Prozessbeginn35-Jähriger wegen Überfall auf Burscheider Supermarkt angeklagt

Prozessauftakt in Bonn. (Symbolbild).
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Burscheid – Lars B. (Name geändert) gab sich am 5. Mai zunächst als ein normaler Kunde in einem Lebensmittelgeschäft aus. Die dortige Kassiererin öffnete ihm noch den Tabakschrank und auch Bargeld für die Bezahlung der Ware bekam sie hingelegt. Dann änderte sich für die Mitarbeiterin des Burscheider Marktes der Tag schlagartig: Lars B. zog eine Schusswaffe, offenbar die offene Kasse ausnutzend und zielte damit auf die Mitarbeiterin. „Jetzt geben Sie mir alle Scheine“, befahl der vermeintliche Kunde.So stellt es zumindest die Anklageschrift dar, die gestern im Landgericht Köln verlesen wurde. 2470 Euro soll der Mann erbeutet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm räuberische Erpressung vor.
Lars B. steht nicht das erste Mal vor einem Richter. Wegen Überfällen, Drogendelikten und Körperverletzung saß der Burscheider immer wieder im Gefängnis. Da mehrere Zeugen nicht erschienen sind oder sich verspätetet haben, beschäftigte sich am ersten Verhandlungstag die 17. Große Strafkammer vorwiegend mit den Personalien des Angeklagten. Zum Tatbestand wollte sich der 35-Jährige bisher nicht äußern. Aber schon seine Lebensgeschichte sorgte für Gesprächsbedarf zwischen ihm und dem Richter.
Häusliche Gewalt
Der jung wirkende Mann im grauen Sweatshirt stamme aus einem Umfeld häuslicher Gewalt, sei ins Kinderheim gekommen und habe mit zwölf Jahren angefangen Drogen zu konsumieren. Erste Einbrüche habe er mit einem Mitbewohner drei Jahre später begangen und sei nach Jugendstrafgesetz auf Bewährung freigekommen. Doch Straftaten beging er weiterhin. Raube kamen hinzu und eine zehnmonatige Abhängigkeit von Heroin. Fast acht Jahre Freiheitsentzug wurden ihm auferlegt und Lars B. begab sich in Therapie. „Ich war jung und dumm“, sagt Lars B. heute. Für seine Biographie und aktuelle Lage zeigte er sich bemerkenswert reflektiert. Doch erneut sitzt er auf der Anklagebank eines Gerichtssaals.Dabei schien der heutige Burscheider sein Leben zwischendurch in den Griff bekommen zu haben. Den Schulabschluss und eine Ausbildung holte er in der Jugendstrafanstalt nach, machte eine Umschulung zum Fachinformatiker und lehrte sogar als Dozent an der Volkshochschule. Auch Vater ist er geworden. Doch der Druck sei zu hoch gewesen.
Nach eigener Aussage habe er die aus der Therapie bekannten Warnzeichen missachtet und sich von einem Arzt Schlafmittel für die Nacht verschreiben lassen. Später seien Aufputschmedikamente für den Morgen dazu gekommen. Eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und die erneute Verurteilung folgten. Bei diesem Rückfall blieb es nicht, wie die Burscheider Kassiererin sicherlich nicht so schnell vergessen wird.Mit räuberischer Erpressung wurde Lars B. also im Mai 2020 erneut straffällig. Die Frau in Burscheid habe unter Gefahr von Leib und Leben gestanden, wie die Staatsanwaltschaft es ausdrückt. Und erneut entscheidet ein Richter über die Zukunft von Lars B. Die Beweisaufnahme mithilfe von Zeugen soll an insgesamt drei Verhandlungstagen bis zum 30. August fortgesetzt werden. Dann wird das Urteil fallen.
