Burscheider vor dem LandgerichtMit jeder Zeugin werden neue Missbräuche bekannt

Der Eingang zum Gebäude des Land- und Amtsgerichtes.
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Burscheid/Köln – Am Montagmorgen berichtete eine weitere Ex-Partnerin des angeklagten Burscheiders, der sich wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Köln verantworten muss, von einer gewaltvollen Beziehung mit ihm. Sie ist eine von vielen Frauen, die im Prozess gegen den 56-Jährigen im Zeugenstand aussagen.
2007 soll er die nun 37-Jährige kennengelernt haben. „Nett, zuvorkommend, hilfsbereit“ habe er sich gegeben. Weil er damals selbst seine Wohnung verloren hatte, sei er schnell bei ihr eingezogen. Er habe von Hartz IV und Schwarzarbeit gelebt.
„Große Nummer" als Dealer
Der Angeklagte scheint zudem eine „große Nummer“ in der Burscheider Dealer-Szene gewesen zu sein. Mehrere Läufer verkauften Marihuana für ihn, ein Junge sei von ihm auch mit einem Schlagstock verprügelt worden. Wegen Delikten im Zusammenhang mit Marihuana ist er jüngst bestraft worden.
Doch nach einem halben Jahr wandelte sich auch diese Beziehung: Das Muster ist bereits von den anderen Zeuginnen bekannt. „Unterdrückung, Erniedrigung, Schläge“ hätten fortan auf der Tagesordnung gestanden, sagte die Zeugin aus. Die Verletzungen seien für andere nicht sichtbar gewesen, darauf habe der Angeklagte geachtet. Trotzdem griffen aufmerksame Freunde der Frau ein und holten sie nach zwei Jahren „in einer Nacht und Nebelaktion“ aus der Beziehung und aus der Wohnung, die eigentlich ihre gewesen war.
Frauen fürchteten sich vor ihm
Ihrer Flucht gingen viele traumatische Erfahrungen voraus: Eine ungewollte Schwangerschaft, die sie abbrach, Vergewaltigungen und Morddrohungen. Erneut schwanger, im vierten Monat, floh sie vor dem Angeklagten. Er habe deutlich gemacht, weder ihr Leben noch das seines ungeborenen Kindes verschonen zu wollen. Jede Mutter seiner nun vermutlich vier Kinder ist mit ihnen früher oder später vor dem Angeklagten geflohen – misshandelt und unter Angst stehend.
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Im langen Prozess gegen den Burscheider, der bereits Zeit im Gefängnis verbracht hat und sich nun wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Untersuchungshaft befindet, sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt.
Einschlägig wegen sexuellen Missbrauchs ist er noch nicht verurteilt worden. Bisher sind gegen ihn kaum zählbare weitere Anschuldigungen des Missbrauchs von meist deutlich jüngeren Frauen gemacht worden. Mit beinahe jeder Zeugenaussage kommen weitere Übergriffe ans Licht.



