Kommentar zur TerrassierungÄrgernis für die Umwelt?

Altreifen terrassieren das Nachbargrundstück der Schmucks. Bei Hitze fange es an zu riechen, klagen die Gastwirte.
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Burscheid – Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und es gibt sogar Architekturbüros, die die Gestaltung eines Spielplatzes mit Autoreifen für gelungen halten. Ein Schuppen mit Teerpappe kann im Sommer auch penetrant riechen, und dass die Behörden in Burscheid und Bergisch Gladbach nicht gleich mit Gummiparagrafen- und Knüppeln kommen, weil sich ein Nachbar über Autoreifen im Garten des anderen Nachbarn aufregt, ist grundsätzlich ein Zeichen für große Gelassenheit, mit der man solche Streitigkeiten nimmt.
Eine Frage der Verhältnismäßigkeit
Aber die Frage der Verhältnismäßigkeit lässt doch stutzen. Was ist, wenn der Reifenfriedhof in Sträßchen einmal in Brand geraten sollte? Schätzungsweise 600 Reifen dürften tüchtig Zunder geben. Gegen einen Altreifen, der zur Blumenampel umgerüstet wurde, ist sicherlich nichts zu sagen, aber so viel Gummi auf einem einzelnen Grundstück? Das sollte nicht zur Regel werden.
Im niedersächsischen Anderlingen im Kreis Rotenburg ist ein Landwirt aufgeflogen, als er über 1000 Altreifen auf seinem Acker vergraben wollte, um damit die Entsorgungsgebühr von zwei Euro das Stück zu sparen. Ein Fachmagazin für die Automobilwirtschaft griff den Fall auf und wies darauf hin, dass es sich um einen Umweltfrevel handle. Die illegale Entsorgung von Altreifen werde in der Schweiz bestraft. Die Reifen in Sträßchen sind noch sichtbar und nicht ganz im Burscheider Boden vergraben. Aber sind sie für die Umwelt deswegen kein Ärgernis?
