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Beirat InklusionEingeschränkte Bewegungsfreiheit wird zur Belastungsprobe

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  1. Der Burscheider Beirat Inklusion wurde neu gewählt und will seine Beraterfunktion verstärkt wahrnehmen
  2. Die Corona-Krise ist für Menschen mit psychischer Behinderung besonders hart. Die Betreuer stoßen mitunter an ihre Grenzen

Burscheid – Zwei Wochen herrschte Funkstille, dann stand das Telefon von Bernadette Klein nicht mehr still. Die Sozialarbeiterin der Koordinierungs, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) im Rheinisch-Bergischen Kreis mit Sitz in der Montanusstraße erinnert sich an den Lockdown im Frühjahr.

Mit der Betreuung allein

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen meldeten sich sowie Angehörige von Schwer- und Mehrfachbehinderten, die auf einmal zu Hause bleiben mussten. Viele Eltern kamen mit der Betreuung nicht alleine zurecht und Pflegedienste standen ad hoc nicht zur Verfügung.

Erhöhter Beratungsbedarf

„Die Anspannung war enorm“ sagt Klein. Sie sei auf viel Hilflosigkeit gestoßen. „Wir wurden mit schweren Entscheidungen konfrontiert“, sagt Bernadette Klein. Sollten Eltern ihr behindertes Kind ein einer Einrichtung belassen, was mit Trennung auf ungewisse Zeit verbunden war. Oder sollten sie die Betreuung komplett übernehmen? Von einigen Trennungen erfuhr Klein.

Jetzt, da die Zahlen wieder ansteigen, machen sich die Mitglieder des Beirats Inklusion, den Klein auch auf Kreisebene vertritt, erneut Gedanken: „Was macht Corona mit uns“, fragte Gabriele Schumacher, welche die Stadtverwaltung im Beirat vertritt.

Beratendes Gremium

Das Gremium setzte sich gestern im Rathaus neu zusammen. Ute Gagaridis, die über viele Jahre erfolgreich die Geschicke leitete, zieht sich zurück, will aber ehrenamtlich begleiten. Die fünf Beiratsmitglieder sind: Bernadette Klein, Susanne Schäfer-Lordt, Leiterin der Tagesstätte „Alpha“ vom Landschaftsverband Rheinland mit Sitz Auf dem Schulberg, Anne Stegert, Fachbereichsleiterin im Vereins „Die Kette“, einem Wohn- und Arbeitsstättenverbund für erwachsene Menschen mit psychischer Behinderung. Ketten-Bewohner Rudi Voigt, ist Mitglied im Beirat und Nicole Töllner aus der Tagesstätte Alpha. Der Beirat ist ein beratendes Gremium und stößt in den Fachausschüssen idealerweise Themen an.

In der Dauerberatung

Die Erfahrungen aus der Corona-Krise sind noch ganz frisch. Viele Probleme traten auf, und der Umgang mit der neuen Situation beschäftigte den Beirat. Susanne Schäfer-Lordt kann von einer Hochkonjunktur im April und Mai berichten. „Wir hatten so viele Aufnahmen wie sonst in einem ganzen Jahr.“ Die Tagesstätte ist eine Form der Eingliederungshilfe. Die Betreuungsleistungen werden im individuell vereinbarten Hilfeplan beantragt. Schäfer-Lordt und ihr Team waren quasi in der Dauerberatung.

Persönliche Freiheit eingeschränkt

Fatal waren für viele Familien die Folgen des Lockdowns, der im Gegensatz zu den Schulen mit einer Woche Verspätung kam. Ausgangsbeschränkung, Aufsicht, gleichzeitig ein erhöhter Beratungsbedarf – für die Mitarbeiter der Einrichtungen und Tagesstätten stellte die Corona-Krise alles auf den Kopf. „Die Einschränkung von persönlichen Freiheit und Bewegung hat Wirkung auf das Klima. Was Corona mit einer Einrichtung macht, ist eine ziemliche Hausnummer“, so Stegert.