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Mini-Wehr in ZülpichErste Euskirchener Kinderfeuerwehr nimmt ihre Arbeit auf

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Endlich kann auch der Nachwuchs einmal testen, wie sich das Steuer des Feuerwehr-Autos anfühlt.

Endlich kann auch der Nachwuchs einmal testen, wie sich das Steuer des Feuerwehr-Autos anfühlt.

Zülpich – Es ist ein Projekt, für das alle Feuer und Flamme sind. In Zülpich hat die erste Kinderfeuerwehr des Kreises ihre Arbeit aufgenommen. Die Wehrführung der Römerstadt geht in Sachen Nachwuchsförderung neue Wege.

Die Augen der Kinder sind ziemlich groß. Gleich am ersten Tag dürfen sie sich hinter das Steuer eines echten Feuerwehrautos setzen. Natürlich fährt der Wagen nicht, sondern steht auf dem Hof der Zülpicher Wache, aber das ist Cedric total egal. Er ist jetzt „Feuerwehrmann“.

Förderung schon von Sechs- bis Zehnjährigen

Lag das früheste Eintrittsalter bei der Freiwilligen Feuerwehr der Römerstadt bislang bei zehn Jahren, werden nun schon Sechs- bis Zehnjährige gefördert. Das Interesse ist groß. 14 Mädchen und 16 Jungs leisten in Sachen Kinderfeuerwehr mit ihren 17 Betreuern Pionierarbeit im Kreis Euskirchen. Sie kommen aus acht der 15 Löschgruppen im Stadtgebiet und sind nur eine von etwa 50 Kinderfeuerwehren in Nordrhein-Westfalen.

Einmal im Monat wollen sich die Zülpicher Nachwuchskräfte mit ihren Betreuern treffen und für anderthalb Stunden Feuerwehr spielen. Der Leiter der Kinderfeuerwehr, Thorsten Ley, und sein Team haben sich ein abwechslungsreiches Programm überlegt.

„Der spielerische Aspekt steht dabei immer im Vordergrund. Wenn die Kinder etwas Ausschneiden sollen, dann machen sie das mit einer Papierschere und nicht mit schwerem hydraulischem Gerät“, sagt Ley schmunzelnd. Unterstützung in der Konzipierung des Unterrichts habe er sich unter anderem bei den Kollegen in Nideggen geholt, die bereits eine Kinderwehr haben. Neben Malen, Schneiden und Kleben werden die Mitglieder der Kinderwehr unter anderem einen Streichholzführerschein machen, aber auch in Sachen Erste Hilfe, Fahrzeugkunde oder in Brandschutzerziehung geschult werden.

Pädagogische Betreuung ist gut

Die pädagogische Arbeit dürfte in Zülpich dabei keinesfalls zu kurz kommen, denn das Betreuerteam besteht längst nicht nur aus Feuerwehrmännern oder -frauen. Etwa die Hälfte der Betreuer hat eine Ausbildung zum Erzieher gemacht oder ist studierter Lehrer.

Zum Betreuerstab gehört auch Carmen Halberg. „Ich habe keine Sekunde gezögert, als die Anfrage kam“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Ihre zweijährige Tochter wäre am liebsten mit zur ersten Unterrichtsstunde gekommen. Doch sie sei nun wirklich noch etwas zu jung. Auf den Halberger Nachwuchs passe nun während der monatlichen Feuerwehrausbildung ihr Mann auf. „Er ist auch bei der Feuerwehr. Ich hoffe, dass in den anderthalb Stunden kein Einsatz reinkommt“, berichtet sie, während sie die Arbeitsblätter an die Mitglieder der Kinderfeuerwehr verteilt. Die dürfen nämlich am ersten Tag nicht nur hinterm Steuer eines Fahrzeugs sitzen, sondern sie sollen auch ganz viel malen.

Christian Epkenhans und Rainer Heinen schlüpfen dafür extra in ihre Einsatzkleidung und dienen den Kindern als lebende Mal-Motive. In der warmen Wache kommen die beiden Mini-Feuerwehrleute ordentlich ins Schwitzen unter ihren Helmen. „Das macht total Spaß“, sagt Nachwuchs-Feuerwehrmann Jannik.

Stolz auf die erste Kinderfeuerwehr

Die Idee der Zülpicher Kinderfeuerwehr hatte Juliane Vetter. „Ich freue mich sehr, dass die Idee auf so fruchtbaren Boden gefallen ist“, sagt die Witwe von Manfred Vetter, dem Gründer der Manfred-Vetter-Stiftung. Aus dem Stiftungstopf stammen die 6500 Euro, die die Gründung der Mini-Wehr überhaupt erst möglich gemacht haben.

„Mein Mann war der Feuerwehr schon immer verpflichtet. Er hat auch die Gründung der Jugendfeuerwehr in Zülpich sehr unterstützt“, berichtet Vetter. Sie sei von der Resonanz „total begeistert“. Vor allem die schnelle Umsetzung der Idee sei einfach vorbildlich. Mit dem Plan, eine Kinderfeuerwehr ins Leben zu rufen, rannte sie bei Bürgermeister Ulf Hürtgen und dem Chef der Zülpicher Feuerwehr, Jörg Körtgen, offene Türen ein.

„Natürlich müssen auch wir etwas tun, um Nachwuchs für uns zu gewinnen“, sagt Feuerwehrchef Körtgen: „Wenn wir zehn Prozent der Kinder, die jetzt in der Kinderfeuerwehr sind, später für den aktiven Dienst begeistern können, haben wir alles richtig gemacht.“

Nachwuchskräfte sind bereits komplett ausgestattet

An solchen Zahlenspielen möchte sich der Verwaltungschef nicht beteiligen. Er sei einfach nur stolz, dass die erste Kinderwehr des Kreises in Zülpich ins Leben gerufen worden ist – und das innerhalb von nur drei Monaten.

Zwar dürfen die Nachwuchsfeuerwehrkräfte natürlich noch nicht zum Einsatz ausrücken, eine tolle Ausrüstung haben sie aber schon. Die Kinder sind mit T-Shirt, Sweatshirt, Kappe und Warnweste ausgestattet worden. Dass sie anstatt des Helms zur Zeit noch eine blaue Kappe tragen müssen, stört die Kinder nicht. Sie fühlen sich auch so schon als richtige Feuerwehrleute.

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