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EigeninitiativeBauern sanieren Feldwege selbst

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Dank der Eigeninitiative der Landwirte Zülpichs und der Kooperation mit der Stadt sind fast alle Wirtschaftswege so gut in Schuss wie dieser bei Nemmenich. Gerd-Volker Berning ist stolz darauf.

Zülpich – Landwirte können nur über Wirtschaftswege ihre Ernte von den Feldern zu den Abnehmern bringen. Doch der Zustand dieser Pisten ist oft erbärmlich. In den meisten Fällen handelt es sich um städtische Straßen. Die Kommunen sind aber finanziell kaum noch in der Lage, die Wege in Schuss zu halten. Das Problem scheint für die Bauern mittlerweile immer bedrohlichere Formen anzunehmen. Bei einer Fachtagung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stand kürzlich nicht von ungefähr ausschließlich die Wegeunterhaltung auf der Tagesordnung.

Dass ausgerechnet ein Landwirt aus dem Zülpicher Stadtgebiet darum gebeten worden war, in der Nähe von Soest über diese Problematik zu referieren, hatte einen Grund: Gerd-Volker Berning betreibt ein landwirtschaftliches Anwesen in Lüssem und war als Ortslandwirt Sprecher von rund 100 Kollegen aus Zülpich, bis der heute 70-Jährige das Amt vor einem Jahr abgab. Aber vor allem: Berning zählte zu jenen Initiatoren, die die Römerstadt in Sachen Wegeunterhaltung zu einem Vorreiter machten.

Die Stadtkasse Zülpichs war und ist chronisch klamm. Aus dem Topf der Flurbereinigung in den 1970er und -80er Jahren, der von allen Grundstückseignern gefüllt wurde, ist noch Geld da, aus dessen Zinserträgen 9500 Euro per anno in die Ausbesserung von Wirtschaftswegen fließen. Im städtischen Haushalt stehen dafür weitere 5000 Euro zur Verfügung. Bei einem Feldwegenetz auf römerstädtischem Terrain von rund 500 Kilometern Länge ist mit den 14 500 Euro aber herzlich wenig zu bewerkstelligen. Berning: „Als zehn Jahre nach der Flurbereinigung die Wege so langsam kaputt gingen, haben wir Landwirte uns zusammengesetzt.“

Weitere städtische Mittel waren nicht lockerzumachen , also musste eine andere Lösung her. Berning: „Wir brauchen die Wege schließlich.“

25 Prozent der Ernte auf den Äckern Zülpichs besteht aus Rüben, die mit Lastwagen mit einem Gewicht von bis zu 40 Tonnen zur Zuckerfabrik nach Euskirchen transportiert werden. Da braucht es schon feste Wege. Geld für Fremdfirmen, die die komplette Instandsetzung der Wirtschaftswege übernehmen, wollten die Bauern nicht zur Verfügung stellen: „Schließlich bezahlen wir ja schon die ausschließlich auf landwirtschaftliche Flächen erhobene Grundsteuer A, die früher zweckbestimmt für die Wegesanierung eingesetzt werden musste.“ Jetzt würden mit dem Geld andere Haushaltslöcher gestopft.

Die Landwirte kamen auf eine Idee, um ihre Bankkonten nicht zusätzlich zu belasten: Sie erledigen die Reparaturmaßnahmen in Eigenregie. Etwa die Hälfte der Wege sind geteert. Nur hierfür wird eine Fremdfirma engagiert, die die unbefestigten Seitenstreifen in Ordnung bringt. Die Fremdfirma ist mit den erwähnten Mitteln aus dem Topf der Stadt zu finanzieren. Auf den wassergebundenen Wegen treten die Landwirte selbst in Aktion. Einmal pro Jahr treffen sie sich mit Mitarbeitern des Tiefbauamts, um die Wege aufzulisten, die am nötigsten einer Sanierung bedürfen. Der Bauhof stellt das Material zur Verfügung und ist auch mit Baggern dabei behilflich, an den drei Lagern in Nemmenich, Bürvenich und bei Mülheim-Wichterich das Material auf die Anhänger der Landwirte zu verladen.

Mit einem gemeinsam von den Bauern angeschafften Gerät, das reihum vor die Trecker der örtlichen Landwirte gespannt wird, wird das Füllmaterial in die Schlaglöcher geschoben und anschließend verfestigt. Berning. „Die Lastwagen, die drüber fahren, pressen das Material noch fester auf den Weg.“ Die so reparierte Straße halte jahrelang.

Alle ziehen an einem Strang

Bis auf einige auswärtige Bauern, die in Zülpich Land gepachtet haben, ziehen laut Berning alle Landwirte hier an einem Strang. Für sie und die Stadt ist die Kooperation das, was man auf Neudeutsch eine „Win-Win-Situation“ nennt. Kämmerer Ottmar Voigt findet, dass die Stadt „ausgesprochen preiswert davonkommt“. Und Berning zog ein Fazit, das Landwirte aus anderen Kommunen vermutlich vor Neid erblassen lässt: „Auf Zülpicher Stadtgebiet gibt es keinen einzigen Wirtschaftsweg, der so marode ist, dass er nicht mehr befahren werden kann.“

Die Nachahmer seien aber noch relativ rar gesät: „Ich habe davon gehört, dass man in Euskirchen mittlerweile damit angefangen hat.“