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KulturBurscheider Musikschule gerät in finanzielle Bedrängnis

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  1. Die Burscheider Musikschule hat finanzielle Probleme.
  2. Die Mitgliedbeiträge werden vom Vorstand angehoben.

Burscheid – Sie spielen beim Umweltfest, bei der Burscheider Neubürgerbegrüßung, untermalen den Martinszug musikalisch und laden Flüchtlinge zum gemeinsamen Trommeln in das Haus der Kunst. Der Veranstaltungskalender der Burscheider Musikschüler ist mit fast 20 Veranstaltungen im Jahr dicht besetzt.

Es werden immer mehr Termine im öffentlichen Leben der Stadt, die einzelne Schüler und Ensembles wahrnehmen. Das Lob ist groß. Doch spielt die Musik unter einem schwierigen Vorzeichen.

Stiegendes Defizit

„Die Wolken am Finanzhimmel sind düsterer geworden“, resümierte der Vorsitzende des Vereins Musikschule Burscheid, Michael Baggeler, bei der Mitgliederversammlung am Montag im Haus der Kunst. 2015 lag das Defizit bei 14.000 Euro. Für das Jahr 2016 prognostiziert Schatzmeister Dirk Stein 18.700 Euro. Der Verein geht an die Rücklagen. Und sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, so Baggeler, gebe es in wenigen Jahren nur noch die Alternative einer klassischen Privatschule mit überschaubarem Angebot – „ohne Gesang, nur für einen kleinen Kreis, der es sich leisten kann.“ Für die Musikstadt Burscheid sei das ein Armutszeugnis. Denn viele engagierte Schüler kämen teilweise aus sozial schwachen Familien.

Im Herbst startete der Vorstand eine Offensive, informierte die Politik, dass der Zustand mittlerweile so bedrohlich ist, dass man um den Fortbestand der Musikschule bangt. 1988 stellte die Kommune die freiwilligen Leistungen ein. Da Burscheid im landesweiten Stärkungspakt mitmacht, ist auch derzeit kein Geld da.

Geld aus Komune muss fließen

Doch Baggeler und seine Mitstreiter blieben beharrlich, sprachen in den Fraktionen einzeln vor und nun ist der Vorsitzende „vorsichtig optimistisch“, dass sich im Haushalt der Stadt doch ein Zuschuss locker machen lässt. Sollte das nicht geschehen, kommt die Musikschule auch andernorts in Bedrängnis. Denn auch die Bezirksregierung schaut schon kritisch auf Burscheid: Die örtliche Musikschule ist Mitglied im Verband deutscher Musikschulen (VdM) und erhält daher jährlich knapp 7000 Euro Landeszuschüsse. Geknüpft ist das aber an die Bedingung, dass es auch seitens der Kommune Geld gibt. Fließt es nicht, ist ebenso die Förderfähigkeit auf Landesebene in Frage gestellt.

Von der Gemeinde Odenthal, in der die Musikschule auch unterrichtet, gibt es regelmäßig Geld. Burscheid indes bekommt von der Musikschule sogar Geld. Nach 17 Uhr ist ein Energiekostenzuschuss fällig, der sich im Jahr auf 2700 Euro summiert. Thomas Kinzel, der musikalische Leiter, schätzt, dass das im Zuge von G8 an den Schulen noch zunehmen wird, da immer mehr in den Abendstunden unterrichtet wird. Die Luchtenberg-Stiftung erhält jährlich 5000 Euro Miete. 40 Dozenten unterrichten in Burscheid 630 Schüler – damit liegt der Wirkungsgrad bei 3,4 Prozent, bundesweit liegt der Schnitt bei 1,6 Prozent. Immer ist mit Abwanderung zu rechnen, da die Dozenten andernorts besser bezahlt werden. Oft wechseln die Schüler gleich mit. „Das tut der Musikschule essenziell nicht gut“, sagte Baggeler.

Gebühren werden angehoben

Der Vorstand der Burscheider Musikschule hat beschlossen, die Unterrichtsgebühren leicht anzuheben. „Mit Augenmaß“, wie der Vorsitzende des Trägervereins, Michael Baggeler, betonte. Auch die Dozentenhonorare sollen angepasst werden.

Die Mitglieder beschlossen bei der Jahreshauptversammlung eine Satzungsänderung: Der Austritt aus dem Verein der Musikschule soll mit einer Frist von einem Monat zum 30. April und zum 31. Oktober möglich sein. Ein Sonderkündigungsrecht gibt es beim Dozentenwechsel.

Einstimmig wurde der Burscheider Gitarrenlehrer Tobias Schaaf zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Er tritt die Nachfolge von Katharina Ortlinghaus an, die mittlerweile in Velbert unterrichtet.