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BlitzerMysteriöse Vorgänge am Burscheider Ortseingang

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  1. Auf der Lungstraße (B 51) am Burscheider Ortseingang wird gerne gerast, deshalb steht dort ein Blitzer.
  2. Als ein Leser unserer Zeitung dort geblitzt wird, weigert er sich zu zahlen, da Ortseingangsschild und Starenkasten nur einen Meter auseinander gelegen hätten.
  3. Er schrieb einen Widerspruch.

Burscheid – Wer im Internet in die Suchmaschine B 51 und Lungstraße eingibt, dem sticht bei den Treffern ganz oben eine Kanzlei ins Auge, die auf „Knöllchen“ durch Blitzanlagen spezialisiert ist.

Offenbar ist die Stelle bekannt. Im Oktober 2013 wurde eine beidseitige Blitzeranlage in Lungstraße installiert. Der Kreis hatte sich damals für die Aufstellung entschieden, da die mobile Verkehrskontrolle nicht den gewünschten Effekt hatte.

Unfallschwerpunkt

An der Stelle wird gerne gerast, es ist ein Unfallschwerpunkt – zumal im Kreuzungsbereich nach Blecher. Ein Leser unserer Zeitung war nun vor einigen Wochen an einem Werktag gegen 23.30 Uhr von der Autobahn A1 kommend in Richtung Leverkusen unterwegs und wurde mit 64 Stundenkilometern dort geblitzt. Unmittelbar danach habe er sich die Situation angeschaut, erklärt er gegenüber unserer Zeitung.

Er habe sich gewundert, dass das Ortseingangsschild nur einen knappen Meter von dem Starenkasten entfernt stand. „Ich dachte, dass das eigentlich nicht sein darf, denn wahrscheinlich leuchtet das Gerät den Bereich vor dem Ortseingangsschild ab.“

Dann allerdings hätte er sich außerhalb der Ortschaft richtig verhalten und wäre nicht zu schnell gefahren. Später erhielt er einen Brief der Kreisbehörde aus dem Rübezahlwald in Bergisch Gladbach und wurde aufgefordert, ein Verwarngeld in Höhe von 25 Euro zu zahlen.

Widerspruch eingelegt

Der Behörde habe er einen Brief mit seinem Widerspruch geschrieben und auf den knappen Abstand zwischen Starenkasten und Ortseingangsschild hingewiesen. Als Antwort sei gekommen, dass es keine Verwaltungsvorschrift über einen genauen Abstand zwischen Schild und Starenkasten gebe.

Seinerseits prüfte der Leser die Situation in Lungstraße mehrfach und staunte nicht schlecht. Bei seinen Nachforschungen habe er entdeckt, dass das Ortseingangsschild mittlerweile nicht mehr bei dem Gerät, sondern 40 Meter in Richtung Burscheid stehe.

Verwarngeld nicht bezahlt

„Ich habe eine Anwohnerin gefragt, die dort mit ihrem Hund spazierte. Sie erklärte, dass Anfang April ein neues Ortseingangsschild angebracht worden sei.“ Das Verwarngeld wurde bis heute nicht gezahlt.

Und wahrscheinlich stehe ihm nun ein Termin beim Gericht bevor, erklärt der Leser. Das werde noch von der Staatsanwaltschaft geprüft, nach dem der Kreis nun das Vorverfahren abgeschlossen habe. Alexander Schiele, Sprecher des Rheinisch-Bergischen Kreises, ging dem Vorwurf einer neuen Beschilderung des Ortseingangs nach.

„Unsere Leute von der Geschwindigkeitsüberwachung sagen, dass eine Versetzung des Schildes vollkommen ausgeschlossen ist. So etwas wäre ein handwerklicher Fehler und würde ja letztlich auch eine Verschiebung der Ortsgrenze bedeuten.“ Das Ortseingangsschild stehe 35 Meter vor dem Blitzgerät. Zehn Meter vor dem Starenkasten befinde sich die Induktionsschleife im Boden. „Das ist in der Ortschaft. Womöglich hat er ein anderes Schild gesehen“, sagt Schiele.

Mit Hinweisschildern auf das jeweilig zulässige Tempo sei die B 51 auf Burscheider Stadtgebiet nicht vorschriftsmäßig ausgestattet, sagt der Leser. So gebe es vor Lungstraße noch den Abzweig zum Gut Landscheid. „Die Verkehrsordnung sieht vor, dass nach jeder Abbiegung ein Tempohinweis aufgestellt wird. Das fehlt aber in diesem Bereich.“ Auf Leverkusener Stadtgebiet werde das korrekt gehandhabt.