Falkner Hajo Lehser aus ZülpichSeine ganze Liebe gehört verletzten Greifvögeln

Mit Prellungen an Schwinge und Rückgrat, verursacht durch eine Auto-Kollision, kam dieser Bussard zu Hajo Lehser.
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Zülpich – „Meine größte Lebensfreude ist es, die verletzten Vögel gesund zu pflegen und sie wieder in die Freiheit zu entlassen“, sagt Großfalkenmeister Hajo Lehser, der seit Jahrzehnten verletzte Greifvögel in seiner Auffangstation behandelt. Doch Lehser pflegt die Tiere nicht nur. Seit 1966 beschreibt er in seinen Hegebüchern jeden einzelnen Patienten. Er hält jedes Detail fest: Wo der Vogel gefunden wurde, was ihm zugestoßen ist, die Art der Verletzung, die Behandlungsmethode sowie den Tag seiner Freilassung.Aufzeichnungen in Kladden
„Anfangs habe ich meine Aufzeichnungen in Kladden niedergeschrieben. Seit ein paar Jahren habe ich sie in Bücher übertragen, Zeichnungen veranschaulichen zusätzlich die Verletzungen und Behandlungen“, so der 63-Jährige. 4000 gefiederte Patienten hat Lehser seit 1966 gehegt und gepflegt – und im besten Fall geheilt wieder in die Freiheit entlassen.
Wenn Hajo Lehser darüber berichtet, wie er seinen gesunden gefiederten Patienten die Freiheit wiedergibt, leuchten seine Augen. Mit der Auffangstation hat Lehser seine Lebensaufgabe gefunden. Sein ganz besonderes Wissen über die Behandlung verletzter Greifvögel möchte er mit den detaillierten, handgeschriebenen Aufzeichnungen auch einem größeren Kreis zugänglich machen.
„Ich bin sicher, dass es so etwas auf dem Buchmarkt noch nicht gibt.“ Alle Abbildungen in dem dreibändigen Werk des Großfalkenmeisters sind von Hand gezeichnet. Auch die Blattseiten verziert er grafisch. „Darauf bin ich gekommen, als ich den Film »Im Namen der Rose« gesehen habe. Dort haben die Mönche ihre handschriftlichen Aufzeichnungen auch immer verziert.“
Seit seiner Kindheit haben es die Greifvögel Hajo Lehser ebenso angetan, wie ihn die Arbeit der Falkner faszinierte. So stand sein Berufswunsch früh fest. Seine Ausbildung machte Lehser unter anderem bei Falknermeister Wilhelm Linz in Köln, war 29 Jahre lang Adler- und Falknermeister, reiste unter anderem mit Horst Niesters nach Abu Dhabi. 2007 wurde er Großfalkenmeister.
Doch seine eigentliche berufliche Erfüllung fand Lehser in der Pflege verletzter Greifvögel. So nahm er bereits erste Patienten in seinem Elternhaus in Füssenich auf, bevor er 1974 seine Auffangstation in Zülpich an der Bonner Straße aufbaute. „Das war ein richtiges Paradies“, so Lehser. 2012 musste die Auffangstation einem großen Drogeriemarkt weichen.
„Zum Glück hat Dr. Peter Kramp mir hier auf dem Gelände von Smurfit Kappa Zülpich Papier ein Areal zur Verfügung gestellt.“ Dort sind Lehsers Patienten ebenso untergebracht wie seine Dauergäste: Cora, das Karpaten-Uhuweibchen und Odin, der Wespenbussard. Wie so viele von Lehsers 4000 Patienten hatte auch Odin eine Kollision mit einem Auto. „Der Flügel wurde zwar operiert, aber da sich um den Bruch so eine dicke Kallusmasse gebildet hat, kann er nicht mehr fliegen.“
Eigentlich, so der Großfalkenmeister, müsste Odin eingeschläfert werden. Doch dafür hat der junge Wespenbussard schon viel zu sehr Lehsers Herz erobert. „Ich lasse ihn hier in der Station herumlaufen. Der Vogel hat soviel Lebensfreude, auch wenn er nicht fliegen kann.“

