Die Jecke nehmen vor allem die vielen Baustellen aufs Korn. Eine emotionale Rückkehr auf den Tollitätenwagen gab für Prinz Tobi I.
RosenmontagszochZülpich ist auch bei Regen raderdoll

Gegen die Tristesse in den einheitlichen Neubaugebieten zogen die Lackaffen als Farbmonster durch Zöllech.
Copyright: Julia Reuß
34 Jahre ist es her, da ist Tobias Esser das erste Mal auf dem Prinzenwagen in Zöllechs Rosenmontagszug mitgefahren. Damals begleitete er seinen Vater Prinz Günter. Nun durfte er selbst ganz oben stehen, mit dabei nun seine eigenen Kinder. „Das ist tatsächlich mein 33. Zug heute“, sagte er nicht ohne Stolz. Schon sein Opa war Prinz im Zöllecher Karneval. „Das ist natürlich eine Riesensache“, freute sich Zugleiter Philipp Dordel über so viel generationenübergreifende jecke Tradition auf dem Prinzenwagen.
Dordel zeigte sich in diesem Jahr trotz der unsicheren Wetterlage entspannter als noch im vergangenen Jahr. Diesmal habe es zum Glück keine kurzfristigen neuen Auflagen gegeben, berichtete er.
So ein Regenschirm kann auch ins Kostüm eingebaut werden
Mit dabei war auch in diesem Jahr wieder Landrat Markus Ramers: „Ich war letztes Jahr hier, es war großartig, da habe ich gedacht: Machste noch mal!“
Das Zöllecher Karneval ansteckend ist und ein bisschen süchtig macht, davon zeugten die vielen vielen Jecken am Straßenrand, die sich unter Regenschirmen und an Heizpilzen warm schunkelten. Wegen ein bisschen Wetter zu Hause bleiben? Blödsinn! So mancher wurde deswegen erst richtig kreativ: Ulrike Reusch und Radegund Hofestadt hatten sich gemeinsam als Qualle und standen unter einem großen Regenschirm mit Tentakeln. Die beiden sind seit 60 Jahren befreundet und gehen schon lange jedes Jahr zum Rosenmontagszug nach Zülpich. Den Regenschirm wollen sie im kommenden Jahr recyceln, die Idee steht schon: Meerjungfrauen. Am trockensten im ganzen Zoch hatte es vermutlich Michael Wedel, der in einem aufgeblasenen Ganzkörper-Capybara-Kostüm steckte. Nur Kamelle sammeln konnte er damit nicht so gut, weshalb er kurzerhand eine Kiste vor sich abgestellt hatte.
1400 Teilnehmer gingen in 105 Gruppen im Zülpicher Zoch mit
Die Zochteilnehmer versuchten, sich mit Regencapes und Schirmen zu schützen, doch das half alles nur bedingt. „Meine Ohren sind weg“, jammerte eine der Spontane Jecken. Diese hatten sich als Kanalratten verkleidet, die wegen der Bauarbeiten in der Innenstadt ein neues Zuhause suchten. Die kunstvoll gebastelten Rattenköpfe litten allerdings unter dem Regen.

Karneval ist, wenn man trotzdem lacht. Die Zochteilnehmer versuchten sich mit Regencapes zu schützen und ihr gute Laune zu behalten.
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Konfetti gegen Regen: Sabrina Reuland tanzte als glitzernde Qualle aus dem Zülpicher See im Zoch mit.
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Die Baustellen in der Stadt hatten sich auch die Zölleche Köpp als Thema ausgesucht. Ihr Motto: „Touris us Zöllech – Mer verwirre us Doheim“. Bei den vielen Umleitungen wisse man selbst als Zülpicher bald gar nicht mehr, wo es lang gehe, erklärte Dominik Sommerfeld. Gegen die Tristesse der Neubaugebiete zog die Gruppe Lackaffen mit Farbe und Pinsel in die Stadt. „Wir sind die Farbmonster, die Farbe und Freude in die Stadt bringen“, sagte Felix Sporrer. Sie wünschten sich mehr Mut zum Gestalten.
Insgesamt waren laut Dordel 1400 Teilnehmende in 105 Gruppen mit im Zoch dabei, der in diesem Jahr wieder durch die Innenstadt ziehen durfte. Als Letzter fuhr Prinz Tobias die Kölnstraße hoch. Schon jetzt ist klar, wer ihn im Amt beerben wird. Nach Zöllecher Tradition sind in der kommenden Session die Hovener Jungkarnevalisten an der Reihe, den Prinzen zu stellen. 2028 feiern dann die Blauen Funken Jubiläum und da muss natürlich auch der Prinz Karneval ein Blauer Funk sein. Aber dann wäre eigentlich der fünfte der Zülpicher Karnevalsvereine an der Reihe: Tolbiacums Töchter. Wird 2029 das Jahr, indem zum ersten Mal eine Prinzessin über die Jecken der Römerstadt regiert? „Wir sind für alles offen“, zeigte sich Marianne Komp diplomatisch.
