PreisverleihungUnternehmer mit viel Energie, Mut und Hingabe

Maryo Fietz (63) erhielt den Unternehmerpreis der RBW.
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Burscheid – Mitte der 70er Jahre schaufelte er Kies in das Fundament des ersten Firmensitzes in Hilgen-Heide, arbeitete auch an den Wochenenden und außerdem studierte er noch BWL in Köln.
Spezialisiert auf Kunststofftechnik
Maryo Fietz legte gemeinsam mit den Eltern den Grundstein für den Familienbetrieb, der sich auf die Kunststofftechnik spezialisiert hat. Seither scheint der heute 63-jährige Burscheider Unternehmer seine Energie und den Elan noch gesteigert zu haben. Für „seinen Mut und die Hingabe, mit denen er unternehmerische Werte schuf und sich Verdienste für den Wirtschaftsstandort Rheinisch-Bergischer Kreis erwarb“, wurde Fietz gestern mit dem Rheinisch-Bergischen Unternehmerpreis 2019 beim Festakt auf Schloss Bensberg ausgezeichnet. Leitidee des Preises ist es, dass Unternehmen ausgezeichnet werden, die gesellschaftlich notwendige Innovationen in den Bereichen Arbeitsplatz, Markt, Gemeinwesen und Umwelt leisten.
Etwas vom Erfolg zurückgeben
„In vielen Unternehmen ist bürgerschaftliches, soziales und gesellschaftliches Engagement ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Diese Modelle gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen sind Anregung und Ansporn für Unternehmen“, erklärt die Wirtschaftsförderung RBW. Maryo Fietz sagt von sich selbst, dass er etwas von seinem Erfolg an die Gesellschaft zurückgeben will – sei es im Kultursponsoring, durch Spenden an die Freiwillige Feuerwehr Burscheid, in der er selbst viele Jahre aktiv war, oder durch sein Engagement in der IHK.
Krisenerprobt
Sein Betrieb prosperierte, wenngleich es immer wieder Rückschläge unter anderem durch die New Economy oder die Finanzkrise gab. Betroffen ist Fietz auch von der gegenwärtigen Krise der Automobilindustrie. „Die Zulassungszahlen gehen zurück und die Umsätze auch.“ Fietz führt es auf die Verunsicherung der privaten Kunden zurück, die unschlüssig seien, ob sie einen Diesel, Benziner oder doch ein Elektroauto kaufen sollen. Bei den Dienstwagen sei die Nachfrage nach wie vor konstant.
Bei 70 Prozent der Produktion ist Fietz im Bereich Automotive auf den nicht motorisierten Bereich ausgerichtet, zum Beispiel bei Heckklappen oder Inneneinrichtungen. „Die Zeiten von Benziner und Diesel sind nicht vorbei. Denn wo sollen die Leute ihre Fahrzeuge auftanken?“, fragt Fietz. Seiner Ansicht nach wird der „Elektro-Hype“ überbewertet. Es stelle sich die Frage, wie flächendeckend Ladestationen aufgebaut werden sollen. Darauf habe die Politik noch keine befriedigende Antwort. Für eine neue Produktionshalle habe er bei der EVL eine Trafostation geordert. Das sei gar nicht so einfach gewesen.
Lücke auf dem Markt geschlossen
Seit der Firmengründung im Jahr 1974 hat sich eine Menge getan. Zwei Mitarbeiter, die Eltern und er arbeiteten im Betrieb, der 1976 aus der privaten Garage in das neue Gewerbegebiet verlegt wurde. „Soviel Platz war da. Wir dachten, dass wir die Räume nie füllen. Im neuen Maschinenpark in Heide gab es die erste Großserienfertigung für die Automobilindustrie. Aus den USA stammte die Idee, fragile Dichtungsringe durch einen Unterstützungsring aus Kunststoff zu stabilisieren. Auf dem Markt war die Familie Fietz eindeutig in eine Lücke gestoßen.
Umzug an die Industriestraße
„Ich arbeitete an der Drehmaschine und meine Mutter brachte die Pakte für die Kunden zum Bahnexpress.“ Schon drei Jahre nach dem Einzug war es zu eng, Fietz expandierte. Doch in Heide war auf der einstigen Obstwiese von Bauer Schmitz bald kein Platz mehr, der Umzug an die Industriestraße in Burscheid stand Mitte der 80er Jahre an. 2001 übernahm Maryo Fietz nach dem Tod seines Vaters Manfred den Job als Geschäftsführer. Heute arbeitet die Fietz Gruppe als Firmenverbund aus vier verschiedenen Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie mit Standorten in Burscheid und Radevormwald.
250 Mitarbeiter
250 Mitarbeiter beschäftigt die Fietz-Gruppe heute. Neben dem Automotive-Bereich ist Fietz im Maschinenbau, der chemischen Industrie, Lebensmittelverarbeitung, Elektro/Elektronik unterwegs. Den Fachkräftemangel bekommt auch das Burscheider Unternehmen zu spüren und setzt auf berufliche Weiterqualifizierung. Damit bindet Fietz Mitarbeiter. Azubis, so seine Erfahrung, orientieren sich nach der Ausbildung auf dem Markt auch schon mal woanders hin. Mitarbeiter, die Talente haben, die im Unternehmen womöglich gar nicht zu Tragen kommen, freuen sich über die Chance einer Qualifizierung und bleiben dem Betrieb verbunden.
Ehemaliger Pizzabäcker stieg im Betrieb auf
So hat ein ehemaliger Pizzabäcker, der bei Fietz an der Maschine anfing, sich fortgebildet und bildet heute andere aus. Eine ehemalige Leiharbeiterin hat heute den Bereich der Weiterbildung und Aussicht auf den Posten der stellvertretenden Produktionsleiterin. Im Bereich der Ausbildung erhielt Fietz 2016 das Zertifikat „vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ seitens der Arbeitsagentur. Danach gefragt, was ihn antreibt, sagt Fietz spontan: „Ich will gestalten.“
