Abo

WindkraftWegen Artenschutz und Mindestabständen kritische Grenze erreicht

Lesezeit 4 Minuten
Windraeder_im_Raps_1

Über die Auswirkungen von Windrädern auf das Landschaftsbild  wird heftig diskutiert. Je nach Blickwinkel können die Windräder im Rapsfeld sogar recht ästhetisch wirken.

Kreis Euskirchen – Für Frank Fritze, Abteilungsleiter im Bereich Umwelt und Planung des Kreises Euskirchen, ist die Sache klar: „Das kann alles nicht so funktionieren, wie das Land sich das vorgestellt hat.“ 101 Windräder mit einer Gesamtleistung von 183 Megawatt (MW) sind mittlerweile im Kreis   installiert.

Doch nun ist eine kritische Grenze erreicht:   „Wir haben keinen einzigen Standort, der noch unproblematisch ist“, sagt Fritze zu den Planungen für weitere Windräder.

Während in der Städteregion Aachen noch  dieses Jahr  und im nächsten Jahr je  26 neue Anlagen gebaut werden sollen, sieht  man im Kreis Euskirchen das Limit erreicht. In der Gemeinde Dahlem sollen  dieses Jahr bei Berk zehn neue Windräder aufgestellt werden,    in Reetz in der Gemeinde Blankenheim könnten weitere neue Anlagen entstehen.

Rotmilan und Schwarzstorch

Doch die Potenzialanalyse des Landes sieht für den Kreis Euskirchen eine installierbare Leistung von   1944 Megawatt vor. Angesichts der derzeit lediglich vorhandenen 183 MW habe man immer wieder interveniert, dass die Planungen nicht realistisch sei, sagt Fritze.

Dennoch habe das Land bislang keine andere Zielplanung veröffentlicht. Und die Potenzialanalyse sei in die Formulierungen des Landesentwicklungsplans mit eingeflossen.   Die großen „Verhinderer“ im Kreis Euskirchen seien immer der Rotmilan und der Schwarzstorch. In Blankenheim gibt es laut Fritze sogar ein   besonderes Schwarzstorch-Vorkommen.

In der Zülpicher Börde ist es die Grau-Ammer, in Dom-Esch der Uhu, der die Planungen  zunichte macht. „Die Investoren sind bereit, aber die Standorte funktionieren nicht“,  erläutert Fritze.  Die Unternehmen stünden  in den Startlöchern und versprächen den Kommunen vieles. So winken Pachteinnahmen von 50.000 bis 70.000 Euro jährlich für ein einziges Windrad.

Die Dahlemer können mit diesem Geld ihren Haushalt erheblich verbessern. Sechs  neue Anlagen habe der Kreis bereits genehmigt, für vier weitere Anlagen läuft das Verfahren derzeit noch.

Es handelt sich um einen Windpark auf gemeindeeigenen Flächen bei Berk. Kämmerer Helmut Etten habe bereits  560.000 Euro in seinem Haushalt an jährlichen Einnahmen berücksichtigt. Und fünf weitere Windräder seien dort noch geplant. Doch das ist die Ausnahme im Kreis.

In Rheinland-Pfalz haben die Windkraft-Investoren leichteres Spiel als in NRW.  Fritze: „Dort  können sie so etwas an jeden Baum hinstellen.“ Man gehe etwas leichtfertiger mit dem Thema Artenschutz um. 

Er persönlich ist, was das Thema Energieerzeugung angeht, der Meinung: „Alles außer Tihange ist gut, doch die Verspargelung der Landschaft ist schon weit fortgeschritten.“

Anlagen im Kreis Euskirchen

„Die Eifel ist mittlerweile überversorgt mit Energie“, konstatiert Frank Fritze, Abteilungsleiter im Bereich Umwelt und Planung der Kreisverwaltung Euskirchen.  Derzeit stehen 101 Windräder mit einer Leistung von  insgesamt 183 MW im Kreis Euskirchen. Doch die Planungen der Landesregierung sehen für den Kreis  eine Gesamtleistung von 1944 MW vor, also etwa das Zehnfache, vor. Die immer noch gültigen Planzahlen für die einzelnen Kommunen muten  unrealistisch an.

Für Blankenheim etwa  plante das Land eine installierte Leistung von 153 MW, derzeit gibt es dort lediglich einige Altanlagen. In Dahlem sollten 135 MW erreicht werden. Einige ältere Anlagen gibt es, zehn neue 200-Meter-Windräder werden    dieses Jahr  errichtet.

Laut NRW-Planung soll Euskirchen 264 MW Strom produzieren, rechts und links der Autobahn stehen derzeit lediglich 14 Windräder. Hellenthal soll laut Planung 435 MW produzieren, derzeit stehen in Oberreifferscheid lediglich neun Windräder. Weitere Projekte werden von der Politik derzeit abgelehnt.

In Kall sollen lediglich 45 MW produziert werden. Die Windräder im Golbacher Gebiet Honderberg haben in der Vergangenheit für erhebliche Proteste der sich gestört fühlenden Bevölkerung gesorgt.

In Mechernich sollen 171 MW erzeugt werden, genehmigungsreif sind derzeit drei Anlagen für das Repowering im Bereich Ravelsberg.

In Nettersheim sollen 105 MW installiert werden, dort gibt es in Engelgau mehrere  moderne  Anlagen. In Schleiden sollten 102 MW erzeugt werden, die Stadt hat tatsächlich schon mächtige Windkraftkapazitäten mit Schöneseiffen (19 Windräder) und Patersweiher (sechs) realisiert.

In Weilerswist sollen laut Land 129 MW erzeugt werden, realisiert ist hier jedoch noch nichts. In Zülpich sind 201 MW geplant, dort stehen derzeit sechs Windräder.

KStA abonnieren