneter der Gemeinde weist Vorwürfe und Kritik von sich

Zu den Fahrzeugen sagt er klar: „Alle Fahrzeuge haben TÜV.“ Lediglich ein Gerätewagen werde aus dem Verkehr gezogen, der spiele bei Einsätzen aber schon keine Rolle mehr. Zudem seien weitere Punkte des Brandschutzbedarfsplans abgearbeitet worden.

So verfügt dem Beigeordneten zufolge jede Löschgruppe über eine Wärmebildkamera. Es gebe aber natürlich noch etwas zu tun. Unter anderem sei die Flut ein Grund. Aber auch das Haushaltssicherungskonzept, in dem sich die Gemeinde nach wie vor befindet, spiele eine Rolle. „Wir hätten natürlich gerne eher ein neues Fahrzeug bestellt, als das alte kostspielig reparieren zu lassen“, so Derichs.

Weilerswister Wehr soll digitale Feuerwehrverwaltung erhalten

Durch die Flut, aber auch durch das denkbare Szenario einer Energiemangellage, habe man auch die Möglichkeit gehabt, nachzubessern, die Notwendigkeiten neu zu priorisieren, sagt der Beigeordnete. Kurzfristig angedacht sei, so Derichs, dass eine digitale Feuerwehrverwaltung installiert wird. Darin sollen die Löschgruppenführer die Ist-Situation erfassen, aber auch auf kurzem Dienstweg benötigte Materialien bestellen können. So soll der hauptamtliche Gerätewart der Weilerswister Feuerwehr entlastet werden.

„Der Mann arbeitet sich wund. Er lebt die Feuerwehr“, sagt Derichs. Allerdings gibt es auch Kritik seitens der Politik. Nicht am Gerätewart selbst, sondern vielmehr daran, „dass der Mann seitens der Verwaltung für zahlreiche andere Aufgaben eingesetzt wird und sich deshalb nicht mehr um seine eigentlichen Aufgaben kümmern kann“.

Bei der Feuerwehr gibt es Nachholbedarf

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt der Gerätewart: „Es gibt das eine oder andere, was nicht so geprüft ist, wie es sein müsste. Aber wenn etwas defekt ist, kommt es zu mir und dann kümmere ich mich darum.“ Es gebe aber natürlich Nachholbedarf.

Laut Derichs liege ein unterschriftsreifer Vertrag mit einem externen Dienstleister vor, der ein wenig Druck vom Kessel nehmen würde. Kontaminierte Einsatzkleidung schicke der Materialwart nach einem Einsatz übrigens gesammelt zu einer Reinigungsfirma und gebe sie dann wieder an die Einsatzkräfte aus, so Derichs.

Weilerswister Feuerwehr hat ein Boot nach der Flut erhalten, aber keine Lehrgänge

Und dann ist da noch ein Hartschalenboot, das die Verwaltung nach der Flut angeschafft hat. Das Problem: Es gibt kaum jemanden in der Weilerswister Feuerwehr, der es steuern kann – zumindest nicht in einer Strömung oder in anderen gefährlichen Situationen.

„Es gibt ein paar Kollegen, die einen Bootsschein haben. Aber es ist etwas anderes, ob ich auf dem Zülpicher See schippere oder mich in einer Strömung in Gefahr begebe“, sagt ein Weilerswister Feuerwehrmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Entsprechend hoffe man in den Reihen der Wehr, dass die Verwaltung nun – eineinhalb Jahren nach der Flut – entsprechende Fort- und Ausbildungen ermögliche.

Ob die Ist-Situation bei der Weilerswister Wehr ein Schwelbrand oder ein offenes Feuer ist, dürfte sich am Donnerstag in der Ratssitzung zeigen. Dort soll Wehrleiter Jürgen Schmitz auf Wunsch einiger Parteien genau darüber berichten.

Und laut Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst (parteilos) ist nicht vorgesehen, die Aussprache in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zu schieben – was angesichts des hohen öffentlichen Interesses auch nicht angebracht wäre. Im Vorfeld der Ratssitzung will sich Schmitz nicht zur Situation der Feuerwehr äußern. „Das gebietet einfach der Respekt“, so Schmitz im Gespräch mit dieser Zeitung.


In der Ratssitzung am Donnerstag (18 Uhr, Forum Gesamtschule) geht es nicht nur um die Ausstattung der Weilerswister Feuerwehr. Auch der Katastrophenschutz steht auf dem Plan.

So sollen alle Feuerwehrgerätehäuser in der Gemeinde mit Notstromaggregaten ausgestattet werden. So wäre gewährleistet, dass die Gebäude, wenn es darauf ankommt, als Notfallmeldestellen für die Bevölkerung fungieren können.

Auch eine entsprechende Modernisierung der Kommunikations- und IT-Ausstattung für die Koordinierungsstelle der Gemeinde-Wehr ist nach Angaben der Verwaltung in Arbeit. „Die Notfallmeldestellen werden mit Funkgeräten ausgestattet, die in den Bestand der Feuerwehr mit aufgenommen werden und dort eingesetzt werden“, sagt Marcus Derichs, Erster Beigeordneter der Gemeinde Weilerswist.

Polizisten und Feuerwehrleute an einer Einsatzstelle in Weilerswist nach einem Brand.

Die Feuerwehr Weilerswist soll in Bereichen nur unzureichend ausgestattet sein. 

Eine Bevorratung von Treibstoff in Gemeinde- und Feuerwehreinrichtungen sei nicht vorgesehen. Dafür soll es einen Lebensmittelvorrat zur Versorgung der Einsatzkräfte geben, wenn diese eine Notfallmeldestelle einrichten müssen.

Zudem fordern mehrere Parteien von der Verwaltung, dass diese dem Rat unter anderem ungekürzte Jahresberichte der Feuerwehr der vergangenen drei Jahre vorlegt. Auch eine Übersicht der getätigten Ausgaben im Feuerwehrbereich ist gewünscht, ebenso Protokolle der Gerätewartungen des vergangenen Jahres.