Brief an BürgermeisterMit dem Wunsch ist es Burscheids Skatern ernst

Mats (15) legt mit seinem BMX-Rad eine virtuose Show hin. Am liebsten würde er das auf einer richtigen Anlage machen.
Copyright: Britta Berg
Burscheid – Die eigene Halfpipe ist der größte Traum. Aber bereits seit einigen Jahren gehen die Burscheider Skater gebetsmühlenartig damit an Politik und Verwaltung und nichts passiert.
Akrobatik zwischen Baum und Brunnen
Nun haben sie den Platz vor der Kreissparkasse für sich entdeckt. Der ist zwar nicht ideal und direkt neben dem fließenden Verkehr auch nicht ganz ungefährlich. Aber die Treppen und der Bodenbelag kommen in der Bewertung der Jugendlichen noch ganz gut weg.
Beton wäre besser
Zwischen Wallace-Brunnen und Weihnachtsbaum machten die Jugendlichen auch jetzt wieder eine Aktion. „Der Boden ist gar nicht schlecht. Aber besser wäre natürlich reiner Beton“, sagte Mats (15), der mit seinem BMX-Rad über den abschüssigen Platz fegt. Und Timo kann ein Lied davon singen, wie umständlich es ist, nach Odenthal zur Skateranlage zu pilgern.
Hinter dem Friedwald sei es noch ein ganzes Stück zu Fuß. Und der Bus fahre einmal die Stunde, an manchen Tagen aber auch seltener. Dass die Burscheider Jugendlichen es in Kauf nehmen, eigens nach Opladen oder Odenthal zu fahren, ist für SPD-Ratsherr Ralph Liebig ein Beweis mehr, dass es ihnen mit einer eigenen Anlage sehr ernst ist.
Im Wahlkampf hatten sie ihn angesprochen und er knüpfte daraufhin mit einer Gruppe über Whatsapp Kontakt, tauschte sich aus. Zwischenzeitlich sah es für ein solches Projekt sehr gut aus. Der Odenthaler Marcus Gebauer, Organisator des Festivals Talfahrt, habe Interesse gezeigt, das Projekt als Sponsor zu unterstützen. Auch andere schlossen sich an. Aber bislang wurde weder ein Platz ausgeguckt, noch gab es aus dem Rathaus grünes Licht. „Da hört man gar nichts“, sagen die Jugendlichen sichtlich enttäuscht. Die Sponsoren sprangen wieder ab.
Brief an den Bürgermeister
Mit ihren Brettern haben sie nun den kleinen Platz vor der Sparkasse erobert. Dort, wo sonst immer die Kaltenherberger Heimatfreunde zur Suppe und Drehorgelmusik einladen, wenn zum Beispiel der seltene Wallace-Brunnen wieder hergerichtet wurde. Laut Liebig gab es bereits vor fünf Jahren einen ausführlichen Brief, in dem die Jugendlichen ihren Wunsch äußerten. Dass sie jetzt die Obere Hauptstraße für sich beanspruchten, sei nicht ideal, aber nachvollziehbar. „Ich sage mal, leben und leben lassen.“
Nagelbretter im Wald
Im Wald, erklärt Timo, da sei ihnen die Lust am BMX-Fahren auch verleidet worden. Denn irgendjemand habe Nagelbretter ausgelegt, um sie zu vergraulen.
Ideal wäre nach Ansicht von Olti, Dimi und Arlind (12) der Platz am ehemaligen Busbahnhof. Aber der ist leider auch schon verplant im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungs- und Handlungskonzepts.

Sozialdemokrat Ralph Liebig hatte bereits Sponsoren für eine Skateranlage an der Hand. Doch nichts passierte.
Copyright: Britta Berg
Handeln, das sollte man in Sachen Skateranlage aber schon jetzt, finden Liebig und die Jugendlichen. „Ist doch besser, wenn wir mit den Brettern unterwegs sind, statt vor der Glotze zu hocken“, ist Arlind überzeugt.
